Kultur nach den Corona-Lockerungen – Kuko-Chef Peter Lutz: „Die Unsicherheiten bleiben“

Drei Monate Leerstand: Kuko-Chef Peter Lutz hat dennoch viel Arbeit und hofft auf konkrete Perspektiven.
+
Drei Monate Leerstand: Kuko-Chef Peter Lutz hat dennoch viel Arbeit und hofft auf konkrete Perspektiven.

Ab dem 15. Juni dürfen in Bayern wieder kulturelle Veranstaltungen unter ganz bestimmten hygienischen Bedingungen stattfinden. Die OVB-Heimatzeitungen haben nachgefragt, wie sich das Rosenheimer Kultur- und Kongress-Zentrum darauf einstellt.

von Rainer W. Janka

Rosenheim– Aus Peter Lutz, dem Chef des Kuko, sprudelt es nur so heraus: „Zulässig sollen kulturelle Veranstaltungen bis 50 Personen innerhalb geschlossener Räume sein – unsere maximale Kapazität ist 1600! Ich weiß nicht, wer da als Veranstalter auftreten soll! Wirtschaftlich wird so etwas kaum tragfähig sein.“

Da die Veranstaltungs- und Kongress GmbH Rosenheim (VKR), eine städtische Tochter, als Betreiber in erster Linie die Räumlichkeiten des Kuko vermietet, hat der VKR-Aufsichtsrat eine Corona-Preisliste zur Förderung von Veranstaltungen beschlossen: Der Kunde hat nur die Kosten zu tragen, die seine Veranstaltung ohne die Corona-Auflagen kosten würde. Bei einer Veranstaltung für 300 Leute beispielsweise wird der Veranstalter zukünftig den ganzen großen Saal Bayern anmieten müssen, braucht aber nur den Preis für den Mittelteil zu zahlen. Das ist ein Entgegenkommen der VKR, damit überhaupt wieder Veranstaltungen stattfinden können.

Lohnen sich noch Veranstaltungen?

Man hat also im Prinzip die Preise gesenkt – und trotzdem ist dies ja nur ein kleiner Betrag für eine Veranstaltung. Ein großer Betrag sind die Gagen. Wenn aber nur ein Fünftel der möglichen Besucher kommen darf: Rentiert sich das für den Veranstalter? Bei 50 Personen für eine Kulturveranstaltung funktioniert das nicht, konstatiert Lutz, hofft aber: „Wenn man dann – wie es schon mal in den Raum gestellt worden ist – bis zu 350 Personen zulässt im Sommer oder Herbst, oder wieder bis zu 500 oder 1000 Personen, wäre das schon eine Möglichkeit.“

Maximal 375 Personen möglich

Er rechnet vor: Die Höchstkapazität von 1600 Personen reduziert sich bei Abstandsregeln von 1,5 Metern von Person zu Person auf maximal 375 Plätze, wenn man Partnerplätze nimmt, also immer zwei zusammengehörige Personen, die nebeneinander sitzen dürfen. „Nur diese Größenordnung würden wir in etwa schaffen, obwohl wir das größte Raumangebot in der Region haben. Wir sind noch dabei, die Pläne zu erstellen“, meint Lutz und zeigt einige Computer-Grafiken, in denen die Plätze mit Abständen im Saal eingezeichnet sind.

Lesen Sie auch: „Kunst und Kultur sind mindestens so systemrelevant wie Fußball“

„Mir persönlich ist aber noch unklar: Wenn gesungen wird oder es Blasmusik gibt, sollen sich die Mindestabstände auf zwei Meter erhöhen: Betrifft das jetzt die Abstände im Publikum oder nur zwischen den Künstlern?“ fragt sich Lutz. „Auch gehe ich davon aus, dass der Abstand zwischen der Bühne und der ersten Zuhörerreihe erweitert werden muss. Und wie werden die Künstler auf der Bühne mit entsprechendem Abstand platziert? Da sind Solokünstler oder ein Kammerorchester sicherlich möglich, bei großen Orchestern wird es schwierig bis undenkbar.“

