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CD-VORSTELLUNG

Matthias Kendlinger und die urwüchsige Kraft des Rhythmus

Trotz der Molltonarten seiner Werke ist Matthias Georg Kendlinger beim Komponieren fröhlich.
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Trotz der Molltonarten seiner Werke ist Matthias Georg Kendlinger beim Komponieren fröhlich.
  • VonRainer W. Janka
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Nicht jeder Komponist kann sich für seine Kompositionen ein eigenes Festival leisten. Matthias Georg Kendlinger aus Tirol schon: Im ukrainischen Lemberg, jetzt Lviv, hat er das „MK Festival Lviv“ installiert, bei dem seine eigenen Werke uraufgeführt werden. Jüngst wurde die neueste CD publiziert.

Walchsee/Rosenheim – Matthias Georg Kendlinger präsentiert darin zwei gewichtige Orchesterwerke, das Violinkonzert Nr. 1 „Galaxy“ und die Sinfonie Nr. 2 „Die Österreichisch-Ukrainische“. Nicht jeder Komponist kann sich für seine Kompositionen ein eigenes Festival leisten. Matthias Georg Kendlinger aus Tirol schon: Im ukrainischen Lemberg, jetzt Lviv, hat er das „MK Festival Lviv“ installiert, bei dem seine eigenen Werke uraufgeführt werden. 2021 wird das Festival (wegen Corona: vielleicht) zum vierten Male durchgeführt. Auf CD erscheinen seine Werke beim Label K21. Jüngst wurde die neueste CD publiziert mit zwei gewichtigen Orchesterwerken, dem Violinkonzert Nr. 1 „Galaxy“ und der Sinfonie Nr. 2 „Die Österreichisch-Ukrainische“.

Start mit demAkkordeon

Angefangen hat alles ganz anders: In jungen Jahren spielte der 1964 in Walchsee geborene Matthias Kendlinger Akkordeon in einem Volksmusik-Unterhaltungs-Ensemble, oft sieben Tage die Woche - bis er in St. Johann in Tirol seine Frau Larissa kennenlernte und eine Familie gründen wollte. Gelernt hat er Bürokaufmann und so wurde er Tourismus-Leiter in Walchsee, gründete dann aber – weil seine Frau Larissa sagte, er müsse doch wieder zurück zur Musik, denn er sei nicht mehr derselbe Mensch - die Veranstaltungsfirma „DaCapo“, war 1997 Gründungsgeschäftsführer der „Tiroler Festspiele Erl“, gründete 1998 gemeinsam mit der damaligen Choreographin der Wiener Neujahrskonzerte „Das Österreichische K&K Ballett“, rief 2002 sein eigenes Sinfonieorchester ins Leben, die „K&K Philharmoniker“, das aus lauter ukrainischen Musikern besteht, ein Jahr später den „K&K Opernchor“, der seit 2015 auch als „Ukrainischer Nationalchor Lviv“ auftritt, und 2005 hob er die „Tiroler Beethoven-Tage“ in Thiersee aus der Taufe.

Debüt im Leipziger Gewandhaus

Sein Debüt als Dirigent feierte er 2004 im Leipziger Gewandhaus. Mit den „K&K Philharmonikern“ und Walzern und Polkas der Strauß-Familie bereiste er äußerst erfolgreich ganz Europa und war auch schon öfter in Rosenheim zu Gast. In letzter Zeit aber widmet er sich mehr und mehr dem Komponieren in seinem technisch gut ausgestatteten „Komponierhäusl“ in Schwendt/Kössen.

Kraftvoller Rhythmus

Beide Werke auf der CD stehen in Moll und beide Werke sind stark von der urwüchsigen Kraft des Rhythmus geprägt. Mit kraftvollem Stampfrhythmus, der sich später ins Tänzerische beschleunigt, beginnt das Violinkonzert, in den Holzbläsern blüht darüber eine Melodie auf, während die Geige im Figurativen bleibt. Im zweiten Satz beginnt die Geige elegisch zu singen in weitbogig gespannter Melodik, während das Orchester wie eine Riesenharfe dazu rhythmisch zupft. Robert Stepanian, der in Armenien geboren ist, in Moskau studiert hat und in Frankreich lebt, gibt dieser Melodik sinnliche Süße, enorme Leuchtkraft und nimmermüde Energie mit. Auch der Finalsatz bleibt im elegisch singenden Tonfall, das Orchester, wieder im paukenbetonten treibenden Stampfrhythmus, lässt der Geige viel Raum und die im Titel angesprochene Galaxien-Weite.

Das Cover der neuen CD zeigt den Geiger Robert Stepanian. Das Album hat die Bestellnummer LC30487 und ist überall erhältlich. Repro Janka

Passagen wie Filmmusik

Die Sinfonie lässt zu Beginn leis gewitternd und mit Glockenschlägen, weihevollen Blechbläserklängen und choralartigen Passagen an Filmmusik zu einer Welten-Entstehung denken. Noch schwerblütiger, pathetischer und majestätischer wird’s im zweiten Satz, in dessen Mittelteil aber auch tirilierende Vogelstimmen zu hören sind. Das Scherzo tanzt im Dreuiertakt, auch das schwere Blech – wieder in Moll. Sehr farbig funkelnd ist alles instrumentalisiert, und überall brucknert’s und mahlert’s ein bisschen - ein Österreicher hat Bruckner und Mahler scheint’s im Blut.

Gedankenschwerer Finalsatz

Gedankenschwer bullert anfangs der Finalsatz, bis ein schöner volksliedartiger Bläserabschnitt alles aufhellt, sich dann strahlend in streicherumrauschte Fanfarenklänge weitet und alles schließlich in einem fröhlichen Walzer und dann lustig wirbelnden Dreher endet, da begegnen sich wohl österreichische und ukrainische Volksweisen. Der aufbrandende Beifall des Publikums in Lviv bezeigt die Wirksamkeit dieses „Rausschmeißer“-Schlusses.

Der Dirigent Taras Lenko muss die K&K Philharmoniker gar nicht besonders animieren, die Musiker spielen mit Herzblut und Herzenslust, der vielbeschäftigte Pauker ist grandios, die Holzbläser blitzen in allen Farben, die Blechbläser entfalten üppige Klangpracht und die Streicher agieren wendig und spielen samtig-weich und saftig.

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