Künstler Jörg Herwegh begibt sich in Aschau auf die Spuren des Märchenkönigs Ludwig II.

Ein-Mann-Theater im Aschauer Kurpark: Jörg Herwegh begibt sich auf die Spuren des Märchenkönigs.
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Ein-Mann-Theater im Aschauer Kurpark: Jörg Herwegh begibt sich auf die Spuren des Märchenkönigs.
  • vonElisabeth Kirchner
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Viele Legenden ranken sich um den Tod von König Ludwig II. Und auch wenn die Hintergründe wohl nie endgültig geklärt werden, wichtig sei, „ihm die Würde zurückzugeben“. Jörg Herwegh widmete sich in einer Ein-Mann-Inszenierung in Aschau der Geschichte des Märchenkönigs und seines tragischen Todes.

Aschau – Als Ort für seine Inszenierung unter dem Titel „Ludwig Zwo – Wellenschaum“ hatte sich der Künstler eine königliche Kulisse mit unverstelltem Blick auf die Kampenwand und das Priental ausgesucht. Als kleine Bühne diente eine Theke verziert mit einem Portraitbild des Königs und beleuchtet von zwei Fackeln.

Viele Fakten, wort- und gestenreich verpackt

Wort- und gestenreich, berührend und dennoch mit vielen Fakten ging Herwegh auf die bayrische und deutsche Geschichte, auf des Königs Leben und schließlich auf dessen letzten Stunden ein. Zeitversetzt ins Jahr 1949 – also 63 Jahre nach des Königs Tod im Würmsee und dem Jahr des Erlaß des Grundgesetzes – zog Herwegh Bilanz: Zum 1000-jährige Reich, von dem Hitler träumte, das „Gottlob“ aber nur 14 Jahre währte. Zu den Wittelsbachern, “das alte, hohe Adelsgeschlecht,“ dass sich konsequent den Nazis verweigert hatte. Oder zum Würmsee, der erst durch den aufkommenden Tourismus zum Starnberger See wurde. Es war ein weiter Bogen, den Herwegh spannte – und der sich schließlich auf das Leben des Märchenkönigs verengte.

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Die Ausstellung „Götterdämmerung. König Ludwig II und seine Zeit“ 2011 auf der Herreninsel zusammenfassend verwob Herwegh die äußeren Umstände der Königszeit geschickt mit der Person des Märchenkönigs. Von frühester Kindheit an zum König-Sein gedrillt und erzogen, das Militärische verachtend, hingezogen zu Musik und Literatur, war Ludwig II. „nicht für den Job des Königs geeignet“, so Herwegh.

Ohne ihn gäb‘s wohl keinen Ring der Nibelungen

Oft werde übersehen, dass er auch viel Gutes in seiner Amtszeit bewirkt habe: Ohne ihn kein Ring der Nibelungen, ohne ihn kein Festspielhaus in Bayreuth, keine Gründung der Polytechnischen Hochschule und des Maximilianeums. Talent, das Geld zum Fenster hinauszuwerfen, Ludwigs Wunsch, das Volk durch die Kultur zu erhöhen, das Fehlen eines geeigneten politischen Beraters – das Ganze war letztlich zum Scheitern verurteilt, wie der Künstler urteilte.

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Herwegh nahm die Zuschauer noch weiter ein, als er auf die letzten Tage des Königs in Schloss Berg einging. Bis heute sei sein Tod nicht vollständig aufgeklärt, es gebe viele Ungereimtheiten. Kein Wunder also, dass sich auch Literaten des Stoffes angenommen haben. Untermalt von Wagnerischer Musik rezitierte Herwegh aus Klaus Manns (1906-1949) Novelle „Vergitterte Fenster. Novelle um den Tod des König Ludwig II von Bayern“, der über das Werk selbst sagte: „Diese Königs-Legende hat die Farben der gemeinsten Kitsch-Postkarten.“ Brilliant, wie Herwegh den Abend-Spaziergang im stürmischen Gewitter-Regen nachzeichnete, wie Ludwig II. sich ins Wasser stürzt, von Gudden ihn noch retten will, aber vergeblich: „Sie sinken herab wie ein liebendes Paar.“ Aber, so Herwegh nach atemloser sekundenlanger Stille: „Diese Darstellung Manns ist künstlerischer Freiheit geschuldet.“ Viele Fakten sprächen dagegen.

Königliche Spuren in der Literatur

In ihrem Gedicht „Der Prinzregent“ habe Kaiserin Sissi keinen Hehl aus ihrer Verachtung des Nachfolgers, des Märchnenkönigs Prinzregent Luitpold, gemacht: „Seine Neffen stieß er heimtückisch von dem Thron…“

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Eine weitere literarische Fantasie über das Ableben des Königs habe er bei Mori Ogai (1862-1922) gefunden, ein japanischer Militärarzt und Literat, der in den 1880r-Jahren in Deutschland studierte und bis heute als der Übersetzer der Werke Schillers und Goethes ins Japanische gilt. Bei Ogai verliebt sich Ludwig II. unglücklich in eine Angestellte des königlichen Hofs, so Herwegh. Deren Tochter, eine Blumenverkäuferin, fährt Jahre später mit einem Freund an den Würmsee. Und während man rudert, passiert das Boot auch Schloss Berg, wo Ludwig II. mit seinem Leibarzt spazieren geht.

Der Monarch erkennt die Geliebte

Der König wiederum glaubt seine ehemalige Geliebte Marie zu erkennen, stürzt sich ins Wasser, und ertrinkt zusammen mit von Gudden. Aber auch die vermeintliche Marie, die nur weg will, fällt ins Wasser und ertrinkt unglücklich. Aber auch damit kläre sich nicht, wie der König umgekommen sei. Herwegh: Allein, man solle ihm die Würde zurückgeben, denn „Wellenschaum lässt die Phantasie niemals ruhen.“

Weitere Aufführungen unter freiem Himmel

Weitere Aufführungen von „Ludwig Zwo –Wellenschaum“ mit Jörg Herwegh gibt es am Samstag, 1. August, um 20.30 Uhr im Schlosshof Haag, am Freitag, 7. August, um 18 Uhr in Bad Endorf im kleinen Park hinter der Kirche, am Freitag, 14. August, und Samstag, 22. August, jeweils um 20.30 Uhr im Aschauer Kurpark sowie am Sonntag, 23. August, um 20.30 Uhr auf der Rathauswiese in Fridolfing.

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