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NEUE CD

Martin Kälberer vertont die Stille

Martin Kälberer: „Insight Out“ (2 CDs), Munich Music Factory mit Ahmed Mounib (Violine), Shin Hee Lee (Viola), Ehab Abo Faker (Viola), Fany Kammerlander (Cello), Janine Schöllhorn (Flöte), Kai Rapsch (Oboe/Horn), Philip Watson (Klarinette). Jazzhaus Freiburg.Friedrich
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Martin Kälberer: „Insight Out“ (2 CDs), Munich Music Factory mit Ahmed Mounib (Violine), Shin Hee Lee (Viola), Ehab Abo Faker (Viola), Fany Kammerlander (Cello), Janine Schöllhorn (Flöte), Kai Rapsch (Oboe/Horn), Philip Watson (Klarinette). Jazzhaus Freiburg.Friedrich
  • VonAndreas Friedrich
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Der in Hemhof bei Bad Endorf lebende Musiker Martin Kälberer hat die Corona-Pause genutzt und ein neues Album geschrieben. Jetzt ist die Doppel-CD „Insight out“ veröffentlicht worden.

Bad Endorf – Martin Kälberer ist vielen Konzertbesuchern meist in der Duo-Kombination mit Werner Schmidbauer oder im Trio mit Pippo Pollina bekannt. Doch immer wieder bewegt sich der in Hemhof lebende Multiinstrumentalist auch auf Solopfaden – zuletzt ging er mit seinem eigenen Album „Baltasound“ auf Tournee, begleitet von Fany Kammerlander am Cello.

Ergänzend und im Kontrast zum Konzert- und Bühnengeschehen sucht Kälberer die Stille. Womit er jedoch nicht die durch den Lockdown in der Pandemie aufgezwungene Stille meint. Für ihn ist die aktuelle Situation „eine neue Art Stille“, die eine „erste totale Irritation mit sich brachte“. Der Musiker wollte diese ungewöhnliche und ungewohnte Abgeschiedenheit als solche aufnehmen. Und Kälberer weiter: „Es ist der Versuch einer Beschreibung dieser Grenzerfahrung, und das wurde es dann auch in der Musik, die entstanden ist.“ Herausgekommen in diesem Prozess ist ein starkes und hochinteressantes Doppelalbum mit dem Titel „Insight Out“.

Auf der ersten CD interpretiert Kälberer, der an der Musikhochschule in Graz Klavier studiert hat, die auferzwungene Situation: „Ich habe versucht, tief in mich hinein zu horchen und das klingen zu lassen, was ich da situationsbedingt verstärkt gehört habe“, so der Musiker im Booklet der CD.

Verletzlich und sensibel klingt der Auftakt der sieben Solo-Pianostücke, bewusst setzt er Pausen nach dem jeweiligen Anschlag, mit Wehmut und Traurigkeit im Grundtenor. Wunderbare Leitlinien und Themen ziehen sich durch Stück zwei, welches aus sich heraus optimistischere Töne entwickelt und ein wenig an die bekannten skandinavischen Jazzpianisten erinnert, ein nostalgisch anmutendes Zwischenspiel umrahmend. „Part III“ mit viel ernsthafter Eindringlichkeit steigert voller Emphase, um dann sanft auszuklingen.

Es folgt das Kernstück der Solo-CD, eine fast sechzehnminütige Darbietung mit minimalistischen und meditativen Impulsen, die den „totalen Lockdown“ wiedergibt. In dieser Phase durfte „nicht einmal der Klavierstimmer in mein Studio kommen“, so Kälberer. Daher wird der zuständige Michael Kaltenecker augenzwinkernd mit „Pianotuning, whenever possible“ genannt. Kälberer zieht in dem Stück alle Register – große Klasse.

Es sind kompromisslose Klänge abseits des Mainstreams, die Kälberer großartig intoniert. Auch auf seiner Website geht er keine Kompromisse ein, plädiert für Kunstfreiheit und nimmt kein Blatt vor den Mund, was den aktuellen Umgang der Politik mit Künstlern sowie der Veranstaltungsbranche betrifft – lesenwert!

Das Album beinhaltet eine zweite CD: Anlass war, dass im August 2020 das geplante Geburtstagskonzert nicht stattfinden konnte. In Kooperation mit dem Arrangeur Christian Elsässer, Fany Kammerlander und der „Munich Music Factory“ mit Bläsern und Streichern entstanden drei kammermusikalische Stücke mit den Titeln „Meer“, „Nebel“ und „Farewell“, melodisch, eingängig und teils süßlich.

Etwas Besonderes und nicht nur für Pianofreunde hörenswert sind auf „Insight Out“ jedoch die ersten Stücke der Solo-CD. Hoffentlich gibt es diese Musik und Martin Kälberer auch bald wieder live zu erleben.

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