Kreativität kennt keine Langeweile

Ewald und Isabella Waldheim vor ihren Arbeiten in der Alten Raiffeisen in Neubeuern.
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Ewald und Isabella Waldheim vor ihren Arbeiten in der Alten Raiffeisen in Neubeuern.

Neubeuern – Die Malerin Isabella Waldheim hat als Mitglied des Neubeurer Künstlerkreises gemeinsam mit ihrem Mann, dem Bildhauer Ewald Waldheim, zu ihrer Ausstellung in die „Alte Raiffeisen“ in Neubeuern eingeladen.

Der ursprünglich geplante Ausstellungstermin Mitte März fiel den Corona-Schließungen zum Opfer. Umso erfreulicher ist es, dass es jetzt am Pfingstwochenende, wenn auch verkürzt und mit Einschränkungen, doch noch möglich war, die Ausstellung zu öffnen.

Das Künstlerehepaar aus Raubling zeigt in einem harmonischen Nebeneinander, dass völlig gegensätzliche Arbeitsweisen einander nicht ausschließen.

Der Bildhauer Ewald Waldheim ist ein Perfektionist. Seine Arbeitsmateria lien sind Stahl, Eisen und Beton, die keine nachträglichen Korrekturen zulassen. Im Alltag entdeckt er Schatten, die ihn faszinieren, die sich bei ihm einprägen, ihm Anregungen für seine Skulpturen geben und dann im Vorfeld genauestens geplant und in Formen gegossen werden. Auch die Unterbrechungen durch gezielt gesetzte Stahlstifte, die dem Material seine Schwere nehmen und ihm dadurch eine Leichtigkeit verleihen, müssen exakt in die Planung mit einbezogen werden.

Die orangebraune Farbe von Rost auf Eisen inspiriert ihn immer wieder. Korrosionsprozesse werden spätestens seit dem Ende des 20. Jahrhunderts als ästhetisch erwünschtes Phänomen in der bildenden Kunst betrachtet. Und genau das ist die einzige Art von „Korrektur“, die er bei seinen Werken zulässt.

„Großformatige Bilder male ich am liebsten“, erzählt Isabella Waldheim. Im Gegensatz zu ihrem Mann gibt es bei der Entstehung eines Bildes kein vorgegebenes Motiv. Ihre Entscheidung für das Malen mit Acrylfarben liegt in der hohen Farbbrillanz und den vielfältigen Möglichkeiten. Acrylfarbe trocknet sehr schnell und erlaubt somit innerhalb kurzer Zeit ein Übermalen oder Ergänzen der Bilder, eine Eigenschaft, die Waldheims spontaner und großzügiger Malweise entgegenkommt. Klare wag- und senkrechte Linien aus selbst gemischten Acryl-Pigmentfarben durchbricht sie mit Bleistift, Tusche, Kohle oder Kreide.

Kein Werk der beiden Künstler trägt einen Titel. Es soll der Fantasie des Betrachters überlassen werden, was ihm die Werke sagen und in ihm zum Klingen bringen.

Mit den Worten: „Wenn wir kreativ leben, gibt es keine Langeweile, und jeder Moment trägt das Versprechen auf neue Entdeckungen“ erläutert Isabella Waldheim ihr künstlerisches Schaffen. Dieser Satz gilt in gleicher Weise für die Arbeiten ihres Ehemannes Ewald.

Edith Riedl

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