Mulo Francels neues Album ist eine Hommage an den Frieden – Jazz zwischen Ost und West

Viel Nostalgie und der markante Saxophonsound von Mulo Francel durchziehen das neue Album.
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Viel Nostalgie und der markante Saxophonsound von Mulo Francel durchziehen das neue Album.

75 Jahre Frieden zwischen Mittel- und Osteuropa sind eine historisch lange Zeit und alles andere als selbstverständlich. Für Mulo Francel ein guter Grund, dies mit einem neuen Album musikalisch zu würdigen.„Crossing Life Lines“ durchziehen viel Nostalgie und der markante Saxophonsound des Jazz- und Weltmusikers.

Von Andreas Friedrich

Rosenheim – Die Idee zu Mulo Francels neuem Album entstand auf einer Konzerttour von Quadro Nuevo durch Tschechien und Polen: In der Begegnung mit vielen herzlichen Menschen ließen ihm die Emotionen dieser Reise keine Ruhe und essenzielle Fragen zu den Themen Leid, Krieg, Besatzung und Vertreibung drängten sich auf. 75 Jahre Frieden zwischen Mittel- und Osteuropa sind eine historisch besondere Zeit und alles andere als selbstverständlich – ein Grund, dies musikalisch zu würdigen.

Teils populärer, teils nostalgischer Jazz

Mulo Francel fand Musiker mit einer familiengeschichtlich „mehrschichtigen“ DNA, Grenzgänger und Stellvertreter für viele, die nicht in nationale Denkmuster fallen. Die in Nürnberg lebende polnische Vibraphonistin Izabella Effenberg wirkte mit an dem neuen Album „Crossing Life Lines“, ebenso der Wiener Gitarrist Diknu Schneeberger mit jenischen und Sinti-Wurzeln. Herausgekommen ist mit Unterstützung vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales sowie vom Haus des Deutschen Ostens eine hörenswerte CD mit teils populären und nostalgischen Jazz-Stücken, aber auch mit experimentellen Tönen und neuen Kompositionen.

Schön swingig machen die Musiker mit „Valse de Bohémien“ den Auftakt, unter Beteiligung der „Friends“ und alten Bekannten David Gazarov (piano), Sven Faller (bass) und Robert Kainar (drums) sowie Philipp Schiepek an der Gitarre, und freilich auch D.D. Lowka, diesmal als Perkussionist. Wunderbare Balladen gibt es zu hören, wie den Song „Lover Man“, den auch Billie Holiday schon anstimmte, in einer schön langen Version mit zauberhaften Pianopassagen des in Rosenheim und Umgebung bestens bekannten, aus Aserbaidschan stammenden David Gazarov.

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Viel Nostalgie und der Saxophonsound von Mulo Francel durchziehen das Album, mit Anklängen an osteuropäische Musiktraditionen, aber überwiegend jazzig und swingig, beispielsweise das Stück „Ein Sommertag“ des Komponisten Hans Winterberg.

Das Booklet gibt Auskunft über ihn: Geboren 1901, überlebte er das Konzentrationslager im Ghetto Theresienstadt, war erst Bürger der Tschechoslowakei, ab 1947 in Bayern Deutscher. Als Prager Jude war er der deutschen und der tschechischen Kultur verbunden, einer von vielen Grenzgängern.

Ein turbulentes Schaschlik

Das turbulente „Schaschlik“ ist eines von mehreren absoluten Highlights auf der CD, ebenso wie das zarte „Wiosna“ als Komposition Izabella Effenbergs (Vibraphon), oder die von Sven Faller kreativ inszenzierte „Naab“, die als Rinnsal auf der tschechisch-bayerischen Grenze perlt, aber auch mächtig anschwellen kann.

Crossing Life Lines, 75 Minuten, Mulo Francel mit Diknu Schneeberger, Izabella Effenberg, Philipp Schiepek, David Gazarov, Bernd Lhotzky, Robert Kainar, Stefan Noelle, D.D.Lowka, Sven Faller und Jiri Barta, GLM Music FM261-2.

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