Reisebericht „Rivertime“

Oberaudorf: Bergwanderführerin und Autorin Ana Zirner und ihre Abenteuer am Colorado

Eisige Angelegenheit: Ana Zirner bei der Erstbefahrung des Oberaudorfer Dorfweihers. Die gebürtige Chiemgauerin, die jetzt in der Inntalgemeinde wohnt, berichtet in ihrem neuen Buch Rivertime auch über Amerika unter Trump.
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Eisige Angelegenheit: Ana Zirner bei der Erstbefahrung des Oberaudorfer Dorfweihers. Die gebürtige Chiemgauerin, die jetzt in der Inntalgemeinde wohnt, berichtet in ihrem neuen Buch Rivertime auch über Amerika unter Trump.
  • vonAndreas Friedrich
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Sie hat sich in ein Abenteuer gestürzt und sich spontan für eine Erstbefahrung auf dem zugefrorenen Teich im Oberaudorfer Kurpark entschieden: die Buchautorin Ana Zirner. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Oberaudorf – Aufgewachsen im Chiemgau, gelang Ana Zirner mit ihrem Buch „Alpensolo“ ein großer Wurf, der Titel landete in Bestsellerlisten, Auftritte in TV-Sendungen folgten. Vor Kurzem veröffentlichte die Tochter des Schauspieler-Ehepaares Katalin und August Zirner ihren Reisebericht „Rivertime“. Noch inspiriert von der Expedition und dem winterlichen Ambiente, startete Ana Zirner spontan eine Erstbefahrung auf dem zugefrorenen Teich im Oberaudorfer Kurpark. Die Inntalgemeinde ist ihr neues Zuhause.

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Buch und zur erfolgreichen Winter-Erstbefahrung des Kurparkteichs mit dem Packraft! Wie geht es Ihnen in Oberaudorf und wie kommen Sie als Freischaffende gerade klar mit der Pandemie-Situation?

Ana Zirner: Durch die Corona-Pandemie bricht mir die Hälfte meines Einkommens weg. In Oberaudorf zu wohnen, mit Blick auf den Kaiser, ist freilich ein Traum.

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Sie haben Politik und Islamwissenschaften studiert, später auch Filmregie, und waren Organisatorin internationaler Kunst- und Theaterfestivals. Zudem sind Sie Bergführerin und Autorin von abenteuerlichen Reiseberichten – gibt es weitere Anas?

Zirner: Ich bin in den Bergen aufgewachsen. Schon bei meiner Tätigkeit als Theaterregisseurin waren die Berge ein Rückzugsgebiet für mich an Wochenenden und im Urlaub. Ich habe die zweijährige Ausbildung zur internationalen Bergwanderführerin gemacht, arbeite für „Alpine Welten“ in Berchtesgaden. Außer der „taffen“ Outdoor-Ana bin ich ein sensibles weibliches Wesen (schmunzelt...), Mut und Sensibilität ergänzen sich.

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Kommen wir zu Ihrem aktuellen Buch Rivertime: Was hat Sie zu dieser ungewöhnlichen Tour inspiriert?

Zirner: Als US-Staatsbürgerin wollte ich sehen, wie es in meiner zweiten Heimat unter Trump so ist und Klischees hinterfragen. Außerdem wollte ich gerne die Sandsteinlandschaften der Nationalparks und den Colorado River kennenlernen. Der Fluss ist ein Spiegel der Gesellschaft und ein Zeuge des Klimawandels, der sich dort beispielsweise in Form von Dürre zeigt. Durch die Grenze zwischen USA und Mexiko kamen bei dem Projekt noch soziale und politische Aspekte hinzu.

Im Mittelteil der Erzählung, berichten Sie voller Energie und Freude von der River Community und der Wildwasser-Expedition auf den Ruderbooten, den „Dories“.

Zirner: Bei der Tour waren drei Rafts und vier Dories unterwegs, und sowohl beim Einführungskurs als auch bei der Expedition habe ich viel gelernt. Meine Riverguide-Kollegen der Firma OARS waren die besten Coaches, die man sich für Wildwasser wünschen kann. Diese Kollegen sind Vertreter des positiven Amerika: herzlich, solidarisch und umweltbewusst.

Sie unterbrechen die persönliche Geschichte immer wieder mit Fakten zur Ökologie des Flusses – inwieweit war die noch amtierende Trump-Regierung eine Gefahr für das Ökosystem und für die indigenen Anwohner?

Zirner: Trump hat große Flächen direkt am Colorado für den Raubbau freigegeben, dort lagern Uran und viele wertvolle Rohstoffe. Zum Glück haben verschiedene Klagen diese Vorgänge gestoppt, in einer zweiten Amtszeit wäre es richtig brisant geworden für Fluss und Anwohner.

Sie berichten von vielen persönlichen Begegnungen auch mit den indigenen Bewohnern von Reservaten. Was war der berührendste Moment ?

Zirner: Das war die Rede von Ophelia, einer indigenen Anwohnerin, bei einem Umwelt-Kongress über den Colorado. Sie hielt eine emotionale Brandrede über Umweltzerstörung und Ausnutzung der indigenen Reservatsbewohner.

Und die nächste Tour...?

Zirner: Das wird eine Kaukasus-Durchquerung von Ost nach West. Mich reizt das Gebirge als Trennlinie zwischen Europa und Asien und die verschiedenen Kulturen, schon in der griechischen Mythologie wurde Prometheus dort an den Berg geschmiedet. Übrigens reise ich drei Tage lang mit der Bahn an und lasse den Wechsel von Landschaft und Leuten auf mich wirken.

Sorgenvoller Blick auf den Colorado River

Für ihr neues Buch Rivertime folgte die ausgebildete Bergwanderführerin zu Fuß und mit einem „Packraft“, einem aufblasbaren Wildwasserkajak, dem Lauf des Colorado River von seiner Quelle in den Rocky Mountains bis zur Mündung in den Golf von Kalifornien, der bereits in Mexiko liegt. Sie berichtet darin von ihren Übernachtungen am Fluss, von Stromschnellen und von der Kette riesiger Stauseen bis hin zum völligen Versiegen des Flusslaufs. Ana Zirner trifft unterwegs auf Anhänger von Präsident Trump, Feuerwehrfrauen und Umweltschützer und darf als Assistenzguide eine Expedition durch die tosenden Wasser des Grand Canyon begleiten.

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