Werke online zu sehen

Mitgliederausstellung des Kunstvereins Bad Aibling: Was macht das Corona-Virus aus uns?

Begehrte Beute: Der „Großwildjäger“ von Wilhelm Zimmer präsentiert stolz das erworbenen Toilettenpapier.
  • vonUte Bößwetter
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Eine Online-Präsentation sollte in der Corona-Zeit Plattform für die künstlerisch schaffenden Mitglieder des Kunstvereins Bad Aibling werden, das hatte der Vorstand gemeinsam überlegt. Herausgekommen ist eine überzeugende digitale Schau. Sogar eine Vernissage gab es, bei der die Vorsitzende Martina Thalmayr von der Homepage aus die Betrachter begrüßte.

Bad Aibling – Derzeit nehmen 26 Mitglieder des Kunstvereins an der Präsentation teil, sei es mit Zeichnungen, Gemälden oder Skulpturen. Jeden Abend um 20 Uhr wird ein neuer Beitrag dazu geschaltet, immer mit einem Foto des Werkes und einem vom Kunstschaffenden verfassten Text.

Mit Corona „im Bild“ befassen sich zwei Künstler: Hilde Manzke stellt in einer Zeichnung mit wenigen Strichen zwei aggressiv wirkende Gesichter gegenüber, zwischen denen Tröpfchen schweben – eine satirische Darstellung der augenblicklichen Lebenssituation. Und der Betrachter fragt sich unwillkürlich: „Was macht Corona mit uns?“

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Wilhelm Zimmer hat die Bronzeskulptur eines „Großwildjägers“ geschaffen, der selbstherrlich sein angewinkeltes Bein auf die Beute stemmt – ein allzu bekanntes Klischee. Nur ist die Beute kein erlegtes Wild, sondern besteht aus mehreren Großpaketen Toilettenpapier, und um die Ironie zu vervollständigen, hat der Bildhauer am unteren Skulpturrand die Qualität des Papiers eingeprägt.

Zeitlose Arbeiten

Viele andere Arbeiten wirken zeitlos, nicht unbedingt an Corona erinnernd, aber alle Texte reflektieren das Fühlen und Empfinden während der Pandemie. Das Thema der Gemälde von Carola Eberle-Leskovar waren schon immer menschliche Gesichter, frontal dargestellt, auffallende Augen, oft auch die Lider gestaltet, unterschiedlich in Haar- und Hautfarbe – Personen aus aller Welt. Ihre Menschenbilder gestaltet sie in Mischtechnik aus Wasserfarben, Gouache und Acryl auf braunen Papieren, auf denen sie eine rustikale Oberfläche erzielt.

Menschenbilder sind das Thema der Künstlerin Carola Eberle-Leskovar. Bößwetter

Naturbelassene Papiere, so ihr Empfinden, erweisen sich beim Malen als lebendiger und sind für gestalterische Überraschungen gut. Während des Beginns der Pandemie glaubte sie zunächst, dass diese Krankheit uns alle gleich mache. Bald aber musste sie beobachten, dass auch hier die Unterschiede krass zutage treten: In dieser Situation sind ebenfalls die reichen Länder der Erde besser gestellt – durch höhere Hygienestandards und modernere medizinische Versorgung.

Natur hat Stein bearbeitet

Zweihundert Millionen Jahre alt ist der Stein, den Rupert Dorrer präsentiert. Er hat den Stein in seiner Form nicht verändert, die Rundungen gehören zu seinem natürlichen Vorkommen. Hier hat die Natur die Arbeit übernommen, Wasser, Wind und Sand haben dem Stein seine Gestalt gegeben.

Um einen künstlerischen Akzent zu setzen, hat Dorrer ihn mit Gold geringfügig verändert. Das aufgetragene Edelmetall macht die Zeichnung im Stein sichtbar und verleiht ihm noch mehr Leben.

Gelungene Umsetzung

Die Online-Präsentation ermöglicht es dem Betrachter, die Exponate im Nebeneinander anzuschauen, aber ebenso einzelne Werke anzuklicken und sich auf sie und die Begleittexte einzulassen. Für die Künstler bietet die Ausstellung eine flexible Teilnahme, denn die Mitglieder des Vereins können sich später noch mit Werken einbringen.

Aber ohne soziale Kontakte werden auf Dauer wesentliche Elemente der Kunst – der Dialog und das gemeinsame Empfinden – fehlen, und so hofft Martina Thalmayr, alle Künstler und Kunstfreunde zur nächsten Vernissage Ende September wieder persönlich und mit freundschaftlichen Händedruck begrüßen zu können.

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