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Von der Vielseitigkeit eines Musikgenies

Musiktheater von Beethoven gibt es auch über „Fidelio hinaus

Mit dem Orchester auf der Bühne: (von links) George Vincent Humphrey (Tenor), Michael Doumas (Bass), Dirigent Georg Hermansdorfer, Kayo Hashimoto und Sieglinde Zehtbauer (Sopran).
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Mit dem Orchester auf der Bühne: (von links) George Vincent Humphrey (Tenor), Michael Doumas (Bass), Dirigent Georg Hermansdorfer, Kayo Hashimoto und Sieglinde Zehtbauer (Sopran).

Fidelio kennt (fast) jeder. Dass Beethoven jedoch über seine einzige „offizielle“ Oper hinaus in diese Musikrichtung gedacht und geschrieben hat, nur wenige. Die „Erlesene Oper“ in Rosenheim hat sich auf die Suche gemacht und erstaunliches gefunden.

Rosenheim – Seine einzige Oper „Fidelio“ kennt jeder Klassikliebhaber. Hat Beethoven aber noch mehr Kompositionen für das Musiktheater geschrieben? Dieser Frage ist der musikalische Leiter der „Erlesenen Oper, Georg Hermansdorfer, in einem Konzert im Rosenheimer Ballhaus nachgegangen. Mit viel Humor und Sachkenntnis führte Hermansdorfer anlässlich des 10-jährigen Bestehens der „Erlesenen Oper“ durch das Programm des Nachmittags.

„Beethoven hat sich immer als Dramatiker empfunden“ erklärte Hermansdorfer. Es fänden sich zahlreiche Opernprojekte, die allerdings nicht oder nur teilweise ausgeführt wurden. So plante der Komponist etwa eine Vertonung von Goethes „Faust“ und Shakespeares „Romeo und Julia“. Auch Grillparzers „Melusine“ sollte von Beethoven vertont werden, nach kurzer Zusammenarbeit mit dem schwierigen Komponisten habe Grillparzer aber aufgegeben und soll geseufzt haben: „Mit dem wird das nie was!“ Beethoven war nämlich mit seinen Stoffen sehr anspruchsvoll, sie sollten sittlich und erhaben sein. Mozarts „Don Giovanni“ sei ihm laut Hermansdorfer zu frivol gewesen.

Dramatisch und raumfüllend mit klangsatten Streichern, fröhlichen Flöten, Paukenschlag und Trommelwirbel spielte das Orchester die Ouvertüre „König Stephan“ aus dem Weihespiel zur Eröffnung des Theaters in Pest, die Hermansdorfer beherzt und schwungvoll dirigierte. Mit viel Charme sang Bassist Michael Doumas „Prüfung des Küssens“, in dem er scheinheilig verschmitzt fragte: „Ist denn Küssen Sünde?“ . Nach der Arie „O welch ein Leben“ , die Tenor George Vincent Humphrey volltönend zu Gehör brachte, folgte „Soll ein Schuh nicht drücken“ aus dem Singspiel „Die schöne Schusterin“ ,einem damaligen seichten Erfolgsstück, in dem Sieglinde Zehetbauer mit dem Schuh schwenkte und ihre helle, glockenreine Stimme erklingen ließ.

Nach Beethovens Tod wurden 5000 lose Blätter und 50 Skizzenbücher versteigert und in alle Welt zerstreut. Das habe laut Hermansdorfer später den Überblick erschwert. Den hatte dann wieder Michael Doumas mit dem witzigen Goethe-Text „Mit Mädeln sich vertragen“. Voller Leidenschaft und Inbrunst sang Kayo Hashimoto die Arie „Ah Perfido“, deren schwierige Passagen sie derart makellos in Szene setzte, dass das Publikum anhaltend und begeistert applaudierte.

Dass Beethoven Goethefan war, ist bekannt. Für die Schauspielmusik zu Goethes „Egmont“ soll er sogar auf die Gage des Burgtheaters verzichtetet haben. Goethe aber konnte mit der romantischen Wildheit der Musik Beethovens nichts anfangen. Natürlich folgten als Höhepunkt des Konzerts Passagen aus „Fidelio“. Stürmische Begeisterung löste das Quartett der Sänger in der Kerkerszene aus, ergreifend war das Duett „Namenlose Freude“ zwischen Leonore und Florestan. Nachdem Stargast Oskar Hillebrandt als Gouverneur Pizarro mit seinem mächtigen Bariton faszinierte, schmetterten am Ende alle Sänger zur feierlichen Orchesterbegleitung gemeinsam „Es ist vollbracht“ aus dem Singspiel „Die Ehrenpforte“, für das Beethoven das Finale schrieb. Für den überragenden Konzertnachmittag spendeten die Besucher dem Ensemble der „Erlesenen Oper“ minutenlange Ovationen.

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