„Maria ging in Garten“

Zum Lobe Gottes: Seit etwa 1800 ist das Lied „Maria ging in Garten“ bekannt. Volksmusikarchiv

Derzeit finden in manchen Kirchen wieder Gottesdienste statt – mit großen Einschränkungen und Auflagen gemäß den Vorgaben in Corona-Zeiten: Es geht beispielsweise um die Beschränkung der Zahl der Gottesdienstteilnehmer, um Abstandsregeln, um Weihwasserverbot und die Frage, wie die Hostie bei der Kommunion gereicht wird.

Mancherorts ist auch der gemeinsame Gesang im Gottesdienst verboten.

Seit Jahrhunderten ist der gemeinsame Gesang zum Lobe Gottes auch in der Liturgie und den Andachten verankert: „Wer singt, betet doppelt“ – ist ein Spruch, den wir immer wieder gehört haben. Manche der Vorsänger in Kirchen und bei Wallfahrten und Andachten konnten weiter über 100 geistliche Lieder auswendig.

Singen, gemeinsames Singen noch dazu mit verständlichen deutschen Texten, war eine der besonderen Neuerungen, mit denen Martin Luther die Reformation in Deutschland vor 500 Jahren emotional beseelt hat. Damit hat er die Menschen gewonnen und mit zeitgemäßen und gut verständlichen Texten Glaubensinhalte transportiert. Und die katholische Kirche hat es ihm mit den deutschen geistlichen Liedern nachgemacht: Die Bibliotheken und privaten Sammlungen beherbergen unzählige Liederbücher mit geistlichen deutschen Volksliedern des letzten halben Jahrtausends: Ein wunderbarer Schatz und ein Dokument des singenden Gotteslobes unserer Vorfahren – Generation um Generation.

Viele Lieder sind nach und nach neu dazugewachsen – viele sind aus dem offiziellen Liederkanon der verschiedenen Kirchenorganisationen herausgefallen. Einige davon sind in der nicht offiziellen freien Volksfrömmigkeit verblieben und haben sich im mündlichen Gebrauch verändert. Es sind auch neue Lieder dazugekommen, die den Menschen in ihrer Lebenssituation nahe gehen, einfach zu singen mit Melodien auf der Basis der sich stets erneuernden Überlieferung.

In der Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ haben wir seit 1980, unterstützt von Pfarrer Hans Durner und Professor Dr. Georg Kraus, aus den Tausenden dieser geistlichen Volkslieder einige für den Gebrauch in der Volksfrömmigkeit unserer Gegenwart hergerichtet. Einige passen auch in die Liturgie nach dem 2. Vatikanischen Konzil mit der Stärkung der Muttersprache und der Volksbeteiligung. Alle aber sind geeignet für die vielen privaten Gelegenheiten, die gerade in Corona-Zeiten den Menschen eine seelische Stütze sind und zur ganz eigenen Zwiesprache mit Gott einladen: In der freien Natur, im persönlichen Umfeld, in der Familie am Abend, in nachbarlicher Gemeinschaft, in Kapellen und Kirchen, ganz für sich. Viele Menschen berichten uns über ihren Gebrauch der geistlichen Volkslieder, die wir seit Beginn der CoronaKrise kostenlos zusenden.

In unserer Corona-Liederaktion gibt es neben Liedern für Kinder, bayerischen und deutschen Volksliedern auch viele geistliche Volkslieder zum Selbersingen. Gern verschicken wir auch kleine Hefte, etwa mit Liedern für den Marienmonat Mai.

Hierher passt auch das beigegebene ganz bildhafte Lied, in dem Maria mit Blumen Gott Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist ehrt („ex gloria Dei“ = zum Lobe Gottes). Der lateinische Refrain bedeutet: „Gott und Herr, erbarm dich unser“. Kurt Becher (1914 bis 1996) vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege hat dieses in vielen Quellen seit etwa 1800 nachgewiesene Marienlied (unter anderem aus Vorarlberg, Niederösterreich, Tirol, Oberbayern) zum Ende der 1970er-Jahre in die bayerische Volksmusikpflege neu eingebracht.

Das Lied ist in dem bunten Heft Nr. 41 „Freu dich, du Himmelskönigin“ (Volksmusikarchiv, 1992) abgedruckt und auf der CD „Bei da Lindn bin i gsessn ...“ (Volksmusikarchiv, 2004) in einer Aufnahme von 1997 mit Vorsängern und vielen Mitsängern in der Filialkirche Mittenkirchen bei Bruckmühl zu hören. Die Aufnahme ist unter www. ovb-online.de zu hören.

Weiterhin gilt unser Angebot: Melden Sie sich mit Ihren Lied-Wünschen oder Ideen zur Corona-Zeit per Post, E-Mail, Fax oder Telefon: Volksmusikarchiv und Volksmusikpflege des Bezirks Oberbayern (Krankenhausweg 39, 83052 Bruckmühl, E-Mail: volksmusikar-chiv@bezirk-oberbayern.de, Fax 0 80 62/86 94, Telefon 0 80 62/51 64).

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