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Auftritt beim Zamma-Festival

Martin Fromme macht handfeste Comedy mit anderthalb Armen

Martin Fromme aus Wanne-Eickel spielt mit seinem speziellen Status.
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Martin Fromme aus Wanne-Eickel spielt mit seinem speziellen Status.

Martin Fromme hat eine angeborene Fehlbildung am Arm. In seinem Bühnenprogramm stellt er Berhinderungen und Behinderte, ihre Wahrnehmung und den Umgang mit ihnen in den Mittelpunkt.

Bad Aibling - Im Rahmen des Inklusions-betonten ZAMMA-Festivals stand auch ein Auftritt des Kabarettisten Martin Fromme im Kurhaus-Konzertsaal auf dem Programm. Der Comedian, dessen linker Arm aufgrund einer angeborenen Fehlbildung verkürzt ist, stellt Behinderungen und Behinderte, ihre Wahrnehmung und den Umgang mit ihnen in den Mittelpunkt seiner vielschichtigen Betrachtungen. Er stammt aus Wanne-Eickel („Guantanamo des Ruhrgebietes“) und nimmt sich mit seinen Behinderungen zumindest auf den gesunden Arm.

Kokettiert mit dem eigenen Status

Damit kokettiert er aus seinem ganz speziellen Status heraus in ähnlicher Weise wie Django Asü l in seinen kabarettistischen Anfangsjahren mit den Begriffen „Gastarbeiter“ und „Ausländer“. So verrät er, dass er seine Postkarten als „mundgemalt“ ausgibt, weil sich handgemalte so schlecht verkaufen. Er „gestand zudem, dass er sich wegen seiner Depressionen längst die Pulsadern aufgeschnitten hätte, „wenn er nur könnte“. Komiker sei er geworden, weil man als Behinderter ohnehin ständig angestarrt werde. „Warum also nicht gegen Eintritt auf der Bühne - zwei Stunden schauen ohne Scham und Reue für den Besucher?“ Bei Frauen käme er gut an, weil sie wüssten: „Das ist ein Typ, der nicht klammert“. Allerdings würden von ihnen keine Slips oder BH’s auf die Bühne geworfen, sondern Salben oder behindertengerechte Salatbestecke.

„Inklusiver Liedermacher“

Er habe auch ein neues Feld als inklusiver Liedermacher entdeckt, wovon er gleich gesangliche Kostproben gibt: Zu den Playback-Melodien „Lola“ (Kinks) besingt er das Wachkoma, zu „Mrs. Applebee“ (David Garrick) Parkinson und zum Beatles-Hit „Let it be“ Epilepsie. Hildegard Knef „zapft“ er an für „Für mich soll’s multiple Sklerosen regnen“ und zu Roy-Black merkt er an: „Er singt „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ und bringt sich dann um“.

Er stellte des Weiteren Überlegungen für neue Behinderten-Jobs an und fragte sich: „Warum können Schiedsrichter nicht von Anfang an blind sein?“. Am Beispiel des wegen Mordes verurteilten südafrikanischen Paralympics-Sieger Oscar Pistorius stellte er fest: „Behinderte können auch böse sein“.

Fromme bedauerte, dass Behinderte weder über Marketing noch Lobby verfügten. Im Vergleich zu Miss Germany oder Miss World gebe es nur Miss-Geburt, Miss-Gestalt und Miss-Bildung.

„Blindes Vertrauen“

Den sehbehinderten Sänger Andrea Bocellli könne er sich gut in einem Werbespot für autonomes Fahren vorstellen: „Mir können Sie blind vertrauen“. Seinen fantasiereichen Vortrag rundete der Künstler mit Einblendungen und Videos ab. Das gut 50-köpfige Publikum dankte ihm für den insgesamt amüsanten Kabarett-Abend mit herzlichem Beifall, für den er sich mit einer köstlichen, natürlich Behinderten-bezogenen Stilblütensammlung aus dem bundesdeutschen Blätter- und Schilderwald als Zugabe revanchierte.

Es wäre allerdings sehr reizvoll, gewesen, wenn Martin Frommet sich in seinem Vortrag nicht ausschließlich dem Behinderten-Thema gewidmet hätte. Zu gerne hätte man seine kreativen Ideen auch auf anderen kabarettistischen Feldern verfolgt. Zeit genug wäre in der zweistündigen, nicht ganz Längen-freien und mit einigen entbehrlichen „Ausrutschern nach unten“ garnierten Vorstellung durchaus gewesen.Johannes Baumann

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