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Requiem von Johannes Brahms

Tiroler Festspiele Erl: Ein kraftvolles Trostversprechen zum Abschluss

Beglückt nehmen alle den Beifall entgegen: (von links) die Solisten Domen Križaj und Florina Ilie, die Chorleiterin Olga Yanum und der Dirigent Roland Böer.
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Beglückt nehmen alle den Beifall entgegen: (von links) die Solisten Domen Križaj und Florina Ilie, die Chorleiterin Olga Yanum und der Dirigent Roland Böer.
  • VonRainer W. Janka
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Mit dem Requiem von Johannes Brahms enden die Tiroler Festspiele Erl. Dirigent Roland Böer setzte bei der Aufführung dieses für die Jahreszeit ungewöhnlichen Stücks auf rythmischen Schwung und entfesselte ein fesselndes Drama.

Erl/Tirol – Dass die Tiroler Festspiele Erl mit einem Requiem, dem von Johannes Brahms, beendet wurden, ist einerseits konsequent, andrerseits ungewöhnlich: Konsequent, weil es die kleine Brahms-Serie fortführte, die die Camerata Salzburg begonnen hatte, andrerseits, weil ja auch im Sommer gestorben wird. Ein festlich-feierliches Ende war’s allemal.

Dass es so festlich wurde und nicht unbedingt der Tod beschworen, sondern bekämpft und Trost versprochen wurde, lag vor allem am Dirigenten Roland Böer.

Keine pietistische Trauerweidigkeit

Der setzte auf rhythmischen Schwung und wollte nicht in pietistische Trauerweidigkeit versinken. Im Gegenteil: Er entfesselte ein fesselndes Drama, einen Kampf gegen die drohende Allmacht des Todes. Dafür konnte Böer sich vor allem auf das Festspielorchester verlassen. Es konnte trauersatt weich werden, aber auch bläser- und paukenstark toben. Wenn der Trauermarsch „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ ins Fortissimo kommt, ist es, als öffnete sich das Höllentor. Und mit trotzig-höhnischer Wut ruft der Chor im Todverschlungenheitsjubel dem Tod entgegen: „Wo ist dein Stachel!“ Da entfaltete der Festspielchor seine immense geballte Kraft.

Seligreiches Chorpiano

Böer leitete diesen von Olga Yanum gut einstudierten Chor, der sich um Konsonantenstärke bemühte, auch immer zu den Leitworten hin, zu „Weinen“, „Leid“ und „getröstet“. Das verlieh den Gesangslinien verstärkt Lebendigkeit, verhinderte Todesmonotonie. Seligreiches Chorpiano schmückte den Anfang, erwartungsfreudige Wucht die Chorfuge, wenn die „Erlöseten des Herrn gen Zion kommen mit Jauchzen“ und die versprochene „ewige Freude“ bejubeln.

Nur eine Arie für die Solistin

Nur eine Chance hat die Sopranistin, weil sie nur eine Arie hat. Diese sollte eigentlich zwischen Fugentrubel, tobenden Trauermarsch und Chorgewühle eine „Verweile-doch!“-Stelle sein. Florina Ilie war zu handfest arios, ließ ein inniges Piano und eine Portion sorgende Mütterlichkeit vermissen.

Domen Križaj, der tags zuvor noch als „ König Arthus “ amtiert hatte, nahm daraus etwas Majestätisches mit, das sich in seiner zweiten Arie ins Trostreiche verwandelte, wenn er versprach: „Wir werden verwandelt werden.“ Ein Trostversprechen, das diesem Requiem den „radikalen Optimismus“ verlieh, den sich der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seiner Eröffnungsansprache gewünscht hatte.

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