Malen statt „Lobgesang“ in der Kulturflaute

Ihre Lebensfreudehat Lonika Herzog noch nicht verloren. Janka

Stephanskirchen – Sie ist 79 Jahre alt, aber immer noch kulturell äußerst umtriebig – besser gesagt, sie wäre es, wenn sie nicht durch die Corona-Pandemie gebremst wäre: Lonika Herzog aus Schloßberg.

Auch wenn sie keine Berufs-Künstlerin ist, ist sie doch im Kunstleben Rosenheims vielfältig engagiert. Das liegt nun alles brach. Geige spielt sie in der Rosenheimer „Innphilharmonie“, da wären jetzt Proben für ein im Mai geplantes Konzert, den „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, zusammen mit dem Wasserburger Bachchor. Das Konzert ist bis in den Herbst verschoben, aber auch dieser Termin ist ziemlich unsicher. Der dafür vorgesehene Dirigent, Alois Penninger, ist auch noch ein Österreicher, der sowieso nicht einreisen darf.

Bratsche spielt Lonika Herzog im Jugendorchester „Die Arche“, auch wenn sie aus dem Jugendalter heraus ist. Vor ungefähr 20 Jahren ist sie in dieses Orchester „reingerutscht“, wie sie lachend erzählt, weil jemand gesucht wurde, der Bratsche spielen kann. Und flugs wurde sie in den Vorstand gewählt, in dem sie immer noch sitzt. Aber auch „Die Arche“ ist nun auf dem Trockenen gestrandet. Ein Passionskonzert wurde in den Mai verschoben und dann in den September – auch dieser Termin bleibt unsicher. Proben gibt es natürlich auch keine. Am 10./11. Oktober ist ein Benefiz-Konzert für eine Favela in Rio de Janeiro geplant, das verlegte Passionskonzert soll am 21./22. November stattfinden: Alle warten darauf, dass irgendwann wieder geprobt werden kann.

Auch im Orchester des Vereins „Erlesene Oper“ spielt Lonika Herzog mit. In diesem Jahr gab’s gerade noch eine Aufführung der Oper „Dem Schelm die Hälfte“ von Daniel-François-Es prit Auber, bevor alle öffentlichen Aktionen verboten wurden. Der künstlerische Leiter dieses Opernvereins, Georg Hermansdorfer, plant im Herbst ein Konzert mit Arien von Beethoven, bei dem Lonika Herzog ebenfalls mitwirken soll, aber auch hierfür können derzeit keine Proben stattfinden.

Weiters ist sie in einem Projekt des Grenzlandorchesters und des Konzertchors Oberinntal mit von der Partie, der unter der Leitung von Christoph Danner im Oktober ein Jubiläums-Konzert vorhat mit Ausschnitten aus dem Mozart-Requiem, dem Oratorium „Paulus“ von Mendelssohn Bartholdy und zeitgenössischen Werken.

Was Lonika Herzog auch fehlt: Sie spielt zusammen mit der Musiklehrerin Monika Reif Violinsonaten, was ihr normalerweise große Freude bereitet. Beide spielen die Sonaten vom Blatt, „was für uns beide eine gute Übung ist“, wie Lonika Herzog feststellt. Auch dies ist gerade nicht möglich. „Kammermusik geht mir besonders ab!“, betont sie, sie spielt nämlich auch noch in mehreren Streichquartetten, die sich manchmal sogar bis zu Oktetten erweitern.

Auch die sozialenKontakte fehlen

Gerade diese sozialen Kontakte und das künstlerische gemeinsame Agieren im Gleichklang der Herzen vermisst Lonika Herzog schmerzlich. Singen tut sie auch noch, wenn auch nur im „Beerdigungschor“, aber auch der darf nicht mehr singen.

Als wäre dies noch nicht genug, ist sie auch noch Managerin des Gesangsensembles „Cantosonor“, das aus vier Opernsängern plus einem Pianisten besteht. Den Tenor singt ihr Sohn Markus Herzog.

Keine Konzerte,keine Proben

Auch da liegt alles völlig flach, es gibt keine Konzerte, keine Engagements und keine Proben – die immer im Haus von Frau Herzog stattgefunden haben. Zwei Mitglieder dieses Ensembles sind aus Salzburg, einer aus Osttirol, die können derzeit nicht reisen. Alle geplanten Konzerte sind auf „Ich-weiß-nicht-wann“ verschoben. Die finanziellen Einbußen sind Gott sei Dank nicht so groß, weil zwei Mitglieder, ein Rumäne (Florian Podgoreanu) und ein Spanier (Carlos Goikoetxea) eine Professur in Salzburg haben und der Osttiroler, Ulfried Haselsteiner, Gitarren baut und auch komponiert.

Und was macht Lonika Herzog nun in dieser kulturellen Stille? Sie malt. Wieder. Das hat sie immer schon gemacht, nun tut sie es verstärkt. So entsteht ein Aquarell nach dem anderen. Ein Hobby für die Einsamkeit.

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