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Tiroler Festspiele

Norwegische Tänze und schottische Balladen in Erler Festspielhaus

Erfreut nehmen James Hendry und das Festspielorchester den Beifall entgegen.
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Erfreut nehmen James Hendry und das Festspielorchester den Beifall entgegen.

Ganz ohne Reden, nur mit Musik wurden die „Erntedank-Konzerte“ der Tiroler Festspiele Erl eröffnet, mit der Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy, der im Mittelpunkt der Konzertreihe steht.

Erl – Doch zunächst gab’s Musik von Edvard Grieg. In dessen Konzertouvertüre „Im Herbst“ op. 11 peitschte der energiegeladene junge britische Dirigent James Hendry das Festspielorchester zur höchsten Energieausschüttung bis hin zum krachenden Schluss. Diese Musik hat bisweilen Filmmusik-Charakter, wechselt ständig zwischen leisen Passagen und knalliger Orchestergewalt.

Rhythmisch scharf markiert

Schon hier zeichneten sich die Bläser aus, noch mehr in Griegs „Norwegischen Tänzen“ op. 11, die von Hans Sitt orchestriert worden sind. Elegische Oboen-Soli, punktgenau prachtvoll schmetternde Hörner und machtvoll crescendierende Posaunen prägten diese Tanzmusik, die vom Dirigenten immer rhythmisch scharf markiert, in einem geradezu fetzigen Tempo und in einem stetig vorwärtsdrängenden Fluss gehalten war.

Von Norwegen ging’s dann stracks nach Schottland – zumindest, das, was der Deutsche Mendelssohn in seiner „Schottischen Symphonie“ für typisch schottisch hielt.

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Hier half die genaue Zeichengebung des Dirigenten James Hendry, der zurzeit Erster Kapellmeister an der Staatsoper Hannover ist. Sie half so gut, dass sich ereignete, was ein erfahrener Konzertbesucher sich immer wünscht: Diese oft gehörte Symphonie klang frisch, als hörte man sie zum ersten Mal. Sofort trafen die Musiker den sehnsüchtig-tragischen Balladen-Ton, der Mendelssohn einfiel, als er Schloss Holyrood besuchte, in dem einst Maria Stuart wohnte. James Hendry sorgte für einen schwelgerischen Orchesterklang mit stetiger Lebendigkeit, für lyrischen Dauerfluss, herausstechende Dissonanzen und die Ausreizung der dynamischen Kontraste.

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Die Vortragsbezeichnung des zweiten Satzes – Vivace non troppo – reduzierte er auf das „Vivace“, ließ Klangwellen durchs Orchester schwappen und schuf so einen gleichsam gischtenden Wirbelsturm, einen schnell vorbeihuschenden schottischen Herbstnachtstraum.

Die Pauken grollten

Das innig singende Adagio wirkte in Hendrys Interpretation wie ein nordisch eingefärbtes vorweggenommenes Mahler’sches Adagietto aus dessen 5. Symphonie. Unter leisem Paukengrollen baute es sich großartig auf und verebbte sinnend wie in Goethes „Parzenlied“: „Es horcht der Verbannte in nächtlichen Höhlen…und schüttelt das Haupt.“

Mit scharf abgerissenen Doppelpunktierungen der Geigen begann das Finale, stürmte herzhaft durch kontrapunktische Verflechtungen und endete in der jauchzenden Hörnerhymne, einer Apotheose des Balladentons. Der große Jubel des Publikums galt vor allem dem Dirigenten, der ganz demütig auf die Partitur des Komponisten verwies.

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