Mensch, Musik und Mythos: Antje Tesche-Mentzen stellt in Schloss Hartmannsberg aus

Auf der Schlossterrasse erhebt sich „Orpheus“ – eine filigrane Reminiszenz an die tragische Geschiche von Orpheus und Eurydike. Kirchner

„Kunst soll Genuss, soll angenehm, harmonisch, heilend, belebend und inspirierend sein!“ Die Zuschreibungen der Kuratorin und Kunsthistorikerin Dr. Evelyn Frick resümieren das Schaffen der Bildhauerin und Malerin Antje Tesche-Mentzen. Am Sonntag, 21. Juni, beginnt eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin auf Schloss Hartmannsberg.

Bad Endorf – Seit 30 Jahren lebt und arbeitet Antje Tesche-Mentzen in Hafendorf bei Söchtenau. Sie hat schon in der ganzen Welt ausgestellt, etwa in New York, Paris, Venedig und Peking. Die Worte von Dr. Evelyn Frick sind Einladung zur Besichtigung zugleich. Denn was sich dem Publikum von Sonntag an bis zum 2. August auf Schloss Hartmannsberg bei Hemhof bietet, ist in der Tat Inspiration und Genuss.

Stelen säumen den Weg

Schon der Weg zu dem aus dem 11. Jahrhundert stammenden Wasserschloss ist gesäumt von Stelen mit bronzenen Köpfen. Es scheint, als hätten sie schon immer auf diesen Platz gewartet. Am Ufer ruht „Erda“, die Erdgöttin aus Richard Wagners Tetralogie „Der Ring der Nibelungen“, Venus-gleich in Bronze gegossen unter Bäumen am Ufer des Schlosssees.

Auf der Terrasse reflektieren die Stele „Orpheus“ und der wolkenverhangene Himmel die traurige Geschichte von Orpheus und Eurydike – der griechische Held will seine geliebte tote Ehefrau aus der Unterwelt wieder herausführen, darf sich aber auf dem Weg ans Licht nicht nach ihr umdrehen und kann doch der Versuchung nicht widerstehen,. Das dunkle Wellenspiel scheint leise den Orpheus’schen Gesang nachzuahmen.

Im Schloss selbst fügen sich Öl-, Acryl-, Bleistift- und Tuschzeichnungen, Schmuckwerke aus Glas und Skulpturen nahtlos in die Räumlichkeiten ein. „Die Bilder sind Teil meines Lebens“, sagt Antje Tesche-Mentzen.

Ballettänzerin, Sängerin und Künstlerin

Die vielen unterschiedlichen Stile, die sie allesamt perfekt beherrscht, spiegeln ihre muntere Biographie wider. Für sie, die professionell ausgebildete Ballettänzerin, Sängerin und Künstlerin, sind Malerei, Bildhauerei und Musik eine Symbiose. Während des Schaffensvorgang höre sie Musik, lasse sich von den Tönen inspirieren, und die Begegnung von Musik und bildender Kunst sind eines ihrer Kunst-Kennzeichen. Das Arylgemälde „Lilith“ oder auch die Skulptur der „Lilith“, die mythische Mondgöttin mit Flügeln aus der sumerischen Dämonologie, entstanden beispielsweise bei der Zusammenarbeit mit dem zeitgenössischen Komponisten Wolfgang Hiller (Jahrgang 1941).

Inspiriert von Dichtern und Musikern

In einem anderen Raum war Gustav Mahler (1860 bis 1911), „einer meiner Lieblingskomponisten“, so die Künstlerin, Inspirator für ein Ölgemälde. Da sieht man das Gesicht seiner Gattin und Muse Alma Mahlers, dort spielt ein Skelett auf der Geige, da sind Originalnoten der 9. Symphonie Mahlers hineinverwoben – Tesche-Mentzens Kunst verlangt genaues Hinschauen, ein Sich-Versenken. Was auch gewollt ist, denn: „Kunst ist für mich nicht nur ein Spiel mit Form und Farbe.“

Ein anderer Raum ist dem Dichter Rainer Maria Rilke gewidmet, ein weiterer dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe. Textfragmente der beiden Literaten fügen sich in Skizzen aus Venedig ein. Und genau so, wie es bei Goethes venezianischen Epigrammen lautet: „Müde war ich geworden… und Genuß verlangte Erholung…“ strahlen die venezianische Kirche, die Engelsköpfe, von sakralen Postkarten abgedruckt, und die Textstrophen ewige Ruhe aus. Das große Aquarell des Canale Grande schmiegt sich weich an die hellblau-wellenartige rückwärtige Stuckwand – Augenschmaus und Sinnesgenuss pur.

Erinnerungen an viele Reisen

Für die Schlossgänge haben Kuratorin Dr. Frick und Kulturreferent Christoph Maier-Gehring sich profanere Oeuvres ausgesucht, auf kleinen Kreide- und Tuschezeichnungen hat die Künstlerin Erinnerungen an ihre vielen Reisen quer durch Europa und Asien festgehalten.

Wieder im Garten weist Tesche-Mentzen noch einmal auf die solitär gestellten Stelen: „Wir sind Teil der Natur.“ Mensch und Mythos Hand in Hand und 30 Jahre Kunstschaffen in Hafendorf in harmonischer und inspirierender Symbiose zeigen sich in aktuellen Ausstellung.

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