Zum Mitsingen: „Du, du liegst mir im Herzen ...“

Eines der wohl bekanntesten deutschen Volkslieder ist „Du liegst mir im Herzen“. VMA

Gerade in Zeiten von Ausgangssperren und Kontaktverboten gewinnt das gemeinsame Singen eine neue Bedeutung. Das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern und die OVB-Heimatzeitungen setzen deshalb ihre Serie mit Anregungen zum selber Singen fort. In dieser Folge geht es um deutsche Volkslieder.

Stellen Sie sich vor: Sie musizieren allein oder zu zweit mit jemandem, den Sie laut aktueller Vorgabe in dieser Corona-Zeit im Freien treffen dürfen, an einem Zaun. Auf der anderen Seite des Zauns haben sich in erlaubtem Abstand auf Stühlen oder in Rollstühlen oder mit Gehhilfen etliche Bewohner eines Altenheims eingefunden. Die Augen auf beiden Seiten leuchten, die Bewohner, die Pflegekräfte, die Musikanten und auch zwei, drei zufällige Passanten freuen sich. Manche singen bei den bekannten Weisen mit.

Kein Corona-Märchen

Das ist kein Märchen aus Corona-Zeiten – das ist Gegenwart und Nächstenliebe, für eine halbe Stunde Unterhaltung und menschlich nahe Freude. Wir dürfen das seit letzter Woche fast täglich bei passendem Wetter erleben.

In Corona-Zeiten singt man alleine, oder mit der Familie oder über den Zaun mit den Nachbarn. Da passt ein altes deutsches Volkslied: „Du, du liegst mir im Herzen ...“, entstanden um 1820 in Norddeutschland, dann über den ganzen deutschen Sprachraum verbreitet über Schul- und Ge-brauchsliederbücher und in mündlicher Überlieferung. In Altbayern gibt es von diesem gesamtdeutschen Lied musikalische und textliche Varianten zum Beispiel „D’Sau hat an schweinern Kopf“, „Leitl müaßts lustig sei“ oder „Musikantenkinder“.

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Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurden die „Deutschen Volkslieder“ gepflegt und verbreitet. Im deutschsprachigen Kulturraum bilden sie ein Band des Zusammengehörens. Gemeinsames Singen hat die Menschen verbunden, die in verschiedenen deutschen Landschaften lebten und zusammenkamen oder durch das Schicksal zusammengeholt wurden – ob in Freude und Fröhlichkeitoder in Leid und Not, beispielsweise in und nach dem Krieg, auf der Flucht, bei der Vertreibung, bei der Aussiedlung oder in der Neuen Heimat. Dies alles belegen auch die Untersuchungen des Volksmusikarchivs in den letzten Jahren.

Mehr Liedtexte zum Herunterladen finden Sie auf den Seiten des Volksmusikarchivs.

Seit vielen Jahren rücken wir neben bayerischen Liedern auch die gesamtdeutschen Lieder als verbindendes Kulturgut durch alle Generationen ins Bewusstsein - und wollen vor allem Freude am eigenen gemeinsamen „Selber Singen“ wecken: Natürlich und ungekünstelt.

Das beigegebene Lied haben wir in unserem Liederheft „Sah ein Knab‘ ein Röslein stehn“ (30 deutsche Volkslieder aus dem 19. Jahrhundert, VMA 2006) veröffentlicht. Die Tonaufnahme mit über 30 Personen und Harfenbegleitung durch Hans Auer ist zu hören auf der gleichnamigen CD (VMA 2008) und im Internet unter www.ovb-online.de.

Lied-Wünsche ans Volksmusikarchiv

Weiterhin gilt unser Angebot: Melden Sie sich bitte mit Ihren Lied-Wünschen oder Ideen zur Corona-Zeit per Post, E-Mail, Fax oder Telefon bei: Volksmusikarchiv und Volksmusikpflege des Bezirks Oberbayern (Krankenhausweg 39, 83052 Bruckmühl E-Mail: volksmusikar-chiv@bezirk-oberbayern.de Fax: 08062/8694, Telefon: 08062/5164). Schreiben Sie uns, was Sie singen, zu welchen Gelegenheiten! - und wie Sie Ihren Mitmenschen im Rahmen der lokalen Kleinkultur eine musikalische Freude schenken können.

Von Volksmusikpfleger Ernst Schusser

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