Die letzten sieben Worte Jesu als Bilder

Aus Tüchern und Fetzen sind die Silhouetten von Maria und Johannes gestaltet, die beide unter dem Kreuz um Jesus trauern..

Rosenheim – Die katholische Liturgie sieht vor, dass in der Fastenzeit die Altarbilder mit einem violetten Tuch verhüllt werden.

Daraus hat sich die Tradition der „Fastentücher“ entwickelt, die von Malern kunstvoll gestaltet wurden. Andreas Legath, der Aiblinger Maler, Bühnenbildner und Musiker, hat mit seiner Installation in der Rosenheimer Hedwigskirche daran angeknüpft und sieben über fünf Meter hohe Bildtafeln rund um den Altar und zu Füßen des Gekreuzigten aufgestellt, die die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz thematisieren.

Diese sieben Worte hat Legath in lateinischer Sprache in die Bildtafeln eingeschrieben. Man muss sehr nahe herangehen, um sie lesen zu können. Dann sieht man auch, wie schrundig-schorfig die erdig-dunklen Farben aufgebracht sind, oft mit großem Spachtel, so dass sie reliefartig aus dem Bildgrund herauswachsen.

Ihre pastose und körnige Textur „erzeugt eine chthonische Wirkung, in der das Geschehene wie in eine archäologische Fundschicht eingebettet ist“, sagt dazu die Kunsthistorikerin Anke Humpeneder-Graf. Die Farbschattierungen wechseln, beim Ruf nach Gottvater („Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“) hellt sich alles oben auf, als ob von Himmel Antwort käme.

Beim zentralen Bild unter dem großen Kruzifix von Josef Hamberger („Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“) tropft weiße Farbe vom Querbalken des Kreuzes, als ob das Kreuz Tränen vergießen würde.

Das Kreuz beziehungsweise die drei Kreuze dominieren alle Bildtafeln. Diese Kreuze werden oft umgeben, ja bisweilen umzingelt von Leitern, die aus schwarzen realen Ästen gemacht sind. Manchmal sind die Leitern so zusammengestellt, dass sie an einen Dornenkranz denken lassen. Deutlich sieht man die Ysop-Stängel (Eisenkraut). Auch wirkliche rote rostige Zimmermannsnägel und eine Kette als Symbole für Christi Marter heben sich als reale Artefakte aus der Grundfarbe heraus. Maria und Johannes unter dem Kreuz sind als trauernde Silhouetten aus Tüchern und Lappen erkennbar.

Komponisten wie Heinrich Schütz und Joseph Haydn haben diese sieben letzten Worte Jesu vertont. Gerne hätte man eine dieser Musiken unter Legaths Fastenbildern gehört. So wirken sie aber auch in der meditativen Stilles des Kirchenraums, monumental, düster, traurig, leidenserfüllt – und doch auch voller Hoffnung, weil auf die Kreuzigung die Auferstehung folgt.

Die Hedwigskirche ist tagsüber zum Gebet geöffnet. Legaths Fastenbilder regen dazu an.

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