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Malerei von Walter Tafelmaier und Skulptur von Ingrid Hartlieb in der Städtischen Galerie Rosenheim

Ein Match von hoher Qualität

Auch Zeichnungen auf Papier der Größe DIN-A4 können monumental wirken - wenn 686 Blätter sich zu einem großen Ganzen vereinen: Blick in den großen Saal der Städtischen Galerie Rosenheim mit den Zeichnungen von Walter Tafelmaier und den Holzskulpturen von Ingrid Hartlieb.  Foto Jacobi
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Auch Zeichnungen auf Papier der Größe DIN-A4 können monumental wirken - wenn 686 Blätter sich zu einem großen Ganzen vereinen: Blick in den großen Saal der Städtischen Galerie Rosenheim mit den Zeichnungen von Walter Tafelmaier und den Holzskulpturen von Ingrid Hartlieb. Foto Jacobi

Zwei Künstler in einer sehr ansprechend aufeinander abgestimmten Präsentation der Werke erwarten derzeit den Besucher der Städtischen Galerie Rosenheim. Unter dem Titel "Gemischtes Doppel" wird in den dortigen Räumen noch bis 26. Mai eine Gemeinschaftsausstellung mit zwei archaisch anmutenden Themen präsentiert, bei denen es gilt, das dahinterstehende Konzept zu ergründen. Im gegenseitigen Dialog gewinnen die außergewöhnlichen Objekte Ingrid Hartliebs mit den Zeichnungen, Malereien und Grafiken von Walter Tafelmaier an Gewicht und Aussagekraft.

Die Konzentration auf ein Objekt, eine ständige Wiederholung der Dinge, Provokation und Reproduktion durch die Kopie sind Schlagwörter, die das künstlerische Schaffen Tafelmaiers beschreiben. 1935 in München geboren, erlernte er den Beruf des Malers und schloss 1958 die Meisterschule ab. Schon während seiner Berufsschulzeit interessierte er sich für die bildende Kunst und begann 1957 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1962 war Tafelmaier bereits als freier Maler und Grafiker tätig, lehrte an der "Städtischen Fachschule für Bau und Gestaltung" und wurde 1964 mit dem "Kunstpreis der Stadt München" ausgezeichnet.

In den späten 1960er-Jahren waren Reisen nach Nordamerika und New York ausschlaggebend für seine weitere künstlerische Entwicklung. Pop Art, aber auch Land Art waren wichtige Eckpfeiler der damaligen amerikanischen Kunstszene. Reproduktion der Pop Art und der so wichtige Symbolismus der Land-Art-Künstler scheinen Tafelmaier bis heute zu beeinflussen. Das Heraufbeschwören einer archaischen Vergangenheit und der Ursprung der Dinge lassen seine Arbeiten in direkten Dialog mit den raumgreifenden Objekten von Ingrid Hartlieb treten.

1977 beginnt Tafelmaier Zeichnungen, die er bereits Mitte der 1960er-Jahre angefertigt hatte, in Künstlerbüchern zu binden, wobei er sämtliche Arbeiten kopiert, nummeriert, mit Bleistift kommentiert und überzeichnet. Zwölf Bücher mit Originalzeichnungen werden eingangs präsentiert. Diese Zeichnungen beschreiben deutlich den Inhalt der Kunst Tafelmaiers: "Der Prozess der Vervollständigung durch ständige Ergänzung." Monumental gestaltet sind die 686 überzeichneten Kopie-Zeichnungen, die entsprechend ihrer Entstehung aufgehängt, den Besucher im großen Eingangssaal empfangen. Davor platziert, verliert selbst Ingrid Hartliebs "Kugelboje" an ihrer raumgreifenden Wirkung.

Im weiteren Verlauf der Ausstellung entdeckt man einige Beispiele von Tafelmaiers ausdrucksstarken Arbeiten aus Asphaltlack. Auch hier zeigt sich das Drastische in seiner Kunst. Immer wieder geht es um Verfall, innere Zerrissenheit, die expressive Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch - oft in serieller Manier, wie in den Eigenfoto-Übermalungen, denen ein ganzer Raum gewidmet ist. Sie zeigen Körper oder auch nur Fragmente, und das in ständiger Wiederholung der Sujets.

