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Ausstellung im Wasserburger Umspannwerk

Neun Fensterblicke arbeitsteilig gemalt von zwei Künstlern

Die Gemälde entstanden nach einer Fotovorlage, aufgenommen im Vorübergehen.
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Die Gemälde entstanden nach einer Fotovorlage, aufgenommen im Vorübergehen.

Das Fenster im Bild ist eine Spielart der Malerei, die auf die Epoche der Romantik zurückgeht. Die Maler Manuel Michaelis und Andreas Pytlik schufen nun neun spannungsgeladene Drinnen-Draußen-Beziehungen, die bei der ersten Ausstellung des Arbeitskreises 68 im Umspannwerk zu sehen sind.

Wasserburg – Am vergangenen Samstag eröffnete der Arbeitskreis 68 (AK68) gemeinsam mit den beiden Künstlern Manuel Michaelis und Andreas Pytlik die erste Ausstellung im ehemaligen Umspannwerk an der Priener Straße 3. Das Gebäude nebst Umgriff steht dem AK68 in den nächsten Monaten und möglicherweise auch darüber hinaus zur Verfügung. In den letzten Wochen waren an der Fassade des Gebäudes mehrere großflächige Murals, also Wandbilder, entstanden (wir berichteten). Mehr dazu:

Katrin Meindl, die erste Vorsitzende des AK68, bezeichnete das Gebäude bei der Eröffnung als „leeres Gefäß“, es könne nun mit Inhalten gefüllt werden – und das beginne mit der Ausstellung.

Gezeigt wird aktuell ein Zyklus von neun Ölbildern, die stets denselben menschenleeren Raum und durch dessen Fenster eine das Gebäude umgebende Landschaft zeigen.

Neun Vatiationen

Dieses Grundmotiv wird neunmal variiert, gegenüber stehen sich der realistische Innenraum und der abstrakte Außenraum – und umgekehrt. Damit arbeiten die beiden Künstler mit dem Thema des zentral angeordneten Bildes im Bild. Diese Art von Fensterblick wurde in der Romantik bekannt, erstmals wohl durch Caspar David Friedrich in dessen beiden Zeichnungen mit Aussichten auf die Elbe, gesehen durch das Fenster seines Dresdner Ateliers. Mehr dazu: Allerdings hat man im Fall der neun Bilder von Michaelis und Pytlik gewiss keine romantische Sicht auf die Welt vor sich. Eher schon verweist die Atmosphäre im Innenraum auf den Stil des Amerikanischen Realismus: Der zwar menschenleere, jedoch wegen der abgebildeten, im Raum befindlichen Gegenstände auf anwesende Menschen verweisende Raum erzeugt eine eigentümliche Spannung beim Betrachter.

Arbeitsteilig gemalt

Aber viel aufschlussreicher als solche Vergleiche ist die Geschichte der Werke. Wie die neun Bildern entstanden, erfuhren die Besucher bei der Vernissage von den beiden Künstlern selbst. Und so kam es: Am Anfang war ein Foto des Raumes mit Fenster und damit einer Sichtbeziehung nach draußen in die Landschaft. Dieses hatte Andreas Pytlik quasi im Vorbeigehen aufgenommen. Manuel Michaelis interessierte sich dafür, das Foto zur Vorlage für Malerei zu machen. Er schlug Pytlik vor, die Arbeit aufzuteilen: Den Raum werde er, Michaelis, malen, die durch das Fenster wahrnehmbare Landschaft dagegen solle Pytlik malen. So ergab sich im Jahr 2019 das ungewöhnliche Vorgehen eines Malens im Bild des Anderen. Erschwert wurde die Zusammenarbeit durch die Pandemie. Die Künstler stellten sich das in Arbeit befindliche Bild buchstäblich gegenseitig vor die Tür, um den persönlichen Kontakt zu vermeiden. Im weiteren Verlauf tauschten die Künstler die Rollen, denn nun wurde Pytlik – anfangs nur widerwillig – für den Innenraum verantwortlich, während Michaelis sich der Landschaft draußen vor dem Fenster widmete.

Motiv kommt in Bewegung

Auf diese Weise kam das erstarrte Foto in Bewegung, der Betrachter geht diesen Weg der beiden Künstler von Bild zu Bild mit.

Im ehemaligen Umspannwerk empfängt der Ausstellungsraum diesen Bilderzyklus mit offenen Armen: Es gibt dort, in der Längsachse des zum Abbruch vorgesehenen Gebäudes, genau neun Fenster. Und diese neun Fenster bilden nun das Gegenüber zu den neun Bildern und den dort abgebildeten neun Fenstern.

Die Ausstellung ist am Samstag und am Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Beide Künstler sind anwesend.

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