Nach 175 Tagen Corona-Pause: Neustart für den „Himmegugga“ im Riederinger Theaterzelt

  • vonKlaus Bovers
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Mitte März fiel auch im Riederinger Theaterzelt von Elfriede Ringsgwandl erst einmal der Vorhang. Nach 175 Tagen Corona-Pausen geht es mit dem „Himmegugga“ nun am 4. September weiter - mit deutlich weniger Besuchern. Doch der Kultur-Rettungsschirm fängt bei weitem nicht alle Verluste auf

Riedering – Nach der Himmegugga-Vorstellung am 12. März wusste niemand, wie lange die Corona-Pause dauern würde. „Mir spuin, bis koana mehr kimmt!“ – die Publikums-Verabschiedung der Theater-Chefin am Schluss jeder Vorstellung hatte plötzlich eine Art konkreten Beigeschmack. Das gut gestimmte Publikum hat das kaum wahrgenommen, bei der Theatertruppe war die Stimmung eine andere. Abgesehen vom ausfallenden Nebenverdienst, denn Kurzarbeit ist für ein derartiges Theater keine Option: nicht spielen zu dürfen, was gibt es Schlimmeres?

Monatelange Ungewissheit

Dazu noch diese Ungewissheit! Sie zog sich über den März, den April und Mai bis in den Juni hinein, als die Bayerische Staatsregierung dann endlich verstanden hatte, dass Kultur kein gesellschaftlicher Luxus, sondern auch ein Wirtschaftszweig ist, der viele tausend Menschen beschäftigt. Der Antrag auf sogenannte „Spielstätten-Förderung Bayern“ macht es seitdem möglich, in der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember eventuelle Verluste abzufangen.

Endlich wieder Theater: Elfriede Ringsgwandl vor einem Teil der neuen Kulissen „Lukas Straßenkind“.

Verluste aus 60 ausverkauften Veranstaltungen

Der „Kultur-Rettungsschirm“ lässt allerdings alle Verluste vom Start des Lockdown bis zum 30. Juni unberücksichtigt, bei Elfriede Ringsgwandl sind das rund 60 ausverkaufte Vorstellungen, die als Verlust deutlich zu Buche schlagen. Für ihre Truppe gibt es aber eine gute Nachricht: Für den 4. September hat die Chefin einen Neustart beschlossen. Nach 175 Tagen Spielpause geht es mit „Himmegugga“ weiter, der schon über 1300 Mal über die Bühne ging.

„Wir möchten einfach wieder spielen“, sagt Elfriede Ringsgwandl. „Natürlich will auch jeder Spieler wieder Geld verdienen, darum hoffe ich, dass ich mit dem Zuschuss, den ich vielleicht kriege, die Spieler bezahlen kann. Das ist mir das Wichtigste!“ Bis es soweit ist müssen sich die Theaterchefin und ihr Mann Erwin, zuständig für die Technik, noch den Kopf zerbrechen wegen der Realisierung der diversen Hygiene- und Abstands-Auflagen. Schon jetzt steht fest, dass von den 350 Zuschauerplätze auf beiden Bühnen nur 130 besetzt werden dürfen.

Vier Seiten Förderantrag

Gedanken macht sich auch der Steuerfachmann der Ringsgwandls, der gerade den Förderantrag bearbeitet. Dieser hat zwar nur vier Seiten Umfang, doch die Schwierigkeit liegt in den Zahlen, die ab 1. Juli bis zum Jahresende geschätzt werden müssen. Die Möglichkeiten des Antrags hält der Fachmann für relativ großzügig, weil eine Unterdeckung nach der Gegenrechnung von Einnahmen und Ausgaben zu 100 Prozent ersetzt werden soll. Was sich gut anhört, wenn eben die Zahlen nicht nur als geschätzt in einem Antrag stünden, der schließlich auch noch bewilligt werden muss.

Die erste staatliche Subvention überhaupt

Das wäre dann die erste staatliche Subvention, die Elfriede Ringsgwandl in der Geschichte ihres Theater erhalten würde. Der Steuerberater empfiehlt seiner Klientin jetzt schon eine spätere Endabrechnung, auch wenn die offiziell nicht verlangt wird. Elfriede Ringsgwandl sieht das so: „Ich fürchte, dass wir nach dem Neustart trotz Zuschuss in die roten Zahlen kommen können, die 60 verlorenen Aufführungen sind nun mal weg, ohne unsere Schuld. Aber ich will ja den Staat nicht betrügen, drum sind wir schon genau bei den Zahlen!“

Auflagen hält die Theaterchefin für sinnvoll

Auch bei den Corona-Auflagen sind die Ringsgwandls voll dabei: „Die Einschränkungen beim Publikum verstehe ich gut,“ versichert Elfriede, „auch mit unseren Auflagen kommen wir immer besser klar. Die werden jeden Tag exakter, und zum Glück gibt’s kein Verbot der Pause mehr, in der wir unseren Kulissen-Umbau machen.“ Sie ist sich sicher, dass vor dem Neustart noch einmal eine amtliche Prüfung kommt, doch darauf seien sie gut vorbereitet. Worauf sie nicht vorbereitet sind, ist das stark reduzierte Publikum. „Das wird schwierig,“ meint Elfriede, „was bisher während des Spiels von den vollen Rängen an uns zurück kam, diese besondere Stimmung, die wird fehlen. Wir werden die neue Situation eben einfach kennen lernen müssen!“ Unterdessen wird auch weiter an ihrem neuen Stück geprobt, „Lukas Straßenkind“ heißt es – der Termin der Uraufführung ist offen.

Theaterchefin Elfriede vertraut unterdessen trotz aller Ungewissheiten zu Recht auf die Treue ihres Publikums, schließlich sind die „Himmegugga“-Aufführungen bis Ende Oktober, wenn auch im kleinen Maßstab, ausverkauft. Mut wird eben belohnt.

Termine und Infos

Weitere Informationen zu den Stücken und Terminen unter www.e-und-e-ringsgwandl.de

Kultur-Fördermöglichkeiten im Überblick

Die Absagen von Veranstaltungen aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus führt in vielen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft zu Umsatzausfällen und finanziellen Härten. Das Bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft (bayernkreativ) stellt unter www.bayern-kreativ.de eine gute Übersicht relevanter Hilfsprogramme und -maßnahmen von Bund, Land und Kommunen zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © Erwin Ringsgwandl

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