„Konzerte im Abendrot“ auf Gut Immling bei Halfing: Kleines Finale mit großen Stimmen

Die Zugaben vereinten alle auf der Bühne: Bartholomew Berzonsky am Klavier, (von links) Maryna Zubko (im zweiten Teil in blauer Robe), Stefano Meo und Santiago Sánchez in legerer Alltagskleidung.
+
Die Zugaben vereinten alle auf der Bühne: Bartholomew Berzonsky am Klavier, (von links) Maryna Zubko (im zweiten Teil in blauer Robe), Stefano Meo und Santiago Sánchez in legerer Alltagskleidung.

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ – unter diesem Motto lud jetzt die Konzertreihe „Konzerte im Abendrot“ nach Gut Immling ein, nachdem viele Veranstaltungen Corona zum Opfer gefallen waren. Zum „kleinen Finale“ mussten die Besucher zwar aufs Abendrot, nicht aber auf große Stimmen verzichten.

Von Rainer W. Janka

Halfing – Verena von Kerssenbrock dirigiert normalerweise beim Immling Festival das große Opernorchester, diesmal musste sie sich mit einer Ansage begnügen: Als „kleines Finale des kleinen Ersatzfestivals auf kleiner Bühne“ bezeichnete sie das letzte der „Konzerte im Abendrot“, eine Operngala mit drei Sängern und einem Pianisten – wegen Regens wieder drinnen statt draußen mit Abendrot. Geradezu demonstrativ brav zogen die Sänger auf dem Weg zur Bühne ihre Masken über, die mit einem Nietzsche-Zitat bedruckt waren: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ – das trotzige Motto für diese Konzertreihe.

Prachtvoll waren sie alle, die Stimmen der Sänger: die aus der Ukraine stammende Sopranistin Maryna Zubko, die zur Zeit an der Oper Ulm engagiert ist, der Bassist Stefano Meo aus Rom, der eigentlich in Immling den „Falstaff“ singen hätte sollen, und der aus Uruguay stammende Tenor Santiago Sánchez.

Lesen Sie auch: Operetten-Arien in Wasserburger Pop-up-Biergarten – Leichte Musikkost zur kühlen Mass

Mit ihrer Robe brachte Maryna Zubko das fehlende Abendrot, mit ihrem üppig überschäumenden Sopran voll Ausdrucksüberschwang Opern-Atmosphäre auf die Bühne. Vor plötzlich entstehender Liebe überfließend und mit die Luft durchschneidenden Spitzentönen wie ein Seelenaufschrei sang sie die Arie der Violetta aus Verdis „La Traviata“, zog bezwingende Legato-Linien in einer Arie aus Puccinis „La Rondine“ und bewies in zwei Arien von Bellini („I Puritani“) und Donizetti („Linda di Chamounix“), dass sie auch firm in Belcanto-Fiorituren ist.

Seelenaufrührende Entscheidung

Zusammen mit Stefano Meo gestaltete sie die Unterhaltung zwischen Violetta und dem Vater Germont als spannende und seelenaufrührende Entscheidung, ihren Geliebten zu verlassen. Meos machtvoll strömender Bass scheint schier unendliche Reserven zu besitzen, er sang vornehmlich Verdi-Arien: Schicksalsschwer als Carlo del Vargas in „Die Macht des Schicksals“, zutiefst verletzt als Renato im „Maskenball“ und kraftvoll-flehentlich betend als Nabucco.

Lesen Sie auch: „Sommer in Rosenheim“ – Das ganze Programm und ein Video von der Eröffnung

Leicht anspringend, frei fließend, mit hellem Timbre, richtigem Sitz und großer Piano-Fähigkeit ist die Tenorstimme von Santiago Sánchez. Seine „Nessun-dorma!“-Arie verriet er nicht an die übliche Tenor-Show, sondern hielt sich am Schluss an die vorgeschriebenen Tonlängen, in „E lucevan le stelle“ hörte man Cavaradossis Todesahnung und -verzweiflung. In zwei populären Liedern zeigte er wahre temperamentvolle Tenorsangeslust: „Júrame“, ein Habana-Bolero, ist der erste Song von Maria Graver, der berühmt geworden ist, „No puede ser“ aus der Zarzuela „La taberna del Puerto“ von Pablo Scorozábal kennt man von Placido Domingo, der dieses Lied oft und gerne singt.

„Rigoletto“ zum Abschluss

Szenen aus Verdis „Rigoletto“ beschlossen den Abend: Des Herzogs Leichtlebigkeit war passgenau für den Tenor von Santiago Sánchez, Rigolettos Vaterschmerz war deutlich hörbar in der von Meo gesungenen Arie „Cortigiani, vil razza dannata“ und bei Rigolettos Racheschwur („Si, vendetta“) bekam man als Zuhörer fast selber Angst.

Lesen Sie auch: Das kulturelle Angebot auf Gut Immling im Überblick

Bartholomew Berzonsky war der unermüdliche Mann am Klavier, der so einfühlsam wie dramatisch feurig das fehlende Orchester mimte. Als kurze Zugaben für den immer wieder aufbrandenden Beifall dienten – fast zwangsläufig – das berühmte „Trinklied aus „La Traviata“ und „O sole mio“.

Kommentare