LBT-Trio präsentiert coolen Techno und feinen Jazz

Leo-Betzl-Trio: „Stereo“, Album mit zwei CDs, erschienen bei Enja Records und dem Label Yellowbird. re

Großkarolinenfeld. – In einem der letzten Livekonzerte in der Vor-Corona-Zeit brachte das Trio um den Großkarolinenfelder Pianisten Leo Betzl das „Le Pirate“ in Rosenheim zum Beben, zunächst mit feinem Jazz, dann mit wuchtigen Techno-Beats in einem einstündigen Durchgang ohne Pause (wir berichteten).

Nun gibt es den zugehörigen Tonträger. Die Reihenfolge der beiden CDs ist umgekehrt: Auf CD eins finden sich fünf spannende Kompositionen von Kontrabassist Maximilian Hirning, und jedes dieser Techno-Stücke offenbart auch den Nicht-Ravern und Dauertänzern seine Qualitäten. „My songs beckon softly“ beginnt sphärisch, dann galoppiert der Rhythmus unwiderstehlich davon, gefolgt von einer subtilen Percussion-Nummer. Andere Stücke sind kreativer Clubsound, den man sich gut auf einer Tanzfläche vorstellen kann. Dass kompositorisch einiges dahintersteckt, hört man besonders gut im fünften Stück „So Mellow“, in dem Hirning seinen Bass kammermusikalisch einsetzt – die Stücke sind auch dank der kreativen Intros hochunterhaltsam und eignen sich sogar zum Joggen.

Die Stücke auf der zweiten CD stammen mit einer Ausnahme von Leo Betzl und zeugen von der Verwurzelung des Trios in bester Jazz-Tradition. Subtile Spannung wechselt mit wunderbaren Balladen, Sebastian Wolfgruber werkelt ideenreich dazu an Schlagzeug und anderen Gegenständen, mit denen man Klang erzeugen kann. Ganz stark sind die Stücke „Faroeric“ mit Betzls irre schnellen Pianoläufen und „To5 Paradigm“ mit phänomenalen Saxofoneinsätzen des Gasts Moritz Stahl.

Auch die einzige nicht von Betzl stammende Nummer ist ein akustisches Erlebnis und sie stammt von Henry Mancini, dem Komponisten des „rosaroten Panther“: „Slow hot wind“ könnte man praktisch mit seiner Dynamik und exotischen Faszination in der Dauerschleife laufen lassen, denn einen Nachteil hat das Stück: Es ist viel zu kurz.

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