Andreas Giebel mit seinem neuen Kabarettprogramm "Das Rauschen der Bäume" im Ballhaus

Es menschelt anheimelnd

Wohlbeleibt und menschelnd: Andreas Giebel.  Foto  Jacobi
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Wohlbeleibt und menschelnd: Andreas Giebel. Foto Jacobi

Er reitet keine verbalen Attacken auf das aktuelle politische Geschehen in unseren Landen und darüber hinaus. Andreas Giebel ist ein genauer Beobachter seiner nächs-ten Umgebung, so einer, wie es Sigi Sommer als "Blasius, der Spaziergänger" einst in München war. In seinem neuesten Kabarettprogramm "Das Rauschen der Bäume", das er im Rosenheimer Ballhaus präsentierte, erzählt Giebel er von sich und den Menschen aus seinem Viertel. Manche, die vor zwei Jahren schon "im Sammelbecken der Leidenschaft" eine Rolle spielten, tauchen hier wieder auf.

Inzwischen malträtiert ihn seine Haushälterin aus Kasachstan mit Datteln und schickt Giebel zum Einkaufen, da sie mit ihrem hyperaktiven Sohn Dimitri beschäftigt ist. Kurzfristig avancierte er außerdem zum Aktmodel des Malers Max P. und erheitert das Publikum in der Pose von Pan, dem griechischen Hirtengott oder mit schmerzverzehrter Miene als Buddha im Lotussitz. Ja, Kunst muss weh tun! Gleich darauf gibt er den Hausarzt Doktor Müller, der ihn ganzheitlich behandelt, jeden Körperteil erspürt und unverständliche Diagnosen stellt. Das und andere Leibesvisitationen mag Giebel nicht, das ist ihm zu körperlich. Von seinen Leiden auf Langstreckenflügen gibt er in köstlichern Verrenkungen ein Beispiel. Wer wie er über einen völlig normalen bayerischen Bierbauch verfügt, lässt die überlappende Körperhälfte in den Gang ragen, wo diese dann vom Servierwagen angefahren wird. Der Penner-Klaus aus seiner Nachbarschaft, dem er bei seinen Streifzügen immer begegnet, summt ihm stets undefinierbare Melodien vor, lässt Giebel raten und sagt selbst zu dessen groteskesten Vermutungen nur immer "mhm!" Am Kioskbetreiber kommt er auch nicht ohne einen kurzen Austausch vorbei. Auf seiner Bank unterm Lindenbaum aber sinniert Andreas Giebel über das Schreiben eines Groschenromanes nach, doch fallen ihm fatalerweise immer nur Sätze für den Mittelteil ein. Professor Döderlein dagegen bietet ihm jegliches Material für eine Doktorarbeit an und der Drogeriebesitzer entwickelt die Urlaubsfilme seines Kunden noch selbst und weiß daher genau, wo er FKK-Urlaub gemacht hat.

Bei Giebels Einkaufsversuchen im Supermarkt, der ihn wie ein Labyrinth zu verschlingen droht, beweist der Kabarettist einmal mehr sein schauspielerisches Talent, was er bei seiner Demonstration als Komparse bei Oscarverleihungen auf die Spitze treibt.

Den Höhepunkt des Abends aber erreicht das Programm gegen Ende bei Giebels hinreißender Schilderung der Beerdigung des Kunstmalers Max P. Da lässt er alle die kuriosen Typen aufmarschieren und verleiht jedem unnachahmlich die individuelle Erscheinungsform in Mimik, Gestik und Sprache. Er ist halt ein Philanthrop, der Andreas Giebel, und in seinem Kabarett menschelt es anheimelnd. Darum wird er seinen fiktiven Roman entspannt "Das Rauschen in den Bäumen" betiteln und den Personen darin ein liebevolles Denkmal setzen, so wie an diesem Abend in seinem Kabarett.

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