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Benefizkonzert

Konzertlesung für Ukraine-Opfer: Weder Ketten noch Schwert

Yume Hanusch.
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Yume Hanusch.

Für den Friedensnobelpreisträger Albert Schweizer war Bach ein Tröster und damit ein Friedensstifter. Das war das eine heimliche Motto der Konzertlesung für den Frieden in der Ukraine mit Michael Atzinger als Rezitator, Yume Hanusch am Klavier und Birgit Saßmannshaus am Cello im gut gefüllten Künstlerhof.

Rosenheim – Das andere heimliche Motto war ein Zitat von Johann Gottfried Herder: „Die Kette ziemt den Menschen nicht – und minder noch das Schwert.“ Friede und Freiheit seien also zutiefst menschlich.

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Alle drei Protagonisten schufen mit einer ungewöhnlich dichten Verzahnung von Text und Musik eine emotional intensive Atmosphäre, die sich am Ende in minutenlangem Beifall entlud. Der Erlös des Benefizkonzertes geht an das Ukraine-Soforthilfeprojekt des Wasserburger Vereins „Begegnungen mit Menschen – humanitäre Hilfe weltweit“.

Atzinger verknüpfte Kurzbiografien der Komponisten und Gedichtzeilen in dichtester Form mit der gespielten Musik. Erstaunlich war dabei, wie Krieg so oft eine Rolle spielte in und für die Musik. Das Wort reicherte die Musik mit zusätzlicher Bedeutung an und intensivierte das musikalische Erlebnis.

Überfallartige Liebeserklärung

So hörte man den großen tonschönen und wohlströmenden Klang des Cellos ganz neu. Das kam den zwei Fantasiestücken von Robert Schumann aus seinem op. 73 sehr zugute mit dem sehnsuchtsvollen Ton der ersten Fantasie und dem klangrauschenden Ton der zweiten, die so stürmisch wie eine überfallartige Liebeserklärung wirkte. Der Cellist Pablo Casals, in dessen spanischer Heimat lange Bürgerkrieg herrschte, beendete all seine Exilkonzerte als permanente Friedensmahnung immer mit „El Cant dels Ocells“, dem Gesang der Vögel; hier stand er am Konzertanfang. Bitterböse-verzweifelt dagegen klingt der zweite Satz der Cello-Sonate von Dmitri Schostakowitsch, von den beiden Musikerinnen wildwütig gehämmert und gestrichen.

Als Friedenssehnsucht wirkten dagegen das melancholisch-innige „Prayer“ von Ernest Bloch sowie der hoffnungssuchende Musical-Song „Somewhere over the rainbow“ und vor allem „L‘oiseau“ aus dem Film „Belle et Sébastien“ von Zaz: eine träumerische Insel des friedvollen Glücks.

Hinwegstürmende Kraft

Emotionaler musikalischer Höhepunkt war Chopins Étude c-Moll, op. 25, Nr. 12, auch „Ozean-Etüde“ genannt. Die nicht enden wollenden Arpeggien-Wogen erhielten im Spiel von Yume Hanusch eine solche über alles hinwegstürmende Kraft, dass man meinen könnte, sie wolle mit ihrem Spiel alle Kriege in der Welt persönlich hinwegfegen.

Dem Menschen ziemt also weder Kette noch Schwert, also weder Diktatur noch Krieg, sondern Freiheit und immerwährender Friede – das tönte in schönster Form aus dem abschließenden Louis-Armstrong-Song „What a wonderful world“ – die nur so wundervoll ist, wenn Liebe herrscht, wie Michael Atzinger betonte.

Michael Atzinger.
Birgit Saßmannshaus.

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