Die Öde liegt aber nur im Namen

„Fernöd“, die ehemalige Wachstation der Karfreit-Kaserne, verdankt ihren Namen wohl der fernen Lage – sowohl zu Großholzhausen, als auch zu Litzldorf.
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„Fernöd“, die ehemalige Wachstation der Karfreit-Kaserne, verdankt ihren Namen wohl der fernen Lage – sowohl zu Großholzhausen, als auch zu Litzldorf.

Die standarddeutsche Öde ist eine bairische Eden, gesprochen als „eedn“.

Der Vokal ö teilt mit dem ü nämlich das Schicksal, im Bairischen eine Rarität zu sein. Im Falle von „Eden“ stimmt das im Besonderen: Das ö wurde im Begriff „Öde“ zu e abgeschwächt und, wenn man an die Stellung der Lippen denkt, entrundet. Ähnlich wie bei „i meehat“ – entstanden aus „ich möchte“ – oder bei „meine zwoa Deechda“ – „meine zwei Töchter“. Die Wortendung -en beziehungsweise -n – das e wird ja nicht gesprochen – erinnert an bairische Wörter wie „Wiesn“ oder „Hosn“: Hier ist das im Mittelhochdeutschen (1050 bis 1350) noch vorhandene Endungs-n des zweiten, dritten und vierten Falles Singular (Einzahl) in den ersten Fall Singular gerutscht und ärgert manch einen Zuagroasdn, der sich nur wundern kann, wenn es heißt: „D Wiesn foid heia aus“ – die Wiesn fällt (nicht: fallen!) heuer aus!

Der Ortsname Eden ist in Österreich und Südtirol gut belegt; bei uns dient er als Bestimmungswort, beispielsweise bei Edenstraß in der Gemeinde Höslwang. Hier kann auch eine Form des Adjektivs „öde“, bairisch „eed“, angenommen werden: „An der öden Straße“. Aber warum öde? Hans Meixner erklärt in „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“: Die Römerstraße „verödete, als im Mittelalter die Salz- und Scheibenstraße angelegt wurde, die gerade bei Edenstrass w. vom Arxtsee die römische Trasse verlässt, um nach Rosenheim abzuzweigen“.

Manchmal fällt das „e“ im ersten Fall (Nominativ) Singular gleich ganz weg. So wird die Wiese zur Wies und die Öde zur Ed. Daher wurde beispielsweise aus der Ortsangabe „in der Öde“ auf Bairisch „in der Ed“ und schließlich „Dred“. Als „Dred“ kennen wir daher „Jarezöd“, gut bekannt durch den „Wirt vo Dred“ und die beliebte „Dreder Musi“. Aber „heia ned auf der Wiesn“ (= nicht auf dem Rosenheimer Herbstfest, das Corona-bedingt ausfällt)!

Die bisher genannten Orte haben zwar die Begriffe „Öde“ als Substantiv oder „öde“ als Adjektiv im Namen, aber sie befinden sich in blühenden Landschaften. Ein klarer Benennungsfehler, oder steckt mehr dahinter?

Was Johann Andreas Schmeller in seinem „Bayerischen Wörterbuch“ über die Einöde schreibt, kann auch für die öd- und ed- Orte gelten. Diese behalten als ursprünglich unbebauter und unbewohnter Grund ihren Namen schlicht und einfach bei. Es „konnte wohl die Benennung des ursprünglichen Zustands auf den verbesserten“ weiterleben. Schmeller vergleicht diesen Umstand mit den „Reut“- und „Ried“-Orten, bei denen das ursprüngliche Reuten und Roden zwar längst keine Rolle mehr spielte, aber im Ortsnamen erhalten blieb.

Nicht selten verblieb sogar – zumindest in der Schreibung – das ö im Namen: Fernöd, Herolsöd, Jarez öd, Kothöd, Kropfetsöd, Strassöd und Watschöd. Der Kabarettist Gerhard Polt glaubt, hier auch ein St. Öd zu kennen. Schaungmaramoi – beim naxdn Moi! Armin Höfer

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