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Ein Stück über den Künstler Joseph Beuys im Tam-Ost

Der Mensch unter dem Hut

Roland Eugen Beiküfner mit dem Kunstwerk "Capri-Batterie" von Joseph Beuys. Das Werk ist natürlich eine Kopie.  Foto  mayer
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Roland Eugen Beiküfner mit dem Kunstwerk "Capri-Batterie" von Joseph Beuys. Das Werk ist natürlich eine Kopie. Foto mayer

Eine Biografie über die Ansammlung von Daten hinaus unterhaltsam, ja sogar spannend zu gestalten, kann ein kühnes Unterfangen sein. Dieser Herausforderung sind Friederike Pöhlmann-Grießinger als Autorin und Roland Eugen Beiküfner als ihr kongenialer Interpret mit Bravour entgegengetreten.

Mit ihrem Stück "Der Hut von Joseph Beuys", mit dem sie im Theater Tam-Ost ein leider karg besuchtes Gastspiel gaben, ist ihnen nicht nur ein informativer, sondern vor allem ein amüsanter Solo-Theaterabend gelungen. "Die Ursache liegt in der Zukunft" ist ein viel diskutierter Ausspruch des Universal-Künstlers Beuys, und aus dieser Zukunft, die ihn immer noch zwischen Bewunderung und Unverständnis betrachtet, ging der Blick auf die Person hinter der Persönlichkeit.

Geschickt und gekonnt wechselte der Schauspieler zwischen den Figuren: Da war der verehrende Schüler mit seinen wenigen Erinnerungen, der sachliche Geschichtslehrer, der die Ereignisse im Leben von Beuys in den Kontext der jeweiligen Zeit stellte, und die verschmitzte Stimme des Filzhutes, Markenzeichen und ständiger Begleiter von Beuys, der natürlich allerlei Intimes auszuplaudern hatte. So wurde die Spurensuche nach der künstlerischen Entwicklung auch ein Entdecken des Menschen "unter dem Hut", der mit seinen Zweifeln, Hoffnungen und Überzeugungen hinter seiner bis dahin ungewöhnlichen Philosophie zu Kunst und Gesellschaft stand, der selbst nicht seine künstlerische, sondern seine soziale Begabung am meisten schätzte. Sachlich rundete sich das umstrittene Bild eines der weltweit bedeutendsten Künstlers des 20. Jahrhunderts, und die Zuschauer konnten durch die Begegnung mit Stationen seines Lebensweges nachfühlen, warum dieser Mann ein Fett- und Filzkünstler, ein Monumentalbildhauer und weitblickender Lehrer wurde.

Nicht nur für Liebhaber der Kunst erlaubte dieser Abend einen erhellenden Blick auf die teils prophetischen, oftmals missverstandenen Werke und Worte des Künstlers Beuys. Für ihn waren Kunst und Politik untrennbar, er wollte Sinngenerator sein für eine bessere Gesellschaft. Denn sein "erweiterter Kunstbegriff" bezieht sich nicht mehr nur auf das materiell fassbare Werk, sondern auf die Wirkung der Kunst auf den Menschen und dessen Handeln.

Das Publikum wusste die humorvolle Unterrichtsstunde zu schätzen und dankte auch für die facettenreiche schauspielerische Leistung mit herzlichem Applaus.

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