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Leonhard Berchtenbreiter und Gisela Berthold-Sames in einem unterhaltsamen Buch über Fleißbildchen

"Ohne Fleiß kein Preis"

Fleißbildchen von Gisela Berthold-Sames.
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Fleißbildchen von Gisela Berthold-Sames.

"Dem braven Kind" so lautet der Titel eines Buches von Hans Gärtner, das anlässlich einer Ausstellung über Fleißbildchen im Amtshaus von Windberg, dem Klosterdorf neben der altehrwürdigen Abtei der Prämonstratenser, erschienen ist. Die Ausstellung im Herbst wurde konzipiert von Frater Raphael Sperber, der selbst in der niederbayerischen Abtei lebt und als Archivar wirkt.

Wie es sich für eine ordentliche Ausstellung gehört, gibt es dazu ein Buch, das einlädt zum Lesen, Schmunzeln und Erinnern an die eigene Schulzeit.

Es ist schon einige Jahre her, dass Frater Raphael Sperber in einem alten Lesebuch blätterte und dabei zwischen den Seiten ein dünnes durchsichtiges Bildchen fand, das sich beim näheren Betrachten auf seiner warmen Handfläche zu bewegen begann. Der Klosterarchivar hatte ein Hauchbildchen gefunden und sein Forscherdrang und seine Sammelleidenschaft waren geweckt. "Ich fand heraus, dass schon um 1640 in verschiedenen Klöstern fromme Hauchbilder oder - so nannte man sie früher auch - Hausenbilder verwendet wurden" erzählt der Prämonstratenser begeistert. Wem dieser Name nun merkwürdig vorkommt, dem sei kurz gesagt, dass früher statt der später üblichen Knochen-Gelatine der Leim aus der Schwimmblase des Hausen, einem riesigen Fisch aus der Familie der Störe, gewonnen wurde. Dünn auf eine Kupferplatte zum Trocknen aufgestrichen und farbig unterlegt, entstanden aus diesem Leim die einst bei Schülern begehrten Hauchbildchen.

Doch nicht nur Hauchbildchen erhielten brave und fleißige Mädchen und Buben als Belohnung in der Schule, seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden vor allem die farbig auf Papier gedruckten Fleißbildchen verteilt. Frater Raphael Sperber sammelte eifrig, was er an Fleiß- und Hauchbildchen erhalten konnte. Längst gibt es hierfür einen eigenen Sammlermarkt, auch im Internet. Doch er wollte sich nicht mit dem Sammeln allein zufrieden geben und recherchierte Hintergründe und Namen. Das Kürzel "L. B. R.", das Frater Raphael Sperber auf etlichen Fleißbildchen entdeckte, erschloss sich erst nach längerem Suchen und Nachfragen. Doch jetzt steht fest, dass damit "Leonhard Berchtenbreiter Rosenheim" gemeint ist. Der Kunstverleger hatte in der Rosenheimer Nikolaigasse seinen Firmensitz und gab um 1950 unter anderem eine Serie von Fleißbildchen heraus, die Motive des Dresdner Romantikers Ludwig Richter (1803 bis 1884) zeigen.

In Professor Dr. Hans Gärtner, selbst ein begeisterter Sammler von Fleißbildchen, hat Frater Raphael Sperber einen kundigen Mitstreiter zu diesem umfangreichen und kulturgeschichtlich höchst aufschlussreichen Thema gefunden. Der emeritierte Pädagogik-Professor und routinierte Autor hat nun mit "Dem braven Kind" ein informatives und unterhaltsames Buch verfasst, das auch nach dem Ende der Windberger Ausstellung Bestand hat. Es ist die erste kompakte Publikation über Fleißbildchen und bietet auf rund 200 Seiten mit vielen Abbildungen einen Überblick über 200 Jahre Schulkultur.

Die frühen Fleißbildchen zeigten vor allem religiöse Motive und hielten mit Bibelzitaten zu einem strebsamen und tugendsamen Leben an. Später kamen mit lustigen Kinderszenen und kleinen Versen mehr kindgerechte Gestaltungen auf. Unter den Entwerfern sind durchaus bekannte Namen wie die Wienerin Ida Bohatta (1900 bis 1992) oder die Sießener Klosterfrau Berta Hummel (1909 bis 1946).

Auch an eine Künstlerin aus unserer Gegend wird in dem Buch erinnert, an Gisela Berthold-Sames (1917 bis 1996), die Ehefrau des Bildhauers Joachim Berthold. Anfang der 1950er Jahre hatte die gebürtige Kölnerin und Schülerin der dortigen Werkkunstschule, die seit ihrer Heirat 1940 mit ihrer Familie in Oberaudorf lebte, kleine Szenen mit Tuschfeder und Temperafarben zu den Anfängen bekannter Kinderlieder gemalt. Ursprünglich sollten sie ein Kinderliederbuch illustrieren. Dieser Plan zerschlug sich jedoch und sie fanden Verwendung als Fleißbildchen. Die Tochter Sabine Fordemann hatte vor einigen Jahren eine witzige Idee: kleine Schokoladentäfelchen mit eben diesen Bildchen. Wie könnte man Lob und Belohnung besser greifbar machen als in dieser süßen Form.

Hans Gärtner: "Dem braven Kind. Fleißbildchen. Ein fast vergessenes Stück Schulkultur", Poppe-Verlag Windberg. 208 Seiten,. 170 Abbildungen, Sonderband der Schriftenreihe der Abtei Windberg, 2014. 12,90 Euro. Zu beziehen über den Buchhandel oder die Abtei Windberg, Internet: www.praemonstratenserabtei-windberg.de.

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