Münchner Klarinettentrio eröffnete Reihe "Inselkonzerte" auf Herrenchiemsee

Melodiöse Farbigkeit

Der Blick aus dem Fenster des Bibliotheksaals geht durch das Geäst der Platanen hinüber zur Fraueninsel, die mit ihrem leuchtend weißen Kirchturm als grüner Tupfer im azurblauen Wasser des Chiemsees liegt. Die fast schon sommerliche Stimmung erhielt durch das Münchner Klarinettentrio eine angemessene musikalische Umrahmung. Mit selten gespielten kammermusikalischen Werken von Max Bruch, Beethoven und Brahms eröffneten die in Wörthsee lebenden, eng befreundeten Musiker die diesjährige Saison der Reihe "Inselkonzerte" auf Herrenchiemsee.

Zunächst spielten Rolf Weber (Klarinette), Franz Amann (Violoncello) und Kazue Tsuzuki-Weber (Klavier) drei Sätze aus den acht Stücken für Klarinette, Viola und Klavier. War das Allegro con moto von schwelgerisch-melodiöser Farbigkeit, dominierte im Andante die Klarinette mit einem sehnsuchtsvollen, elegischen Klang. Im Allegro vivace zeigte das Ensemble seine hohe musikalische Sensibilität und klangliche Balance.

Beethovens stark an Mozart erinnerndes sechssätziges Es-Dur-Trio Opus 38 gibt einen guten Überblick über die Formmodelle der Wiener Klassik. Entstanden aus dem populären Septett Opus 20 für Streicher und Bläser, verbindet das Werk reizvolle Farbigkeit mit fantasievoller Melodik. Das tiefsinnige Adagio cantabile mit der weit tragenden, melancholischen Klarinette, die zarte Klarheit des Klaviers in den Variationen und der herbe Ton des Cellos im Scherzo berührten die Hörer. Die Münchner spielten das Werk mit akademischer Akkuratesse, musikalischer Prägnanz und spürbarem Engagement.

Der dialogische Zauber des Münchner Klarinettentrios kam besonders klangschön im a-Moll-Trio von Johannes Brahms zum Ausdruck. Obwohl aus vier Sätzen bestehend, besitzt das Werk eine scheinbar unendliche, behutsam sich entwickelnde Melodiefolge, deren meditativem Ernst sich niemand entziehen konnte. Das energisch-elegische Allegro endete mit sanften Pianissimo-Läufen der Melodieinstrumente und sachte getupften Klavierakkorden, das lyrisch-verträumte Adagio hingegen bestach durch große Kantabilität und ausdrucksvolle klangliche Sinnlichkeit. Auch hier spielten die Münchner mit Einfühlung und Perfektion, zeigten nuancenreiche Farbigkeit und hohe Klangkultur. Als Dank für den lebhaften Beifall erklangen zum Schluss noch zwei rhythmisch-jazzige Zugaben aus den vier Jahreszeiten von Astor Piazzolla.

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