Luther aus besonderem Holz geschnitzt

Drei Luther-Figuren mit Ecken und Kanten.
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Drei Luther-Figuren mit Ecken und Kanten.

Arbeiten des jungen Bildhauers Marco Bruckner sind im Garten der Villa Maria zu sehen. Der Pittenharter hat sich intensiv mit der Persönlichkeit von Martin Luther beschäftigt.

von Ute Bößwetter

Bad Aibling – Marco Bruckner ist noch jung, der 24-Jährige hat aber seinen künstlerischen Weg bereits vielversprechend begonnen. Zwei Auszeichnungen – 2013 und 2018 – ermutigten ihn, seine Arbeit fortzusetzen. Er ist Bildhauer und Kunstdrechsler mit einer Ausbildung an der Holzbildhauerschule in Berchtesgaden und arbeitet als freischaffender Künstler in Nöstlbach bei Pittenhart.

Lebensgroße menschliche Figuren hat er zu seinem Thema gemacht. Im Reformationsjubiläumsjahr 2017 wurde sein Interesse an Martin Luther geweckt, dessen Leben und Wirken 500 Jahre zuvor die christliche Welt in Aufruhr versetzt hat. Damals schlug der Reformator an die Türe der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen an – kämpferisch und furchtlos. Intensiv hat sich Marco Bruckner mit diesem außergewöhnlichen Menschen beschäftigt und einen Zyklus von acht Lutherfiguren geschaffen.

Jede Gestalt ist anders

Es geht dem Künstler dabei nicht um detailgenaue Darstellung, nicht um ausgearbeitete Formen, sondern um die Erfassung des Wesentlichen. Mit der Motorsäge gibt er grob die Gestalt vor, tiefe, beim Sägen entstandene Riefen lässt er stehen und bezieht sie in die Gesamtwirkung mit ein. Ebenso sieht man Spuren des Schnitzeisens im Holz, die die Gesichtszüge vertiefen, gelebtes Leben zeigend. Alle Körper sind ähnlich aufgebaut, mit einfachen Schnitten ausgeführt, dennoch lebendig und eine jede Gestalt anders.

Bibel vor der Brust

Auffällig ist eine vierkantige hölzerne Form, die jeder der Figuren auf der Brust liegt. Es ist die vereinfachte Darstellung der Bibel, die Luther immer bei sich trug. Bruckner gelingt es, mit seiner bildhauerischen Gestaltung dem Betrachter den Menschen Luther näher zu bringen. Drei dieser acht Luther-Figuren stehen nun im Garten der Villa Maria, weitere befinden sich im öffentlichen Raum in Obing und Wasserburg.

Noch eine vierte Figur hat Marco Bruckner mitgebracht. Es handelt sich um die Darstellung der Heiligen Corona. Verbindet sich mit dem Wort derzeit eine allgegenwärtige Bedrohung, wird hier in der Gestalt der namensgleichen Heiligen vorgestellt. Aus Esche gehauen, mit einem metallenen Kreuz versehen, lässt sie uns an ihrem Leben teilhaben. Sie gilt als Schutzpatronin des Geldes und der Schatzsucher, wurde aber in Seuchenzeiten um Hilfe angefleht. Genau so schlicht und grob behauen wie die Luther-Gestalten, vermittelt sie den Eindruck von aufrechter Haltung und beeindruckender Persönlichkeit. Tiefe Einschnitte im Holz zeugen vom Martyrium, das sie erleiden musste.

Die Skulpturen sind im Garten der Galerie Villa Maria, Rosenheimer Straße 43, auch außerhalb der Öffnungszeiten zu sehen. Im Haus dauert die Ausstellung von Heidi Muggli und Rolf Märkl noch bis zum 25.10. an.

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