„Konzerte im Abendrot“ in Immling: Dieter Lallinger und Wen-Sinn Yang spielen Beethoven

Hochkonzentriert und lebendig spielten Dieter Lallinger (Klavier) und Wen-Sinn Yang (Cello).
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Hochkonzentriert und lebendig spielten Dieter Lallinger (Klavier) und Wen-Sinn Yang (Cello).

Endlich wieder Live-Musik: Diesen Gedanken hatten viele Zuhörer, die für die Reihe „Konzerte im Abendrot“ nach Gut Immling gekommen waren. Auf dem Programm standen die Cello-Sonaten von Beethoven. Auf das Abendrot mussten die Gäste zwar verzichten, dafür gab‘s eine musikalische „Liebeserklärung“.

Von Rainer W. Janka

Halfing – In der Pause stellte es sich pünktlich ein, das berühmte Immlinger Abendrot. Der Regen hatte alle in das Immlinger Festspielhaus getrieben, so war es, wenn auch kein Konzert im, immerhin bei Abendrot.

Die Zuhörer waren glücklich

Das Immling Festival hatte diese „Konzerte im Abendrot“ als Ersatz für alles sonst Geplante gestartet und die Zuhörer waren so glücklich, wieder Musik live hören zu können, dass sie sogar ein Kammermusikprogramm mit Cello-Sonaten von Beethoven bejubelten, für das sich normalerweise nur Kammermusikfans begeistern. Draußen wäre es stimmungsvoller gewesen, dafür klang‘s drinnen besser.

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Dieter Lallinger am Klavier und Wen-Sinn Yang am Cello sind ein seit langem eingespieltes Team, Yang musste sich nur ein bisschen zurücklehnen, damit Lallinger die Impulse aufnehmen konnte, das Zusammenspiel klappte sonst blind.

Yang gibt auch den Moderator

Yang fungierte auch als Moderator: Die konstruktiv-dichte C-Dur-Sonate op. 102 Nr. 1 stellte er als „Liebeserklärung“ an Beethovens Seelenfreundin Gräfin Erdödy vor (der sie auch gewidmet ist) – und schon hörte man sie anders, als intimes Zwiegespräch, von Yang mit feinem, sehnsuchtsvollem Cello-Ton markiert und vom Klavier in mildes Leuchten getaucht, aber auch als temperamentvolles Streitgespräch mit barschen Ausbrüchen, abgerissenen Tönen und gewissermaßen geräuschvollem Türenschlagen: Selten hört man diese Sonate so spannend.

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Auch die g-Moll-Sonate op. 5 geriet so äußerst spannungsreich. Yangs zupackendes Cellospiel und sein Bogentanz und Lallingers oft streichelnd-sanfter Anschlag und sein Skalenrauschen setzten hervorragend die kraftvolle Lebendigkeit und die urwüchsige Originalität, das Adagio-Singen und auch den ausgelassen-knorrigen Humor dieser frühen Sonate ins Licht.

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Die A-Dur-Sonate, die beliebteste aller fünf Beethoven-Cello-Sonaten, erwies sich wirklich als das von Yang so genannte „Glanzstück einer Kommunikation zwischen Cello und Klavier“ und funkelte nur so vor musikantischer Virtuosität, edler Gesanglichkeit und bizarr-vertrackter Rhythmik.

Beethovens Einfallsreichtum war dann zu bestaunen in den Variationen über „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts „Zauberflöte“.

Versonnene Melancholie

Die beiden Solisten kosteten sowohl die kauzige Spielfreude als auch die versonnene Melancholie aus, wenn das Klavier verhangen beginnt und das Cello in die tiefsten Tiefen hinabsteigt. Daran fügte sich auch die Zugabe nahtlos an, die zwölf Variationen über „Ein Mädchen oder Weibchen“, ebenfalls aus der „Zauberflöte“: ein heiterer Abschluss eines konzentrierten und hochlebendigen Kammermusikabends.

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