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Meisterkonzert

Löwenpranke und Samthandschuh: Meisterkonzert mit Yu Kosuge

Sanft rauschend spielte Yu Kosuge ihre Chopin-Zugabe.
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Sanft rauschend spielte Yu Kosuge ihre Chopin-Zugabe.

Die fabelhaft präzise Pauke markiert klar den Anfang, dann übernimmt Yu Kosuge kraftrauschend und löwenprankig und keinen Zweifel daran lassend, dass sie nun die Hauptrolle hat in Beethovens 5. Klavierkonzert Es-Dur – dem letzten Meisterkonzert im Rosenheimer Kuko in dieser Spielsaison..

Rosenheim –Schnell hat sie die sehr zahlreichen Zuhörer beim letzten Meisterkonzert im Kultur- und Kongress-Zentrum für sich eingenommen, so sehr, dass nach dem ersten Satz eine Zuhörerin spontan „Toll!“ ausruft und einige darauf ebenso spontan applaudieren.

Die Paukerin, die mit Hingabe und Zielgenauigkeit agiert, liefert sich dann auch noch einen herrlichen Doppelgesang mit den warmen Hörnern und am Ende ein hochspannendes Duett mit dem Klavier.

Orchestervoller Energie

Energiedurchpulst und elektrisierend spielt das sehr jung besetzte Slovenian Philharmonic Orchestra, mit oft gleißend strahlenden Bläsern und einem schönen „Walking Bass“ unter dem zarten Streichergewebe im Adagio samt daunenweichen Hörnern. Der Dirigent Philipp von Steinaecker, eine lässig-elegante und jugendlich-straff wirkende Dirigentengestalt im krawattenlosen Straßenanzug, sorgt nicht nur für punktgenaue Präzision und feurige Energie, sondern auch für die innige Verzahnung mit der Solistin. Die unterstützt das mit oftmaligem Blickkontakt mit den Orchesterspielern.

Virtuose Brillanz, aber auch emotionale Hingabe prägen das Spiel von Yu Kosuge, eben Löwenpranke, aber auch Samthandschuh. Mit überschäumendem und triumphierendem Jubel stellt sie das Hauptthema hin, meißelt die Läufe in der linken Hand perfekt, lässt’s dann in den Höhen sanft glitzern, bietet dramatisch gefüllte Triller und donnert die Oktavenläufe dynamisch aufgeladen. Innig singt sie das Adagio, diese mit der entlegenen Tonart H-Dur „exotische Insel innerhalb der massiven Es-Dur-Pfeiler“ (Bernhard Rzehulka), überwölbt melodisch das Streicherweben und steigert in der Trillerparade mit jedem Triller auf neuer Tonstufe, körperlich mitgehend, die Erlebnisintensität. Vor Spiellust fast geschüttelt intoniert Yo Kosuge das aufschießende Thema des Finalsatzes.

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Als Zugabe für den nicht enden wollenden Applaus gab’s von Chopin die As-Dur-Etüde op. 25, Nr. 1, auch „Harfen-Etüde“ oder „Regenbogen-Etüde“ genannt, vollgriffig rauschend, also mit sanfter Löwenpranke, vorgetragen.

Mozarts Figaro-Ouvertüre bot das Slowenian Philharmonic Orchestra im gespannten Presto, rhythmisch sehr scharf konturiert, energieprall, voller wirbelnder dramatischer Unruhe mit kleinen knallenden Klang-Explosionen, eine hochdramatische Oper auf kleinstem Raum – und wiederum überzeugte die so weich wie prägnante Pauke.

Mozart modern-nervös

Auch Mozarts g-Moll-Symphonie KV 550 nahm Philipp von Steinaecker sehr schnell und sehr erregt in treibender Unruhe, dabei jedoch jedes kleine Motiv genau modellierend, die Bläser fahren im Kopfsatz oft unwirsch-drohend dazwischen wie als Beethoven-Vorahnung. Als bedrohte Idylle kam der zweite Satz, ungestüm und heftig synkopisch markiert das Menuett (das Programmheft erklärt diese rhythmische Form der Hemiolik genau) und rasch jagend, fast wie gejagt der Finalsatz: Das war ein modern-nervöser Mozart, kein verklärter Apolliniker. Umso traumhafter tönte dann das Bläser-Trio im Menuett wie aus lichten Höhen herunter.

Großer Jubel am Schluss für das Orchester und den Dirigenten – aber keine Zugabe. Die heurige Meisterkonzert-Saison endete triumphal, möge sie genauso qualitätsvoll im Herbst beginnen. So denn die Pandemie will.

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