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Musik als Gebet: „Öffne dieOhren und höre...“

Sachrang – Musikalische Andacht und zugleich Glück, von der Schöpfung hören zu dürfen, das durften die (coronagerecht) weit auseinander sitzenden Zuhörer in der Sachranger Pfarrkirche St. Michael.

Professor Hansjörg Schellenberger hatte in die Sachranger Pfarrkirche St. Michael eingeladen. Mit der Allemande partita in g-Moll von Johann Sebastian Bach (1685-1750), BWV 1013, eröffnete die Oboe die musikalische Stunde. Elegant, verspielt, kantabel wand sich die Oboe, tänzerisch-sehnsuchtsvoll wiegte sie sich später bei der Sarabande und der Bourrée anglaise - eine Verneigung vor der hohen Komponierkunst Bachs.

Die Texte dazwischen, die Prof. Schellenberger sorgfältig ausgewählt hatte, taten das Übrige, um Einkehr zu halten. Sei es mit den Worten Jesu am Ölberg: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“, zu denen Papst Johannes Paul I. ergänzend anmerkte, Leiden bedeute, nicht allein zu sein.

Oder sei es ein Gedicht von Volksmusiker Tobias Reiser junior (1946-1999), der geschrieben hatte: „Ich denke an morgen, vergesse das heute und träume vom Frieden.“ Reisers Gedicht „Warte nicht: Öffne die Ohren und höre…“ hallte da nicht minder kraftvoll nach. Da passte die Fantasie in d-Moll Nr. 6 von G. Ph. Telemann (1681-1767) perfekt, virtuos vorgetragen, das dolce lyrisch, zart-schmelzend, das allegro barock-fugenartig heiter und das spirituoso schwungvoll rondeauartig Melodien wiederholend. Der „lettre d’amour“ aus der Feder des ungarischen Komponisten Antal Dorati (1906-1988) war Schalmeien-Klang, lockend, sehnsuchtsvoll, unterbrochen von kapriolenhaften Spülungen und Echo-Effekten. Dazwischen ein Gebet von Clemens von Brentano (1778-1842) „Herr, ich steh in deinem Frieden…“, später ein Text des Physikers Albert Einsteins (1879-1955), in dem es heißt: „Wer sich nicht mehr wundert, der ist seelisch bereits tot.“ Klare Worte, prägnanter Inhalt, im Einklang mit der Musik.

Das poco adagio aus der Sonate in a-Moll für Oboe solo von Carl Philip Emanuel Bach (1714 bis 1788) spielte Schellenberger würdevoll, polyphon anmutend, die Verzierungen genussvoll auskostend. Bei der Fantasie Nr. 12 von Telemann arbeitete er die Linienführung profiliert heraus, hier kantabel, dort in zweistimmiger Manier. „O Haupt voll Blut und Wunden“, das Kirchenlied von Paul Gerhardt (1607-1676), das beinahe brutal das Bild des Gekreuzigten („O Haupt zum Spott gebunden mit einer Dornenkron“) zeichnet und das flehend Gott huldigt (“Erscheine mit zum Schilde, zum Trost in meinem Tod“), bildete den Höhepunkt der musikalischen Andacht. J.S. Bach vertonte das Kirchenlied in der Matthäuspassion, BWV 244, mit der gleichen Melodie im Choral „Wie soll ich dich empfangen“ aus dem Weihnachtsoratorium, BWV 248, fasst Bach den Zyklus aus Geburt, Tod und Auferstehung in wohlfeine Klänge zusammen. Den Schlusssatz des Gebets „Wer so stirbt, der stirbt wohl“ noch im Ohr, gelang Schellenberger mit einer variantenreichen Improvisation ein wohlfeiner Schlusspunkt. Das war Balsam, das gab Trost und war dennoch Gebet zugleich. Elisabeth Kirchner

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