Lieder aus der „guten alten Zeit“

Heimatvereins-Vorsitzender Arnold Böhm (rechts) dankte den Akteurinnen des Abends mit einem kleinen Präsent und einem Gagen-Aufschlag. Hellmeier

Schnaitsee – Der Heimatverein Schnaitsse hatte zu einem szenischen Abend mit Bettina Mittendorfer und Barbara Dorsch eingeladen und mit etwa 30 Besuchern gerechnet – es kamen schließlich über 90 Gäste in den Saal des Schnaitseer Wirth.

Auf der Bühne dann ein auf den ersten Blick ungleiches Paar: die bekannte Schauspielerin Bettina Mittendorfer und Sängerin und Kabarettistin Barbara Dorsch. Doch die beiden ergänzten sich ideal: Dorsch begleitete Mittendorfer zu ihren Liedern – oder sie sagen zusammen Lieder aus einer längst vergangenen Zeit. Dabei erinnert Dorschs Stimme und ihr Habitus immer wieder an die unvergessene Bally Prell. Deren Lied von der „schönen Münchner Stadt“ wurde im Laufe des Programms dann auch gesungen.

Die Texte der „szenischen Lesung mit Musik“ stammten von Oscar Maria Graf, Lena Christ und Heinrich Lautensack. Mittendorfer gelang es, die Charaktere zum Leben zu erwecken, etwa ein altes Landstreicherpaar aus Grafs Kindheitserinnerungen in der Erzählung „Frühzeit“, das beim Losverkauf einem Kleinhäusler zu Wohlstand verhilft, oder die „Rumplhanni“ von Lena Christ in der Szene, in der sie sich beim Wurstmachen mit einem Metzgergesellen verlobt. Heinrich Lautensack schildert einen Passauer Biergarten, in dem sich an einem Frühlingstag allerlei Gesindel trifft, um mit den wenigen, im Winter gesparten Groschen ihr Bier zu genießen, und das über eine längere Zeit, jeden Tag. Die ehrbaren Bürger der Stadt sind ihnen sogar neidig dafür.

Nach der Pause kam dann nochmals Oscar Maria Graf zu Wort mit dem „Theodorverein“ und einer derben Szene aus dem Bayerischen Decameron, in dem im Stall hinter dem Saukoben und dem Rossstand eine Ehe gestiftet wird, was die Gesellschaft vom Wirtshaus gegenüber später gerne erfahren darf. Zwischen die Texte streute Mittendorfer immer wieder Lieder, die unsere Großeltern sicher gekannt haben. Sie stellen als sogenannte „Küchenlieder“ eine eigene Musikgattung dar.

Das Publikum unterbrach den Vortrag der beiden Damen öfter mit Applaus, durfte hin und wieder auch mitsingen, und man konnte spüren, wie sich alle im Saal richtig wohlfühlten. Denn hier gab es die seltene Gelegenheit, einzutauchen in eine längst vergangene Welt der einfachen Leute, eine Welt ohne Fernseher, Internet und Handy. Jedenfalls war damals die zwischenmenschliche Kommunikation eine direkte, unverfälschte, was Bettina Mittendorfer vermutlich mit dem Titel „Mensch sein“ meint. Heimatvereins-Vorsitzender Arnold Böhm brachte es auf den Punkt: „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Reinhold Schuhbeck

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