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Lesung in Rosenheim

„Man muss den Text hängen lassen wie eine Wurst“

Natalie Buchholz las mit warmer Stimme und geschicktem Sprechtempo aus ihrem Buch.
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Natalie Buchholz las mit warmer Stimme und geschicktem Sprechtempo aus ihrem Buch.

Die in Rosenheim aufgewachsene Schriftstellerin Natalie Buchholz schreibt in ihrem zweiten Buch über ein unmoralisches Angebot und das Psychogramm einer Ehe. Zur Lesung kam sie in die Stadtbibliothek.

Rosenheim – Man kennt die Mietsituation in München: Die Schriftstellerin Natalie Buchholz, die in Rosenheim aufgewachsen und Absolventin des Ignaz-Günther-Gymnasiums gewesen ist, hat diese Situation in ihrem zweiten Buch zum Thema gemacht und daraus in der Stadtbücherei gelesen.

Ihr Buch heißt hintersinnig „Unser Glück“ – der Glücksfall für Coordt und Franziska samt Sohn Frieder ist eine große Altbauwohnung am Englischen Garten, die auch noch bezahlbar ist, aber einen entscheidenden Haken hat: Sie müssen einen Bewohner mitübernehmen, den Ex-Mann der Vermieterin, der das Zimmer am Ende des Ganges bewohnt. Coordt zögert, Franziska willigt ein. Diese fremde Person macht im Lauf des Romans die schon vorhandenen Risse im Ehepaar deutlich, beide verändern sich, vor allem Franziska, die nun aufblüht, während Coordt mehr und mehr verkümmert: das Psychogramm einer Ehe.

Ein unmoralisches Angebot

Schließlich macht der Fremde ein höchst unmoralisches Angebot: Coordt soll die Wohnung verlassen, Franziska soll den Fremden bis zum baldigen Tod pflegen, dann gehöre die Wohnung ihnen. Das Ende soll der Spannung wegen nicht verraten werden. Alles ist aus der Innen-Perspektive des Ehemanns erzählt, der Fremde wirkt unheimlich und mephistophelisch-mysteriös. Natalie Buchholz las mit warmer Stimme, geschicktem Sprechtempo, spannungssteigernden Kunstpausen und je nach Person veränderter Stimmfarbe. Man merkte, dass sie ihre Personen glaubwürdig macht und eine sehr gute Beobachtungsgabe hat. Die beschriebenen Kleinigkeiten machen – neben der Spannung - den Reiz ihres Romans aus. Robert Berberich, der ehemalige Rosenheimer Kulturreferent, befragte Natalie Buchholz zwischen den Leseproben. Er fragte nach der Motivation dieses Themas: München habe sich angeboten, weil sie es eben gut kenne. Was reize sie am Unheimlichen? Seit dem Studium, sagte Frau Buchholz, begleite sie das Motiv des Unheimlichen, das hier als Katalysator für die Veränderung der Eheleute diene. Auf die Frage nach ihrer Arbeitsweise sagte sie, Schreiben heiße ständige Überarbeitung, meist lösche sie drei Viertel des tags zuvor Geschriebenen: „Man muss den Text hängen lassen wie eine Wurst!“ Auch auf Fragen aus dem Publikum nach der Erzählperspektive oder der Namensgebung beantwortete Natalie Buchholz freundlich zugewandt und ausführlich. Langanhaltender Beifall war die Antwort auf die sympathische Darstellung einer Autorin, die danach bereitwillig die gekauften Bücher signierte.

Natalie Buchholz: Unser Glück, Penguin Verlag München 2022, 204 Seiten, 20 Euro. Rainer W. Janka

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