Märkl und Muggli in der Galerie Villa Maria: Von Menschen und Vasen

„Die hohe Regierung“, Heidi Muggli, Öl auf Leinwand (2015). Trautwein
+
„Die hohe Regierung“, Heidi Muggli, Öl auf Leinwand (2015). Trautwein

Zwei namhafte Künster aus der Region versammelt die aktuelle Ausstellung in der Galerie Villa Maria in Bad Aibling. Bis 25. Oktober sind dort Bilder der Aiblinger Malerin Heidi Muggli und des Rosenheimer Künstlers Rolf Märkl zu sehen.

von Ute Bößwetter

Bad Aibling – Die Welt ist eine Bühne und jedem ist seine Rolle zugewiesen. Diesen Eindruck erwecken die mit großer Präzision und Lebendigkeit gemalten Bilder und Zeichnungen der Aiblinger Malerin Heidi Muggli. Arbeiten von ihr zeigt derzeit die Galerie Villa Maria – zusammen mit Bronzeskulpturen des im März verstorbenen Rosenheimer Künstlers Rolf Märkl.

Wie bereits seit langem sind Heidi Mugglis Themen Gefäße oder Früchte, von vitaler Farbigkeit in Öl auf Leinwand oder in der von ihr neuerdings angewandten Technik mit Polychromstiften auf Papier. Äußerst detailreiche, schwarzweiße Blätter mit geringen Farbschattierungen sind auf diese Weise entstanden.

Familienaufstellung mit Gefäßen

Streng und hoch oder klein aber präsent stehen die Gefäße und sie erzählen Geschichten von sozialem Gefüge: die Dominanz der Großen über die Kleinen oder der feste Zusammenhalt einer Gruppe, zwischen die nicht ein Blatt Papier zu passen scheint.

In dunklem Blauschwarz und völliger Gleichheit steht eine Versammlung von 45 Flaschen in Reihen über- und nebeneinander, und sie drückt untrennbares Einvernehmen aus. Ihre Dunkelheit wird aufgebrochen durch den hell gestalteten oberen Rand, eine Helligkeit, die aus dem Inneren der Gefäße zu kommen scheint. „Dynamik der Gleichheit“ lautet der Titel, den die Malerin wie immer mit Bedacht wählte.

Heidi Muggli malt nicht nur, sie inszeniert. Ihre Krüge und Haferl stehen in festgefügter Ordnung, und der aufmerksame Betrachter erkennt die Parabeln, die man mit menschlichem Verhalten durchaus gleichsetzen kann. Heißt nicht eines der Bilder, auf denen eine hohe dunkle Vase hinter einem kleinen, anmutigen Gefäß steht „Die hohe Regierung“? Wie so oft in Mugglis Bildern hängt auch aus dieser Vase ein einzelner Blütenstengel – manchmal sind es Beeren an einem Ästchen - der mit einem kleinen Klecks Rosa die Strenge mildert und die Zuwendung von Groß zu Klein vollzieht.

Und dann die Früchte: Sorgsam Stück für Stück mit großer Perfektion auf Leinwand gemalt, auch sie in Reihen geordnet, keine ist der anderen gleich. 25 Mangos liegen auf strahlend gelbem Untergrund, mit glatter, aber beileibe nicht tadelloser Haut. „Losgelöst“ vom Baum erzählen sie von überstandenen Anstrengungen wie gnadenloser Hitze oder Stürmen. Kleine Flecken und Beschädigungen auf der Fruchthaut sind kunstvoll angedeutet und lassen die Früchte um so lebendiger erscheinen.

Rolf Märkl war ein sehr geschätzter, alles stets kritisch hinterfragender Künstler unserer Zeit. Das äußert sich auch in seiner Kunst - in Zeichnung, Malerei und Skulptur. Sein privater Garten zeigt eine Vielzahl von hölzernen Skulpturen, die aus dem Material abgerissener alter Bauernhöfe gearbeitet wurden. Diese großen bildhauerischen Werke sind Wegweiser zu seinen kleinen Bronzearbeiten, die die Villa Maria nun präsentiert.

Ausdrucksstarke Bronzen

Immer ist es der Mensch, den darzustellen Märkls Anliegen war. Sechs ausdrucksstarke Bronzen sitzen auf alten afrikanischen Stühlen, die wiederum auf hohen Sockeln positioniert sind. Alle Arbeiten, mit Ausnahme einer, entstanden um die Jahrtausendwende und bis ins Jahr 2009. „Sappho“ gehört zu den spät entstandenen Werken. In stark reduzierter Formensprache ist die wichtige Lyrikerin des klassischen Altertums gestaltet, sie, die als die Urmutter des Lebens betrachtet wird. Ihre Hand ist wie um Aufmerksamkeit bittend erhoben. In aufwändigerer Gestaltung, jedoch ebenfalls in archaischer Formensprache, begegnet dem Betrachter die „Nachdenkliche“, auch hier die Handhaltung ein wesentliches Merkmal.

Klare Formensprache

Und ganz offensichtlich aus einer viel früheren Schaffensphase, aus dem Jahr 1958, stammt der Mädchenkopf mit dem Titel „Gisa“, detaillierter ausgearbeitet und mit Gesichtsausdruck und Frisur in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu Hause. Märkl hat eine klare Formensprache, die er selber als konservativ-expressiv bezeichnete. Unverwechselbar sind seine Arbeiten, die über seinen Tod hinaus Bestand haben.

Bis 25. Oktober

Die Ausstellung ist bis 25. Oktober geöffnet, Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr in der Galerie Villa Maria, Rosenheimer Straße 43 in Bad Aibling,und nach Vereinbarung unter Telefon 08061/92770 oder per E.Mail an e.c.geyer@t-online.de.

„Nachdenkliche“, Bronzeskultur von Rolf Märkl (2009).

Kommentare