Vogler-Quartett gastierte im Schloss Neubeuern mit Musik von Bach, Beethoven, Berg und Schumann

Musikalische Harmonie und düstere Dissonanzen

Wenn ein Konzert mit einer Einleitungszugabe beginnt, muss ein ganz besonderer Anlass vorliegen. Zur Ehrung und Würdigung des künstlerischen Leiters der Neubeurer Konzerte, Kurt Hantsch, spielte das Vogler-Quartett im Schloss Neubeuern vor dem eigentlichen Programm des Abends den ersten Kontrapunkt aus der "Kunst der Fuge" von Johann Sebastian Bach. Hantsch, der die hochkarätige Konzertreihe vor über 40 Jahren gründete, erhält für sein unermüdliches kulturelles Engagement vom Bundespräsidenten die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Kein Wunder, dass das Publikum, als es von der Verleihung erfuhr, minutenlang freudig applaudierte.

Harmonische Spielfreude, Perfektion und eine hochdifferenzierte Klangkultur zeigten Tim Vogler und Frank Reinecke (Violine), Stefan Fehlandt (Viola) und Stephan Forck (Violoncello) bereits in diesem Bachschen Wunderwerk, das kammermusikalische Durchsichtigkeit mit seelenvoller Innigkeit verband und gleichsam wie eine musikalische Andacht wirkte.

Beethovens D-Dur-Quartett mit seinem freundlich-beschwingten Allegro, dem lyrischen Andante und dem überbordenden, temperamentvollen Finalsatz spielte das Vogler-Quartett mit feinem Gespür für den musikalischen Farbenreichtum der Komposition. Ihre Interpretation verband kultivierte Geistigkeit, technische Brillanz und Leidenschaftlichkeit zu einem ganz besonderen Hörgenuss.

Nicht ganz leicht zum Zuhören, aber klanglich faszinierend war die lyrische Suite für Streichquartett von Alban Berg, zu der Tim Vogler eine hilfreiche Einführung gab. Das Werk, das der Komponist für eine Schwester Franz Werfels geschrieben hatte, ist nicht nur ein Denkmal einer großen Liebe, in seinen Sätzen spiegelte sich auch das Wien der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts mit seinem morbid-dekadenten Charme. Das motivische Material wird gewissermaßen als "geheime Programmmusik" durchgeführt. Dem heiteren Allegretto gioviale folgte ein Rondo mit einem Ländler und das gespenstische Allegro misterioso, dessen kunstvolle, rasch dahinjagende Tonfiguren das Vogler-Quartett mit leidenschaftlichem Ernst zu Gehör brachte. Der vierte Satz symbolisierte gleichsam die Unerfüllbarkeit der Liebessehnsucht des Komponisten, das Presto delirando mit seinen Flautando-Klängen hingegen wirkte wie Experimentalmusik, deren düsteren Dissonanzen sich niemand entziehen konnte. Traurig und deprimierend verklang schließlich das Largo desolato als musikalischer Ausdruck tiefster Verzweiflung und Resignation.

Nach Alban Bergs in Töne gefassten Seelenqualen wirkte Schumanns A-Dur-Quartett Opus 41 Nr. 3 wie eine Befreiung. Das Allegro mit seiner ruhigen, wiegenden Einleitung, das melodisch-zarte Adagio molto und das fröhliche Finale mit seinen marschähnlichen Rhythmen interpretierte das Vogler-Quartett derart feinfühlig und eindringlich, dass der anschließende Beifall nicht enden wollte. Zur Beruhigung der aufgewühlten Seelen bildete noch einmal Bach als Zugabe und Ausklang den harmonischen Abschluss des Abends.

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