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Rigoletto von Verdi

Der Mörder sitzt bei den Festspielen im Schloss Amerang im Publikum

Rigoletto (Fernando Araujo, rechts) misstraut dem Herzog (Paolo Lardizzone).
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Rigoletto (Fernando Araujo, rechts) misstraut dem Herzog (Paolo Lardizzone).

Der Herzog, die Hofschranzen, der Hofnarr und der Rächer kriechen, stolzieren, tänzeln oder schreiten aus allen Türen, Pforten und Portalen des Schlosses, der Mörder sitzt mitten im Publikum: Hautnaher geht Oper nicht als im Arkadenhof des Schlosses Amerang.

Amerang – Und hautnaher am Orchester geht auch nicht. Deshalb hört sich „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi noch wesentlich dramatischer und charaktervoller an.

Geschlossene Inszenierung

Der Dirigent Stefano Seghedoni trieb das reduzierte Orchester zu immer hitzigerer Dramatik an. Die Geigen flirrten drohend beim Fluch des Grafen Monterone (dunkel donnernd: Jonathan Story). Das ganze Orchester schien heimlich zu schleichen beim Kommen des Mörders Sparafucile (gefährlich im Dauerforte orgelnd: David Ragnarsson). In den Klarinetten hörte man Gildas Herz hüpfen und am Schluss schienen bei den letzten klingenden Seufzern der sterbenden Gilda die Geigen- und Flötentöne wie aus dem Himmel herabzuschweben.

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Ingo Kolonerics hat mit seiner Operntruppe schon viele Opern im Schloss Amerang in Szene gesetzt: Hier ist ihm eine herausragend geschlossene Inszenierung gelungen. Hendrik Müller hat als Bühnenprospekt die Piazza Andrea Mantegna mit der Kirche Sant‘ Andrea in Mantua gemalt und Teile des Schlosses miteinbezogen. Die Kostüme sind zeitgemäß farbig (Peter Denifl) – nur der Herzog dürfte noch prächtiger gekleidet sein. Der Hofnarr hantiert mit Narrenkappe und -zepter, das er oft zweifelnd betrachtet, als ob er an seiner Lebensrolle zweifeln würde.

Männer-Summ-Chor ausgedünnt

Alle Agierenden sind rollenpassende ansehnliche Menschen, die recht natürlich spielen – auch wenn sie coronabedingt immer Abstand halten müssen. Wegen der Pandemie ist auch der Männer-Summ-Chor ausgedünnt. Alle aber sind sie hervorragende Sänger, um die sich eigentlich zumindest jedes Stadttheater reißen müsste.

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Paolo Lardizzone hat als Herzog all den Leichtsinn, die Leichtfertigkeit und auch Leichtigkeit dieses Dauerverführers in seinem hell timbrierten Tenor, seine die Treulosigkeit feiernde Anfangsarie sprudelte vor erotischem Übermut und Vergnügungslust. Seine „Schlager“-Arie („La donna è mobile“) glänzte in schmiegsamer Eleganz. Weil sich die Leiber von ihm und Gilda nicht umschlingen durften, umschlangen sich ihre Gesänge umso liebesgieriger.

Hals über Kopf verliebt

Diese Gilda nun war die eigentliche Entdeckung des Abends: Die erst 24-jährige Selin Dagyaran sang hinreißend und anrührend zugleich und überströmend vor jugendlich-naiver Liebesbereitschaft. Mühelos erklomm sie die Stimmhöhen und setzte ganz oben dann noch einen gleißenden Glanzpunkt drauf.

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Ihr nahm man sofort ab, dass sie sich Hals über Kopf in einen Unbekannten verliebt, der sich ihr als armer Student vorstellt. Blütenhaft entfaltet sich ihr Sopran in der „Caro nome“-Arie und wird immer liebestrunkener und blutvoll bebender. Dass sie am Schluss nicht am Boden liegend sterbend singt, sondern gleichsam als losgelöste Seele erscheint und so ihre Klagetöne noch in voller Kraft gestalten kann, war ein kluger Regie-Einfall. Nur an ihrer Gesten-Vielfalt müsste Selin Dagyaran noch arbeiten – Arme ausbreiten allein reicht nicht.

Wütend-wilde Rache-Arie

Den Part des Rigoletto kann man mit einem lyrischen, einem Helden- oder einem Charakter-Bariton besetzen. Fernando Araujo ist Letzteres. Sein Stimmmaterial setzt er in hohem Maße ein und scheut dabei die Gefahr nicht, sich festzusingen. Immer verzweifelter erkennt er, dass sein Dienstherr sein Todfeind ist. Und vollends verzweifelt ist er, als er merkt, dass seine Rache ihm auch seine Tochter genommen hat.

Deren Liebe ist größer als des Vaters Rachegefühle. Wärmer, wenn auch nicht zärtlicher, wird seine Stimme, wenn er mit Gilda singt, wütig-wild tobt er in seiner Rache-Arie, glücklich erschöpft ist er am Ende der Oper. Die Zuschauer applaudierten dieser in großem Maße geglückten Opernaufführung.

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