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Kreisvolksmusikpflege stellt neues Liedblatt mit bekannten Weisen vor

Aufzeichnung Wastl Fanderl (1946), Notenschrift Professor Walter Deutsch, Wien, 1990.
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Aufzeichnung Wastl Fanderl (1946), Notenschrift Professor Walter Deutsch, Wien, 1990.

Hartmannsberg – Die Volksmusikpflege des Landkreises Rosenheim lädt für Freitag, 15. Juli, um 19 Uhr zu einem abendlichen „Singen am See“ im Garten von Schloss Hartmannsberg ein – bei schönem Wetter unter den schattigen Bäumen oder direkt am See – bei Regen im Schloss.

In der Reihe „Draußn und drinna, mitanand singa“ können die Besucher ganz ohne Leistungsdruck und ohne Perfektionsstreben mit Eva Bruckner und Ernst Schusser zur eigenen Freude singen. Notenkenntnisse sind nicht erforderlich. Anmeldung wird erbeten an ernst.schusser@heimatpfleger.bayern oder unter 0172/ 8 51 64 44 (Mobilbox) oder per Post an Ernst Schusser, Friedrich-Jahn-Straße 3 in 83052 Bruckmühl.

An diesem Abend ist Schloss Hartmannsberg „eine Reise wert“: Erstmals wird ein neues Liederblatt der Kreisvolksmusikpflege mit so bekannten Liedern wie „Freinderl, kennst du das Haus“ oder dem König-Ludwig-Lied „Auf den Bergen wohnt die Freiheit“ vorgestellt, dazu das Lied vom Edelweiß „Des schönste Bleamal auf da Welt“ oder das Liebes- und Wildschützenlied „Wohl in der Wiederschwing hab i mei Deandal drin“. Die Besucher können die Liederblätter mitnehmen, am besten mehrere, damit sie mit Freunden und Bekannten selber singen können. Ganz bekannt ist auch das Loblied auf das „Boarische Bier“, wie es seit etwa 1880 nicht nur in den Wirtshäusern gesungen wird: „Griaß Gott, ihr liabn Leitln“ – bekannt gemacht über den Kraudn Sepp, die Brüder Roider oder weitere Wirtshaussänger. Alle Lieder des neuen Liederblattes sind auch im Landkreis Rosenheim teils über mehrere Generationen überliefert und oft bis heute lebendig.

Und noch etwas Besonderes bringt der Abend „Singen am See“: Zu Gast sind die oberbayerischen Moritatensänger mit ihrer Bildertafel und laden mit den Liederheftchen zum Mitsingen von Balladen, Moritaten und Ereignisliedern ein. Da geht es zum Beispiel um die Geschichte vom „Boarischen Hiasl“, der Ende des 18. Jahrhunderts als Räuber und Wildschütz in der Gegend zwischen Augsburg, Ingolstadt und München tätig war. Der Legende nach hat er als „bayerischer Robin Hood“ die Herrschenden und Reichen ausgeraubt und die Armen und Bauern unterstützt. Natürlich wird auch das Lied vom „Wirtssepperl von Garching“ gemeinsam angestimmt, der als Zitherspieler im Wasserburger Land unterwegs gewesen sein soll und beim weiblichen Geschlecht gern gesehen war.

Neben diesen überregional bekannten Liedern stehen einige historische oder neuere Ereignislieder aus der engeren Umgebung von Hartmannsberg: Vielleicht kommt die „Geschichte vom Scharnholz“ zur Aufführung, die sich auf ein Ereignis von 1994 in der Gemeinde Eggstätt bezieht. Oder wir besingen das Leben vom „Himmier-Anderl“, der um das Jahr 1842 in einem Waldstück zwischen Hemhof und Höslwang erschossen wurde. Der Jäger von Hartmannsberg soll ihn der Überlieferung nach immer wieder vor dem Wildern gewarnt haben. In der Bevölkerung ist als Andenken an den jung zu Tode gekommenen Sohn vom Himmler Hof in Siegsdorf bei Höslwang ein Lied entstanden mit dem Anfang:

„Andreas heiß ich mit Namen, frisch, gesund und noch nicht alt; eines Tags, früh allermorgens, ging ich spazieren in den Wald.

Da nahm ich meine Flinte und schau ein wenig hin und her, ob denn nicht in diesem Walde ein Stücklein Wild zu schiaßn wär.“ Über zehn Strophen zieht sich die gesungene Erzählung nach altüberlieferten Mustern.

Solche „Totengedächtnislieder“ sind in den Orten zahlreich überliefert, wenn es sich um nicht alltägliche Vorkommnisse handelt. Die Geschichte vom Wildschütz Himmier Anderl wird bis heute lebendig gehalten. Wastl Fanderl (1915 bis 1991) hat im Jahr 1946 eine Fassung bei den „alten Bauersleuten Lampersberger in Almertsham bei Höslwang“ aufgeschrieben. Die Volksmusikpflege des Landkreises Rosenheim sammelt die überlieferten alten und neuen Lieder. Gern kommen wir auch zu Ihnen und dokumentieren Ihr Wissen.

Volksmusikpfleger Ernst Schusser

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