Kunst inmitten der Einkaufswelt

"Der Engelstanz" von Rolf Wassermann.
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"Der Engelstanz" von Rolf Wassermann.

Es ist drei Jahre her, da wurde im Aicherpark die Rosenheimer "Kunstmeile" eröffnet. Den Auftakt machten fünf Skulpturen und sechs Lichtobjekte. Platziert wurden sie mitten hinein in die Welt des Kommerz, ungeschützt, für jeden zugänglich und in der Hektik des Alltags auch leicht zu übersehen. Nun gibt es vier Neuheiten zu bewundern.

Das Spannende an der Kunst im öffentlichen Raum ist, dass man ihr beiläufig begegnet. Man kann sich nie sicher sein, ob sich das vermeintlich Alltägliche als etwas Besonderes herausstellt oder umgekehrt. Nur wenig kann aber auch so sehr die Gemüter erregen. Anders als in Galerien, wird diese Form der Kunst auch von den Menschen wahrgenommen, die mit Kultur nur wenig am Hut haben. Kritik war damit für das Kunstprojekt am Aicherpark vorprogrammiert und durchaus gewollt, auch wenn die Kunst so manchmal auf Wut stieß oder sie gar entfachte. Das Ergebnis waren unter anderem mutwillig zerstörte Bodenstrahler. Die Initiatoren blieben in ihrem Weg trotzdem unbeirrt - das Projekt geht in die nächste Runde. An ein Ende wird derzeit nicht gedacht.

Unterschiedlichste künstlerische Stilrichtungen treffen mitten in dem profanen Einkaufsgebiet aufeinander. Es bedarf schon einem genaueren Hinschauen, Innehalten und Ausblenden des Alltags, um einzelne Werke in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Der Blick hin zur Kunst lohnt aber gerade in Hinsicht auf die vier Neuheiten.

In der Grubholzstraße stehen jetzt vier majestätische Wächer" von Rudl Endriß. Von dem bekannten Bildhauer sind in der Kunstmeile schon zwei Werke vertreten. Seine "Schattenmenschen" weisen am Abzweig Äußere Münchener Straße quasi den Weg hin zur Kunstmeile. Wenige Meter daneben ist eine fünf Tonnen schwere Steinsäule von ihm zu sehen. Sie trägt den Titel "Nicht sterben durchs Leben". Nicht weit weg davon, direkt vor der Seitenfront eines Outdoor-Sportgeschäfts, wurden nun neu seine hölzernen Wächter positioniert. Grobschlächtig stehen sie da, stellenweise sprießen aus ihrem Holz Baumpilze. Sie trotzen Wind und Wetter, thronen majestätisch über der Einkaufwelt und strahlen auf ihre Betrachter eine ganz eigene Ruhe inmitten alltäglicher Hektik aus. Geschäfte können kommen und gehen, doch diese Wächter bleiben, vermittelt ihr Anblick.

Neu im Bunde ist auch "Die Nackte" von Bildhauer Gottfried Brenner aus Ramerberg. Wer nichts von dem Kunstprojekt weiß, könnte diese Figur leicht für eine vergessene Schaufensterpuppe halten. Anders als die "Wächter" ist "Die Nackte" nicht bestimmend, dominierend oder beherrschend. Sie wirkt an ihrem Platz auf dem Gehsteig eher zurückhaltend. Bei näherer Betrachtung strahlt sie Charme und Formvollendung aus.

Nicht weit weg von der schönen, steinernen Dame setzt "Der Engelstanz" von dem Traunsteiner Künstler Rolf Wassermann gut sichtbar einen neuen künstlerischen Akzent am Aicherplatz: dünnes, dunkles Metall geformt zu barocken Engelsfiguren. Sie halten sich tanzend an den Händen, erinnern an einen Scherenschnitt und faszinieren an sonnigen Tagen durch ihr Schattenspiel.

Dem Metall-Bildhauer Peter Schwenk haben es Kugeln angetan. "Roundabout - Die Kunstkugel" ist sein Werktitel einer Serie von Skulpturen und Plastiken, die durch Verdichtung von Einzelteilen im Prinzip der Kugel gebaut sind. Bei den Werken des Maitenbether Künstlers gibt es kein Oben, Unten, Hinten oder Vorne. Erst durch Umschreiten der Skulptur ergeben sich immer wieder neue Ansichten, Einsichten und Geschichten. So entstehen mit seinen Händen "Farbkugeln", "Materialkugeln" oder "Erzählkugeln". Am Aicherparkt gibt es nun von ihm die "Glückskugel 2013". 1,50 Meter ist sie groß und aus vielen, vielen alten Hufeisen gefertigt.

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