Treffen der bayerischen Privattheater vom 26. Mai bis 5. Juni

MitKleist,GoetheundTschechow

Gerd Lohmeyer in "Der Sammler der Augenblicke".  Foto fkn
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Gerd Lohmeyer in "Der Sammler der Augenblicke". Foto fkn

Im Wasserburger Theater Belacqua treffen sich zwischen 26. Mai und 5. Juni zum siebten Mal Privattheater aus ganz Bayern, um ausgewählte Produktionen bei den "Wasserburger Theatertagen" zu zeigen. Schirmherr ist Dr. Wolfgang Heubisch, Bayerns Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, 26. Mai, um 20 Uhr - unter anderem mit Burgschauspieler Udo Samel aus Wien. Grimme-Preisträger Samel ist nicht nur durch seine Theaterarbeit mit Peter Stein, Stéphane Braunschweig, Andrea Breth, Luc Bondy und Robert Wilson sowie durch Opernregie bekannt, sondern unter anderem auch aus Filmproduktionen wie "Mit meinen heißen Tränen", "Die Klavierspielerin" und "Alles auf Zucker".

Zur Eröffnung der 7. Wasserburger Theatertage liest Samel "Über das Marionettentheater" von Heinrich von Kleist. Dieser Dialog erschien 1810 in den "Berliner Abendblättern". Kleist befasst sich in Form eines Gesprächs zwischen einem Ich-Erzähler und einem Tänzer mit der Frage nach der Auswirkung des Bewusstseins auf das Verhalten. Der Tänzer hält die Marionette für den Inbegriff höchster Anmut - hervorgerufen durch eine unmittelbare Natürlichkeit, die der Mensch nie besitzen könne, schon gar nicht im Versuch, sie künstlich nachzuahmen. Auf Basis dieser Einschätzung kommen beide zu einer grundlegenden Erkenntnis ...

Hamlet meint auch, zu einer Erkenntnis gekommen zu sein: Sein Vater tot, sein Onkel der neue König, seine Mutter seit kurzem Witwe, zu kurz für ihn, um nun Ehefrau des Onkels zu sein. Da ist was faul, da ist was aus den Fugen, da muss sich gerächt werden. Das "theater ... und so fort" aus München zeigt das Stück von William Shakespeare am Freitag, 27. Mai, als Beitrag zu den 7. Wasserburger Theatertagen.

Das Teamtheater München folgt am Samstag, 28. Mai, mit "Drei Nächte mit Madox" von Matei Visniec. Der rumänische Autor, dessen Geschmack des Absurden mit Eugene Ionesco verglichen wird, lässt in dem Stück "Drei Nächte mit Madox" einen Fremden in einer Provinz am Meer auftauchen. Allerdings taucht er mit verschiedenen Menschen an verschiedenen Orten auf - zeitgleich. Wie das geht, versuchen die Bewohner des Örtchens herauszufinden.

Dass man, so viel man auch herausgefunden haben mag, letztlich doch nichts wissen kann, ist Professor Dr. Heinrich Fausts Einschätzung. Er blickt beklemmten Herzens auf sein Leben zurück, kennt sich nicht mehr und gäbe auf Teufel heraus etwas drum, wenn er nur wüsste, wer nun dieser Faust, also seinesgleichen, ist. Die Urfassung des "Faust", Johann Wolfgang von Goethes "Urfaust", zeigt das Theater Belacqua, der Gastgeber der Theatertage, am Sonntag, 29. Mai.

In die zweite Aufführungsphase der Theatertage geht es am Mittwoch, 1. Juni: "Der Sammler der Augenblicke" von Quint Buchholz ist das Stück, mit dem sich das Metropoltheater aus München diesmal zeigt. Maler Max bekommt immer Besuch von einem Nachbarsjungen. Der Junge zeichnet, liest oder spielt gegen sich selbst Schach, während der Maler an seinen Bildern arbeitet und Geschichten über Schnee-Elefanten und fliegende Zirkuswagen erzählt. Eines Tages verreist Max. Jetzt kann der Kleine, der den Schlüssel zur Wohnung bekommen hat, die Bilder sehen. In dieser als Rückblende angelegten Geschichte über zwei besondere Freunde spielt Gerd Lohmeyer.

Die Bühne Berganger zeigt "Stella", Goethes "Schauspiel für Liebende", am Donnerstag, 2. Juni. In Cäcilie Sommer vermutet Baronesse Stella eine künftige Freundin. Die eine hatte einen Ehemann, der verschwunden ist, die andere einen Geliebten, ebenfalls weg. Die eine zeigt der anderen ein Bild des Mannes. Er sieht dem anderen gleich. Und er ähnelt jemandem, den Lucie, Cäcilie Sommers Tochter, gerade erst in der Nähe gesehen hat.

Das Leben mit all seinen komischen Missverständnissen rund um Liebe, Glück und die sonstigen Traumhaftigkeiten greift das "S'ensemble Theater Augsburg" auf. "Familienglück! Champagner!" heißt der Tschechow-Abend, der am Freitag, 3. Juni, zu sehen ist.

Wie es sich mit dem eigenen Ich lebt, wer man eigentlich überhaupt selbst ist und wie man sich damit zur Gesellschaft im Allgemeinen stellt, das befragt die Neue Bühne Nürnberg. Sie ist mit "Genannt Gospodin" von Philipp Löhle am Samstag, 4. Juni, zu Gast.

Mit jemandem, der sich komplett aus der Gesellschaft verabschiedet, befasst sich das "Vor dem theater" aus Bayreuth. Rosi geht ins Wasser. Was die Ertrunkene dort erlebt, wird in poetischen Körper- und Text-Gebilden gezeigt, die mit feiner Komik und makabren Pointen gespickt sind. "Rosi am Meer", das Akrobatik-Theaterprojekt, beschließt die 7. Theatertage am Sonntag, 5. Juni. se

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