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Kulturforum Klosterkirche Traunstein

Kunst-Installation „Im Fluge“: Mit Propellerdrehung zu Boden

Im Gespräch über Spiralformen: Josef Baier (links) mit Ausstellungsinitiator Helmut Mühlbacher Effner
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Im Gespräch über Spiralformen: Josef Baier (links) mit Ausstellungsinitiator Helmut Mühlbacher
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Ahornsamen fallen im Kulturforum Klosterkirche von Förderbändern, die von Bewegungsmeldern ausgelöst werden. Mit seiner Installation „Im Fluge“ geht der 70-jährige Künstler Josef Baier auf die Raumstruktur der ehemaligen Kirche ein.

Traunstein – Die Spirale ist sein Markenzeichen: Mit immer neuen Variationen dieser „Urform des Lebens“ hat der aus Linz stammende, international gefragte Künstler Josef Baier Faszination geweckt und seinen Erfolg begründet. Inzwischen ist der 70-jährige Salzburger mit großräumigen Installationen und Klangexperimenten, die Ausstellungsbesucher in ganz neue Erfahrungswelten ein-tauchen lassen, weit über seine ursprüngliche Intention hinausgewachsen.

Installation in Gang gesetzt

Ahornsamen fallen von Förderbändern im Kulturforum Klosterkirche.

Im Rahmen des von Helmut Mühlbacher organisierten Gesprächs- und Diskussionsforums zur 37. Kunstsprechstunde in Traunstein konnten Interessierte den umtriebigen Künstler, seine Werke und Motivation bereits vor kurzem im „Offenen Raum Traunstein“ kennenlernen. Bei der Vernissage am Samstag wurde nun im Rahmen einer Ausstellung von Baier im Kirchenraum des Kulturforums Klosterkirche die Installation „Im Fluge“ in Gang gesetzt. Sie ist speziell auf die strenge Kubatur des einst von Kapuzinermönchen zugeschnittenen Gebäudes zugeschnitten. Ausgelöst durch Bewegungsmelder setzen sich Förderbänder in Gang, wenn Besucher den Raum betreten. Auf den Bändern werden Ahornsamen transportiert, die in serieller Reihung angeordnet sind. Aus einer Höhe von sechs Metern schweben die Ahornsamen in ihrer charakteristischen Propellerdrehung zu Boden.

Keine Probeläufe

Die Premiere war insofern spannend, weil Probeläufe aufgrund der Ausmaße der Rauminstallation bisher nur bedingt und teilweise möglich waren. Dies entspricht dem Selbstverständnis von Baier, der in seinem künstlerischen Werk mit dem Zusammenspiel von fundierten mathematischen und physikalischen Berechnungen und der Unberechenbarkeit als unkalkulierbare Größe experimentiert.

Sehr fasziniert zeigten sich die Besucher der Kunstsprechstunde bei der Diskussion über den Werdegang und das Werkverständnis von Josef Baier. Mehr oder weniger durch Zufall gelangte der Bildhauer nach dem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Linz im Rahmen eines Symposions zur Beschäftigung mit Spiralformen.

Aus Experimenten mit exakt berechneten Schnittformen aus rostfreiem Stahl entstanden immer aufwändigere, komplexere und größere, zum Teil sogar ineinander verschlungene Spiralformen. Für Baier sind sie mathematische wie auch metaphysische Symbole für die Schöpfungsprinzipien schlechthin. Ein acht Meter langes und 3,20 Meter hohes Gebilde, das begehbar auf dem Wasser schwamm, sorgte etwa im Schloss Kremsmünster für Aufsehen.

Stroh und Wolle als Materialien

Aus einem keltischen Knoten entwickelte Baier später sogar die Idee eines überdimensionalen organischen Strohknotens. Dessen Bahnen ähneln nicht durch Zufall den unendlichen Umkreisungen eines Elektrons um den Atomkern. Nach der Beschäftigung mit Stroh und Schafwolle als Ursprungsmaterialien auf Symposien in Spanien und Afrika setzte sich Baier immer wieder auch mit den Schöpfungsmysterien des Klangs auseinander. Bereits 2020 präsentierte er in Traunstein bei einer Ausstellung seine Bogenharfe im Salinenpark und eine „Spurenmaschine“ in der Klosterkirche.

Eine elektrisiere-de Wirkung auf Besucher, Musiker und Sänger übte Baier mit der von ihm entwickelten Klangskulptur „Lambdoma“ aus. Im Herbst letzten Jahres präsentierte er die aus 256 Klangröhren mit bis zu drei Meter Länge konzipierte Installation erstmals im Klangraum der Studienkirche St. Josef in Burghausen. Die begehbare Kuppel verbindet Kunst, Musik, Philosophie und Mathematik zu einer Einheit und ist auch für Konzerte stark nachgefragt.

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