Ein frustrierendes Jahr

Musikkollegium Traunstein und die Corona-Pandemie: Eine Zerreißprobe für ein Orchester

Archivfoto von der Verabschiedung von Augustin Spiel (Mitte) aus dem Leitungsteam des Musiksommers zwischen Inn und Salzach mit seiner Frau Edeltraud l und dem Vorsitzenden des Musiksommers, Altlandrat Hermann Steinmaßl.
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Archivfoto von der Verabschiedung von Augustin Spiel (Mitte) aus dem Leitungsteam des Musiksommers zwischen Inn und Salzach mit seiner Frau Edeltraud l und dem Vorsitzenden des Musiksommers, Altlandrat Hermann Steinmaßl.
  • vonChristiane Giesen
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Wie wohl alle Musiker und anderen Künstler hat auch das Musikkollegium Traunstein coronabedingt ein schwieriges, vor allem frustrierendes Jahr hinter sich. Das letzte große Konzert zur Faschingszeit war am 15. Februar, in der Aula der Berufsschule. Die Sorge: Wie wird es weiter gehen?

Traunstein –Im Mai war zum Beethoven-Jahr eine Hommage an Beethoven mit dem Violinsolisten Frank Stadler geplant. Durch eine Entscheidung der Stadt und der Musikschule wurde dieses Konzert vorsichtshalber auf Ende November ins Kulturforum Klosterkirche verlegt. „Jetzt mussten wir auch das zu Grabe tragen“, sagt Augustin Spiel im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ende Oktober die letzte Probe

Er hatte 1984 erstmals ein Ensemble zusammengestellt, das sich bald bei Musikliebhabern zum sehr gefragten Musikkollegium Traunstein entwickelte. Die letzte Probe für das geplante Konzert im November war Ende Oktober im Saal des Erzbischöflichen Studienseminars, wo die notwendigen Abstände – 1,50 Meter für Streicher, 2 Meter für Bläser – gut eingehalten werden konnten.

Wegen des geplanten Umbaus des Studienseminars würden diese Räumlichkeiten für weitere Proben nun wegfallen, erklärt Spiel. Das Kulturzentrum am Stadtplatz sei zu klein, denn im Unterschied zu Berufsorchestern habe das Musikkollegium keine Plexiglaswände. Ohnehin sei das Orchester, das die großen Konzerte sonst meist mit 48 Spielern bestreitet, nun verkleinert worden.

Nur 31 Spieler möglich

Sogar in der Klosterkirche hätten es mit den notwendigen Abständen und den ersten frei gehaltenen Sitzreihen nur 31 Spieler sein dürfen – sechs erste Geigen, fünf zweite, vier Bratschen, drei Celli, drei Kontrabässe und zehn Bläser. „Alle sind jetzt so begierig darauf, wieder spielen zu dürfen“, bedauert Augustin Spiel, obwohl momentan ja sogar das gemeinsame Proben nicht erlaubt sei. Nun hoffen alle auf die Zeit nach Weihnachten. „Alle warten wir auf das Signal, dass es weiter geht“, so Spiel. Das gesamte Orchestermaterial, wie Noten, liege bereit.

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Psychisch sei es sehr frustrierend, wenn alle zusammen mühselig auf ein Ziel hinarbeiten, das dann doch nicht erreicht werden könne, erklärt der Orchesterleiter. Ein Orchester sei so wie ein Chor „ein kompliziertes soziales Gebilde“, bei dem sich bei zu viel Belastung „der Sensus der Zusammengehörigkeit“ auch verlieren könne.

Warten auf das befreiende Signal

Da jetzt aber alle so gerne wieder zusammen spielen wollen, sei er zuversichtlich, dass alle wiederkommen, sobald es das ersehnte Signal zum Weitermachen kommt.

Die fast 50 Musiker des Musikkollegiums Traunsteins setzen sich sowohl geografisch als sozial aus allen Schichten der Bevölkerung und Altersgruppen zusammen. Darunter gibt es viele Lehrer, insbesondere Musiklehrer, aber auch Musikbegeisterte, die einfach sehr gut spielen, viele aus dem Umfeld von Traunstein, aber auch aus Salzburg, Peterskirchen, Saaldorf bis München, zum Beispiel zwei Oboisten, die seit Jahrzehnten freundschaftliche Beziehungen zum Orchester pflegen.

Große Konzerte gegeben

Seit den späten 1980er bürgerte es sich ein, dass das Musikkollegium Traunstein drei große Konzerte pro Jahr zu Gehör brachte, darunter musikalisch sehr anspruchsvolle Werke wie die dritte Symphonie von Mendelssohn-Bartholdy oder die achte von Antonin Dvorak.

2005 traten die Reichenhaller Symphoniker unter Thomas Mandl und später Christian Simonis an Augustin Spiel heran, ebenfalls in Traunstein spielen zu dürfen, sodass es seither fünf große Orchesterkonzerte in Traunstein gab, was die Zuhörer sehr gerne annahmen.

„Jetzt müssen wir die Zeit überbrücken“, sagt Spiel und freut sich mit seinen Musikerkollegen darauf, im neuen Kulturforum Klosterkirche spielen zu dürfen. Alle Planungen, auch der Proben seien von der Leiterin der Klosterkirche, Alexandra Birklein, sehr hilfreich mitgetragen worden, sagt Spiel.

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