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Im Gespräch

Corona-Pandemie wird zum Dauer-Sabbatical: Martin Kälberer blickt nach innen und nach außen

„Nach der Pandemie werden wir in vielen Bereich von vorne anfangen müssen“, sagt Martin Kälberer.
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„Nach der Pandemie werden wir in vielen Bereich von vorne anfangen müssen“, sagt Martin Kälberer.
  • VonAndreas Friedrich
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Bad Endorf – Der gebürtige Ulmer Martin Kälberer, Jahrgang 1967, genoss in Kindheit und Jugend eine hervorragende musikalische Ausbildung und entschloss sich für ein Klavierstudium in der Jazzabteilung der Musikhochschule Graz. Ein Gespräch über sein neues Album und die Musikszene in der Pandemie

Kälberer spielt er unter anderem Mandoline, Bass, afrikanische Perkussions-Instrumente und die „Hang“. Ganz aktuell veröffentlichte der bei Bad Endorf wohnende Multiinstrumentalist seine CD „Insightout“.

Herr Kälberer, Sie haben vor Corona eine Vielzahl von Konzerten gespielt, mit Werner Schmidbauer und Pippo Pollina in der Arena von Verona und zuletzt mit Fany Kammerlander die „Baltasound“-Tournee. Wie ergeht es Ihnen gerade als Live-Musiker ?

Martin Kälberer: Nun, wenn ich ganz positiv denke, mache ich gerade ein Sabbat-Jahr. Vielleicht werden auch zwei daraus, unfreiwillig zwar, aber ich versuche es für mich ein wenig so zu deuten. Seit 10. März 2020 hatte ich genau zwei Konzerte, jeweils vor 40 bis 50 Besuchern aufgrund von Abstands- und Hygieneregeln. Danach kam dann der November-Lockdown und seitdem geht gar nichts mehr. Meine Agenten und ich sind nur damit beschäftigt, bereits verlegte Termine erneut zu verschieben, was immer schwerer wird, weil gerade alle dasselbe machen.

Vom Veranstaltungsbetrieb hängen ja viele weitere Existenzen ab. Gehen nicht auch Know-How und Qualität verloren, wenn Musiker oder Techniker in andere Berufsfelder abwandern?

Kälberer: Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Viele mussten und müssen sich umorientieren, damit sie überhaupt über die Runden kommen, und einige werden sich genau überlegen, ob sie „danach“ den Schritt zurück wieder wagen. Wenn wir wieder Veranstaltungen durchführen dürfen, wird vieles anders aussehen als vor der Krise. Die Szene dünnt sich aus und wir wissen nicht, was und wer dann noch da ist. Die Künstler werden insgesamt in vielen Bereichen wieder von vorne anfangen und vieles neu aufbauen müssen.

Sie haben gerade Ihr Doppelalbum „Insightout“ veröffentlicht. Wie ist der Titel zu verstehen und in welche Richtung geht es musikalisch ?

Kälberer:Überrascht vom Lockdown vor einem Jahr habe ich – nach der ersten großen Irritation – versucht, die neue und ungewohnte Stille für einen Blick nach innen zu nutzen. Um dann von dort aus mit neuer Perspektive meinen Blick nach draußen zu richten. Es sind hauptsächlich Solo-Piano Aufnahmen, die ich schon lange machen wollte, die dann naturgemäß aber um vieles intimer und in gewisser Weise meditativer geworden sind.

Welche Hoffnungen haben Sie an das weitere Jahr für sich selbst, aber auch für die Livemusikszene?

Kälberer:Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir zusammen mit den politischen Entscheidern, den Veranstaltern und auch dem Publikum bald einen Weg finden werden, wie Konzerte verantwortungsbewusst und gleichzeitig so stattfinden können, wie sie es nun mal müssen, um dieses einzigartige Gefühl der Verbundenheit gemeinsam erleben zu können. Das muss bald geschehen, sonst werden wir das, was gerade am Verschwinden ist, unsere kulturelle Vielfalt, unsere gemeinsame Basis, von der aus wir unser gesellschaftliches Selbstverständnis definieren und diskutieren, nicht mehr vorfinden. Dann werden wir uns mit geklonten Unterhaltungsformaten, Online-Bespaßung und den Trümmern einer einst reichen und unabhängigen Kulturszene begnügen müssen.

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