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Ausstellung von Keijona C. Stumpf

„Memento vivire“: Körperliches aus Keramik beim Kunstverein Rosenheim

Grausig schön: Die Plastik „coronation I“ (glasierte Keramik) beherrscht den Ausstellungsraum.
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Grausig schön: Die Plastik „coronation I“ (glasierte Keramik) beherrscht den Ausstellungsraum.
  • VonAndreas Friedrich
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Eine weiß gekleidete, junge Frau sitzt inmitten eines seltsamen Haufens aus bunten Plastiksäcken, die irgendwie an eine bizarre Mischung aus Mülldeponie und Organen erinnern. Das Foto „Übergang“ aus dem Jahr 2011 ist ein Selbstporträt von Keijona C. Stumpf, die gerade auf Einladung des Kunstvereins Rosenheim in der Kunstmühle ausstellt

Rosenheim – Das Foto ist gleichermaßen Programm: Die mehrfach preisgekrönte Künstlerin – Kunstpreis des Landkreises Augsburg, Preis des Kunstvereins Rosenheim 2019, Stipendiatin der Stadt München – wollte ursprünglich Ärztin werden, entschied sich aber für ein Studium der Bildenden Künste. In ihren Werken befasst sie sich mit den vielfältigen Erscheinungsformen der Natur bis hin zu den kleinsten Details und Prozessen. Floraler Reichtum und körperliche, ja fleischliche Elemente und Verletzlichkeit sind Themen ihres Schaffens.

Keijona Constanze Stumpf ist Jahrgang 1982, sie lebt und arbeitet bei Augsburg und in München, wo sie von 2011 bis 2016 Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste bei Norbert Prangenberg und Markus Karstieß studiert hatte.

Unterschiedliche Materialien

Stumpf arbeitet mit verschiedensten Materialien wie Glas, Papier, Keramik, Porzellan, Gips und Kunststoff, all dies ist in der Ausstellung „Memento vivere“ – zu deutsch „Lebe den Moment“ – in der Rosenheimer Kunstmühle verarbeitet. Über viele Jahre hat sich Keijona Stumpf fundiertes Wissen über die Materialien angeeignet, sodass sie auch große, komplexe Objekte aus Keramik in einem Stück brennen kann. „Sie erschafft eine sehr besondere, kontroverse Schönheit in ihrer Kunst. Es ist so, als ob barocke Porzellanblumen auf ein Anatomiekabinett treffen würde“, so die Kunstgeschichtlerin Dr. Olena Balun in ihrer Begrüßungsrede.

Das Innere des Körpers

In der Tat fühlt man sich als Betrachter an die Genres körperlicher Kunst erinnert, beispielsweise an den expressionistischen Dichter Gottfried Benn, der Arzt in der berühmt-berüchtigten „Morgue“ in Berlin war. In seinem Gedicht „Kleine Aster“ kontrastiert er eine zarte Blume mit der Leiche eines ersoffenen Bierfahrers und schockierte damit.

Insbesondere die keramischen, bunten Werke von Stumpf wie die beiden „Memento Vivere“-Plastiken erinnern an das Innere des Körpers, das auf auf den ersten Blick abstoßend wirkt. Doch beim Betrachten entfalten die Objekte eine besondere Ästhetik, durch ihre Farbgebung, durch verschlungene Formen und Glanzeffekte wirken die Werke eigentümlich lebendig und scheinen zu pulsieren. Dr. Balun erwähnt „Unterwasserwesen“, aber auch „freigelegte Wirbelsäulen, abgezogene Haut, Gedärme und weitere Körperteile“.

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Die frei im Raum stehende Plastik „coronation I“ dominiert die Umgebung und zieht bei der Ausstellungseröffnung die meisten Blicke auf sich. Es ist eine glasierte Keramik voller anatomischer, wundersamer Details, und wer in einer Mischung aus Grauen und Faszination die „Alien“-Filme nach den Illustrationen von Giger gesehen hat, könnte sich daran erinnert fühlen. Im Hintergrund scheint sich derweil ein monströser, weißer Schimmel gewebeartig von der Decke auszubreiten, eine originelle Idee, die den Ausstellungsraum geschickt mit einbezieht.

Florale Strukturen

Doch Keijona Stumpf kann außer gruslig-faszinierenden Körperplastiken auch konventionell und hochästhetisch: Manche großformatigen floralen Objekte erinnern an den Jugendstil: In einem neuen Projekt darf Keijona Stumpf für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg arbeiten.

Bis 24. Oktober zu sehen

Die Ausstellung „Memento vivere“ ist bis 24. Oktober beim Kunstverein Rosenheim in der Klepperstraße 19 in Rosenheim zu sehen. Geöffnet ist Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 14 bis 17.30 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 17.30 Uhr.

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