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KOMPONIST UND IMPRESSARIO

Matthias Georg Kendlinger: Ein verrückter Tiroler in Lemberg

Der mexikanische Tenor Ramon Vargas (vorne, rechts neben dem Dirigienten) war der Stargast bei Kendlingers Symphonie „Menschenrechte“. Janka
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Der mexikanische Tenor Ramon Vargas (vorne, rechts neben dem Dirigienten) war der Stargast bei Kendlingers Symphonie „Menschenrechte“. Janka

Auf die Frage, wer Matthias Georg Kendlinger sei, antwortete dieser in einer Selbstauskunft: „Ein verrückter Tiroler!“ Genauer gesagt, ist er ein verrückter Tiroler, der in Lemberg in der Ukraine, dieser quirligen, geschichts- und kulturgesättigten Stadt, seine zweite Heimat gefunden hat.

Walchsee/Lemberg – Dort hat er – als wahrlich verrückte Idee – ein Musikfestival gegründet, das nur die von ihm komponierte Musik spielt. Dort sind die von ihm gegründeten K&K Philharmoniker beheimatet, mit denen er, Strauß-Walzer und -Polkas spielend, die Welt bereist und die jetzt voller Begeisterung auch seine Werke spielen. Bei der vierten Auflage dieses Festivals erklangen an vier Abenden in der traditionsreichen Philharmonie Lemberg und im Spiegelsaal des prunkvollen Opernhauses Kendlinger-Werke.

Festspielgründerund Impressario

Aber wer ist dieser Matthias Georg Kendlinger wirklich? 1964 in Walchsee/Tirol geboren, hat er sich nach Anfängen als Unterhaltungsmusiker stetig zu einem Dirigenten weiterentwickelt, hat zusammen mit Gustav Kuhn die Tiroler Festspiele Erl begründet, selber später die Thierseer Beethoventage ins Leben gerufen und bereist mit dem von ihm gegründeten Orchester, den K&K Philharmonikern, die Welt. Als Impresario hat er sich mit seinem Unternehmen namens „DaCapo“ ein kleines Musik-Imperium aufgebaut und in Schwendt bein Kössen ein „Komponierhäusl“ gebaut, in dem er nun unablässig komponiert.

Für Opus-Klassik-Preis vier Mal nominiert

Für seine neueste CD mit dem Violinkonzert „Galaxy“ und der „Österreich-Ungarischen Symphonie“ ist Kendlinger in gleich vier Kategorien für den Opus-Klassik-Preis nominiert: als Komponist des Jahres, für Klassik ohne Grenzen, als Sinfonische Ersteinspielung 20. und 21. Jahrhundert und als Weltersteinspielung des Jahres.

Und wie klingt seine Musik? Da rumort es unablässig, sie ist meist moll- und volltönend, dominiert vom schweren Blech, immer kampfbetont, die kraftvolle Rhythmik mündet meist in einen Trauer- oder trotzigen Triumphmarsch, bis am Ende Dur-Trost aufleuchtet: Kendlinger ist ein Moll-Gründler mit Erlösungssehnsucht.

Düster-wühlende Musik

Gedankenschwer-hochgemut sind die Titel: „Manipulation“ heißt seine 3. Symphonie, mit der das Festival eröffnet wurde: Die düster wühlende und kreisende Musik wächst sich schnell ins grandios Donnernde aus und wuchtet Klangmassen in den Saal, der enorm stimmstarke Ukrainische Nationalchor Lemberg fordert inbrünstig und dann geradezu jauchzend die Menschenrechte überall ein, dann mischen die drei Solisten ihren Jubel drein, der Bariton Stepan Dropit, die mühelos strahlende Sopranistin Anna Shumarina und vor allem der weltberühmte Tenor Ramon Vargas, den Kendlinger dafür gewinnen konnte.

Matthias Georg Kendlinger lebt in Lemberg seine musikalischen Visionen.

„Manipulation“ heißt auch das Streichquartett, das im Spiegelsaal der Oper in Lemberg uraufgeführt wurde. Es ist die kammermusikalische Reduzierung der gleichnamigen Symphonie. Die Musik gewinnt durch die Reduktion an Aussagekraft, weil die bläserbeschwerten Orchestermassen die musikalische Aussage nicht erdrücken können. Tief wühlend und kreisend beginnt’s im Marschrhythmus, in den sich Tanzrhythmen mischen, Grundton ist wieder ein melancholisches Moll.

Fassungen für Kammermusik

Wenn drei Klassemusiker sich diese Musik vornehmen, wirkt sie wie veredelt: Der Pianist Philipp Scheucher aus Graz, der armenische Geiger Robert Stepanian und der sibirische Cellist Lev Sivkov spielten die Kammermusikfassungen der Symphonie „Unser Vater“ und des Violinkonzertes „Galaxy“. Gerade in „Unser Vater“ legt Kendlinger sein Herz offen. Der erste Satz beginnt wie üblich stark rhythmus-betont und endet versonnen-zart, der zweite Satz wirkt wie ein Gespräch und der dritte wie ein Kräftemessen. Vor allem Lev Sivkov adelte mit seinem sinnlich-warmem lyrischen Spiel dieses Vater-Sohn-Bekenntnis. In weite galaktische Klangwelten entführte dann melodisch weitausholend Robert Stepanian.

Ein Stoikeram Akkordeon

Zurück in Kendlingers Anfänge führten seine „Frühen Werke für Akkordeon und Streichsextett – wahrlich eine ungewöhnliche Besetzung, die aber in musikantischer Fröhlichkeit alle mitriss, was nicht zuletzt an Ivan Churylov lag, der in stoischem Minenspiel hochvirtuose Tänze auf seiner Knopfharmonika aufführte.

Stehende Ovationen waren dem Komponisten, der sein Herz in und an Lemberg verloren hat, jedes Mal gewiss. Kendlinger liebt Lemberg und die Lemberger lieben hemmungslos zurück. Was kann Musik Schöneres bewirken?

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