Hygienebedingungen einhalten

Wenn man die Hygienevorschriften einhält, könne man jede Veranstaltung machen. Und die Engstellen beim Ein- und Ausgang? Das ist lösbar wie beim Einkaufen, sagt Lutz. Der jeweilige Veranstalter müsse das in seinem Schutz- und Hygienekonzept regeln. Als Betreiber des Kuko wird die VKR dem jeweils vom Veranstalter zu ernennenden Corona-Beauftragten Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. So könnte der Eingang grundsätzlich über das Haus B erfolgen. Dort könnte man auch eine Garderobe anbieten und Getränke verkaufen, die die Gäste dann an den Platz mitnehmen dürfen. Dafür müssten jedoch noch kleine Kaffeetische angeschafft werden, plant Lutz.

Auflagen ändern sich ständig

Vor allem aber, betont Lutz, herrsche keine Planungssicherheit. Alles könne sich ständig ändern, weil alles nur gelte, wenn sich die Infektionsraten nicht ändern. Es werde immer „auf Sicht gefahren, Auflagen änderten sich vom Freitag auf Sonntag: „Jeder Veranstalter geht dabei ein Risiko ein.“

Werden die in den Herbst verschobenen Konzerte stattfinden können? Unabhängig von den Auflagen müsse der Veranstalter erst einmal diejenigen, die eine Karte gekauft haben, unterbringen können, meint Lutz, und dann müsse man die Wirtschaftlichkeit bedenken. Bei manchen Veranstaltungen werde überlegt, sie erneut zu verschieben, bei anderen, sie abzusagen.

„Wir waren bis zur sanierungsbedingten Sommerpause sehr gut gebucht und haben ab 21. September 2020 bis Mai 2021 eigentlich eine Vollauslastung“, stellt Lutz überraschend fest, „aber Corona trifft das Kuko äußerst hart.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass alles stattfinden kann, ist eher gering, und hängt davon ab, wie sich das Infektionsrisiko darstelle. „Da sitzt natürlich jeder Veranstalter auf einem Pulverfass“, formuliert Lutz drastisch.

+++

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

+++

Ein möglicher Schadensersatz ist ein komplexes Thema. Es komme auch auf den Zeitpunkt der Buchung an: Wurde vor der Corona-Pandemie gebucht oder danach? Danach unterscheiden sich die Rechtsfolgen, führt Lutz aus. Grundsätzlich gebe es die Möglichkeit, Veranstaltern zu helfen. Recht haben und Recht zu bekommen seien zwei Paar Stiefel, sagt Lutz. Letztendlich müsse man aufpassen, dass die gesamte Veranstaltungsbranche, die ja am härtesten betroffen sei, überlebensfähig bleibe.

„Veranstaltungsformate werden sie ändern“

„Die Veranstaltungsformate werden sich ändern!“, resümiert Lutz. „Veranstaltungen, die in kleineren Räumen stattgefunden haben, wechseln in die nächstgrößere Halle, Veranstaltungen, die bei uns stattgefunden haben, müssen dann in noch größere Veranstaltungshallen wandern.“

Mit Maske ins Konzert?

Die Normalitäten änderten sich ebenfalls: „Wenn die Normalität das Maskentragen darstellt, dann muss man sagen: Dann ist es halt so“, meint Lutz ganz pragmatisch, „bis der Impfstoff gefunden ist oder die Übertragungsraten auf Null gefallen sind.“ Aber, gibt Lutz zu bedenken, kulturelle Veranstaltungen seien eine Freizeitgestaltung, und allein der Gast entscheide, wie er seine Freizeit gestalten möchte. „Ob es dann einen Riesenspaß macht, mit Maske im Konzert zu sitzen, das wird sich zeigen“, meint er. Jetzt gehen ja schon die Konzertangebote für 2022 rein – aber unter welchen Bedingungen? Welche konkreten Zukunftsperspektiven gibt es? „Auf diese hoffen wir!“, schließt Lutz optimistisch. Die Unsicherheiten aber bleiben.

Kommentare