Skulpturen und Bilder von Rudl Endriß in Bad Aibling

"Maskerade" im Kurpark

"Ein Paar", Skulptur von Rudl Endriß.  Foto Fischer
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"Ein Paar", Skulptur von Rudl Endriß. Foto Fischer

Verdeckte Gesichter oder Kostüme sind die Assoziationen beim Thema "Maskerade". Rudl Endriß wählte es für seine über 100 Malereien und Skulpturen, die er aktuell in der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus des Bad Aiblinger Kunstvereins und im Kurpark zeigt. Masken im herkömmlichen Sinn sind dabei nicht zu finden.

In München geboren, studierte der Künstler dort Naturwissenschaften, Pädagogik und Kunst, war Lehrer bei der staatlichen Fachlehrerausbildung in der Landeshauptstadt. Seine pädagogische Tätigkeit führte er von 1997 bis 2006 als Innenarchitektur-Dozent an der Fachhochschule Rosenheim fort. Für das Haus der Bayerischen Geschichte verwirklichte er Ausstellungen. Seine eigenen Werke zeigte der in Söchtenau ansässige Endriß vor allem im Rosenheimer Raum, aber auch in München. Eine Zäsur in seinem Leben stellte ein Schlaganfall im Jahr 1993 dar. Der sollte jedoch kein Ende seines künstlerischen Schaffens bedeuten, wie die Exponate in Bad Aibling verdeutlichen.

Geradewegs luftig geraten die Portraitmalereien, farbenfroh, mit fulminantem Federstrich. Gesichter, die minimalistisch eine Vielfalt an Emotionen erahnen lassen. Menschen, deren Gesichter jedem gehören könnten, die man aber bisweilen zu kennen scheint. Ihnen stehen in der Galerie Zinkblechmenschen gegenüber, geflext, gebogen, in Farbe und Form reduziert gehalten, teils jedoch mit der Einsicht, dass es nicht nur vordergründige Ansichten, sondern auch eine Rückseite gibt, die die Eindimensionalität aufhebt.

Das erfährt bei den Skulpturen im Kurpark eine stringente Fortsetzung. Große Werke, auch wuchtig in der Materialwahl, in Kalkstein, Granit, Stahl und Holz. Riesen, Schreitende, Stelen, oft in Dualität zeigt Endriß. Mit Inschriften an Steinseiten regt er zum Entdecken, zum Nachdenken an über "Segensschenker", "Fortschrittmacher", "Gedächtnisbahner", "Formenhalter", "Wertwechsler" und "Tumulttänzer". Durch das krankheitsbedingt notwendige Wiedererlernen der Sprache setzt er auf sinnlich-mentales linguistisches Begreifen statt vorgefertigter, erwartbarer Sprachhüllen, die Inhalte oft sozial kompatibel maskieren.

Doch was ist die Maskerade bei den Portraits ohne Masken? Die Maske, die wohl jeder trägt, bewusst oder unbewusst, um zu gefallen, Sympathie zu gewinnen, Stärke zu zeigen, Liebe zu erringen oder vorzutäuschen? Vielleicht ist es aber wie beim sprachlichen Ansatz: die Vielfalt, die Wahrnehmung des Anderen, eine Typisierung, die zur Maske geraten oder aufgebrochen zur Erkenntnis werden kann.

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