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Lebensfreude und Todesangst

Mit konzentriert geschlossenen Augenspielte Norman Spaeth das Adagio des Bach-Violinkonzertes. janka
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Mit konzentriert geschlossenen Augenspielte Norman Spaeth das Adagio des Bach-Violinkonzertes. janka

Rosenheim – Die Rosenheimer Hedwigskirche platzte aus allen Nähten beim letzten Konzert des Rosenheimer Musikvereins als „Musikverein“: Künftig heißt der Musikverein „Innphilharmonie“.

Auf dem Programm stand Mozarts „Requiem“.

Doch vor der Todesangst kam noch Lebensfreude mit Bachs Violinkonzert E-Dur. Solist war der knapp 14-jährige Norman Spaeth, Schüler des musischen Zweigs des Ignaz-Günther-Gymnasiums. Der Dirigent Thomas Mandl saß am Cembalo, sodass Norman Spaeth als Solist körperlich mitdirigierte. Und wie: In gespannter Körperhaltung hochaufgerichtet, mit Blick nach oben, im Adagio konzentriert in sich versunken mit geschlossenen Augen, stand er da als Künstlerpersönlichkeit, die dem Orchester des Musikvereins als gleichberechtigter Partner gegenübertrat.

Mit entschiedenem Strich verlieh er den vielen Akkordbrechungen durch dynamisches An- und Abschwellen Vitalität und Glanz, bewies Gespür für logische Abfolge von Phrasen und entlockte dem Adagio mit edlem Bronzeton seiner Geige viel Tonschönheit.

Das Streichorchester hatte mit freudig-festlichem Schwung begleitet und im Adagio den Solisten mit duftig-zarten Klängen umgeben, nur die starke Bassgruppe drängte sich lautstark vor.

Im Mozart-Requiem war diese starke Bassgruppe am Platze zum Beispiel im unruhigen Rumoren beim „Dies irae“. Thomas Mandl hatte die originalen Bassetthörner gewählt, die dem Requiem den dunkelwarmen Klang geben.

Mandl achtete auch im Orchester auf atmende Phrasierungen und arbeitete zahlreiche Orchestereinzelheiten heraus, so zum Beispiel im Beginn des „Recordare“ die sequenziert aufsteigenden Geigenphrasen, die wie Weihrauchwolken nach oben strebten, sowie die deutlich konturierten klagenden Geigen-Seufzer im „Lacrimosa“.

Der Musikvereinschor vereinte sich mit dem Kufsteiner Singkreis (Leitung: Drummond Walker) und der Chorvereinigung Erl (Leitung: Josef Wieser) zu einem mächtigen Chorblock mit marmorschimmernd-kompaktem und massivem Klang. Das nutzte Mandl aus: Schon mit den ersten Takten war klar: Dies wird keine tröstende Komm-o-Tod-Du-Schlafes-Bruder-Beruhigungspille, dies wird Ausdruck einer aufschreienden Todesangst. Mandl entfesselte im „Dies irae“ ein heftiges Klanggewitter, selten hatte man Mandl so wildbewegt, so gestisch expressiv dirigieren sehen. Und selten war so viel Aufschrei im Mozart-Requiem. Schon das Kyrie begann erregt, das letzte „Kyrie“ war mehr Forderung als Bitte, im Chorbass herrschte gewaltiger Tremor und Angst-Aufschrei vor dem Weltenrichter, der „Rex tremendae majestatis“ wurde gewaltsam angerufen und die Verdammten („Confutatis maledictis“) wurden mit angstvoll-donnernden Forte der Männerstimmen verflucht. Kernig klangen die Tenöre und machtvoll-profund die Bässe und doch auch samtig weich im „Salva me“.

Die Frauenstimmen – mit einem fast ins Grelle hochgestimmtem Klang der Soprane – sangen das „Lux perpetua“ nicht als Bitte, sondern als sichere Verheißung, innig flehend und gut gestützt erklang das „Voca me“. Den in der „Ne-cadant“-Fuge so angstvoll enteilenden Chor fing Mandl schnell wieder ein.

Solistenquartett beweist Homogenität

Sehr homogen war das Solistenquartett: Sicher-routiniert ist der Tenor Markus Herzog, der Bass Tohru Iguchi ersetzte orgelnde Tiefe durch Entschlossenheit und Luitgard Hambergers Alt hat immer noch den liebevoll-mädchenhaften Charme. Alles überstrahlte aber der Sopran von Flore van Meersche. Er hat alles, was man sich wünscht: blutvolle Vitalität, Aufblühen auch in hohen Lagen, Leichtigkeit im Ansatz, Natürlichkeit im Timbre, gut gestütztes Singen „auf dem Atem“. Das Solisten-„Benedictus“ nahm Mandl etwas breit, sodass sogar das Orchester davon überrascht schien, das Chor-„Hosanna“ dafür etwas sehr rasch, sodass die Sänger mit den Koloraturen Mühe hatten.

Insgesamt aber war dieses Requiem, das erschütterte und einen als Zuhörer in die Aufschrei-Angst mitriss, eine der besten Aufführungen des Musikvereins in der Mandl-Ära.

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