Zeichnung und Kopie werden vermischt, und Kommentare ergänzen oftmals den Arbeitsprozess. Ob Körperdarstellung oder Enthüllungen des eigenen Ichs, wie in einer Serie von Selbstporträts: Tafelmaier gewährt Einblick auf jeder Ebene seiner Kunst.

Allgemein sind die Zeichnungen in ihrem Aufbau zart, werden aber oft durch dunkle Farbflächen ergänzt, wodurch stark kontrastierende Blätter entstehen. Die sehr sparsam gesetzten Farben geben den Dingen, die sich in ihrer ständigen Wiederholung selbst erklären, den Ausdruck der Entrücktheit. Das Thema der archaischen Vergangenheit und die Suche nach dem Ursprung lassen sich durchaus einem modernen Symbolismus zuordnen.

Auch bei Ingrid Hartlieb spielt die Zeichnung eine tragende Rolle, da sich die skulpturale Form aus ihr entwickelt, wie die Künstlerin betont: "Zeichnend werden Formen umschrieben, erinnert, zerlegt und neu konstruiert, es ergeben sich überraschende Realitäten auf dem Papier, die eine Umsetzung in Material herausfordern."

1944 in Reichenberg geboren, absolvierte sie ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. In den 1980er-Jahren lehrte sie für fünf Jahre an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim. Weitere Stationen ihres Künstlerlebens waren Paris, Chicago und New York. Hartlieb kann auf viele Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Europa, den USA und Südafrika verweisen. Zuletzt waren ihre monumentalen Werke 2010 in der Kunsthalle Schweinfurt zu sehen.

Ihr bevorzugtes Material bei der Umsetzung der Entwicklung von der Zeichnung hin zur Skulptur ist der Werkstoff Holz. Aus unterschiedlichen Holzarten und Formen, welche die Bildhauerin zerstückelt, verleimt, mit Farbe fasst und gelegentlich mit der Kettensäge bearbeitet, entwickelt sich das monumentale Objekt. Das Ergebnis dieser intensiven Auseinandersetzung mit der Materie sind oftmals Gerätschaften, die entfernt an Alltagsgegenstände erinnern. Durch die riesenhafte Dimension verweigern sich diese jedoch ihrer offensichtlichen Funktion und werden zum eigenständigen Objekt, das sich seinen räumlichen Auswirkungen hingibt.

Eine Spindel ist erstarrt in ihrer üblicherweise rotierenden Bewegung. Statisch und kraftvoll gestaltet die Plastik den sie umgebenden Raum und verweist vielerorts an die Form, die sich in einigen Wandobjekten wiederfindet.

Interessant ist auch eine ältere Arbeit von 1980: "Schutzschild mit Stange", so der Titel, lässt eine andere Auffassung der behandelten Holzoberfläche erkennen. Weniger monumental wirken zwei Beispiele von 1994 mit dem Titel "Gitterwerk I und II". Der räumliche Kontext ist hier ein anderer.

Die Kunst Hartliebs gibt sich assoziativ. In Objekten wie "Abstandhalter", "Kugelboje" oder "Spindel" verweist sie auf das Alltägliche, Gebrauchsgegenstände, die sie zweckentfremdet dem Ausstellungsraum zuführt.

Das Zusammenspiel von Skulptur, Zeichnung und Malerei bleibt spannend, nicht zuletzt, da es sich um zwei eigenständige Künstlerpersönlichkeiten mit großen Qualitäten handelt. Gleichwohl entfaltet sich ein visueller Kontext, der Zusammenhänge und Gegensätze verdeutlicht.

Öffnungszeiten und Führungen

Die Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags, sonntags sowie morgen, Mittwoch, von 13 bis 17 Uhr. Montags sowie am Feiertag, 9. Mai, ist geschlossen. Am Sonntag, 5. Mai, findet um 15 Uhr eine Künstlerführung mit Walter Tafelmaier statt. Am Sonntag, 12. Mai, dem Internationalen Museumstag und Muttertag wird um 14 Uhr eine Führung durch das Depot angeboten. Am Sonntag, 26. Mai, führt um 15 Uhr die Künstlerin Ingrid Hartlieb durch die Ausstellung, die bis 26. Mai zu besichtigen ist.

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