Comic-Kunst von Johannes Herzog im Schloßberger Rathaus

Kryptisches von zwei halben Hunden

"Der halbe Hund" gibt der Ausstellung von Comic-Künstler Johannes Herzog im Rathaus am Schloßberg den Namen.  Foto  Schlecker
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"Der halbe Hund" gibt der Ausstellung von Comic-Künstler Johannes Herzog im Rathaus am Schloßberg den Namen. Foto Schlecker

Halbe Hunde, fliegende Kaffeetassen, durch den Raum katapultierende Stühle, durch die Wolken schwebende Autos: Aberwitzig, verrückt und unsinnig erscheinen auf den ersten Blick die Bilder im Comic-Stil von Johannes Herzog. Doch das Lachen gefriert dem Ausstellungsbesucher im Schloßberger Rathaus beim Betrachten so manches Werkes. Die knallbunte Farbgebung täuscht nicht darüber hinweg, dass hier ein Maler mit manchmal auch bitterböser Ironie den Pinsel geführt hat. Grotesk verzerrte Menschenbilder karikieren die dunklen Charakterseiten des Lebens, überspitzte Landschafts- und Stadtmotive legen den Finger in die Wunden der Zeit.

Die Arbeiten des 46-jährigen Malers, Illustrators und Zeichners, der aus der bekannten Schloßberger Künstlerfamilie Herzog stammt, in Vogtareuth und Halfing arbeitet, öffnen mit ihrem scheinbar fröhlichen Comic-Stil die Herzen. Sie verführen auf diese Weise zum näheren Hinschauen, verbunden mit nachdenklichem Rätseln über die ernsten Aussagen hinter den oft verrückt wirkenden Motiven. Als "kryptisch" charakterisiert Herzog mit Recht seine Arbeiten.

Den Zugang zum Werk des Comic-Künstlers, der beim Illustrator Hendrik Müller volontiert und Kommunikationsdesign in Augsburg studiert hat, eröffnet ein Hund. Korrekt gesagt sind es zwei halbe Hunde. Sie bilden, dargestellt in verschiedenen Techniken von Acryl auf Leinwand bis Bleistiftzeichnung und Linoldruck, den roten Faden der Ausstellung. Im geliebten Vierbeiner findet der Künstler sich wieder - ebenso freiheitsliebend wie der übermütig durch die Gegend streifende Hund, ebenso treu stets zurückkehrend zu seiner Heimat. Selbstbestimmt und bodenständig zugleich: So ist auch das Selbstverständnis von Herzog.

Mit dem besten tierischen Freund des Menschen, dem Hund, kann sich auch der Ausstellungsbesucher gut identifizieren. So mancher findet sich sicherlich auch im eitlen Raketentechniker, im Politiker, der seinem Anlitz im Spiegel die Zunge herausstreckt, und im orientierungslos zwischen verschiedenen tierischen Körpern hin und her schwankenden "Wesen des Ichs" wieder. Dass die Reaktionen auf seine Werke, die immer wieder Details grotesk überzeichnen und dadurch auch verstören können, nicht nur fröhlich sind, stört Herzog nicht. Im Gegenteil: "Das Schlimmste, was mir als Maler passieren könnte, wäre, dass die Betrachter meiner Bilder ohne Reaktion bleiben würden. Sobald der Betrachter beginnt, sich mit dem Dargestellten zu beschäftigen, ist mein Auftrag erfüllt", betont er.

Herzogs großflächige Bilder in Acryl auf Leinwand erleichtern mit kräftiger Farbgebung die Annäherung, seine filigranen Zeichnungen erfordern Zeit für die Interpretation. Gemeinsam sind ihnen skurrile Kompositionen - von der über die Alpen wandernden genmanipulierten Tomate bis zur Axt im Kopf. Ernste Themen heiter bis satirisch zu vermitteln, das liegt dem Künstler, der schon als Kind den Alltag mit Comic-Kunst gewürzt hat. Kein Schulheft ohne an den Rand gekritzelte Karikaturen des Lehrers. Sein Werk von heute nimmt Herzog ebenfalls nicht allzu ernst. Die Frage, warum der Titelheld vieler seiner Bilder, der Hund, halbiert worden sei, beantwortet er stets mit einem Augenzwinkern mit der Aussage, die beiden Hälften seien vor und nach der Brotzeitpause entstanden.

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