Konzert ohne Publikum: Crowdfunding für Kulturschaffende

Auftritt für guten Zweck:Songwriterin Sarah Straub am Klavier im Trio mit Fany Kammerlander (Cello) und Werner Schmidbauer (Gitarre und Bluesharp). Herzog

Das Künstler-Solidaritätsprojekt ging in die zweite Runde „Social Distancing mit Herz“. BeimDinzler am Irschenberg traten Werner Schmidbauer, Ecco Meincke, Fany Kammerlander und Organisatorin Sarah Straub auf. Das Publikum kann das Konzert nur per Internet verfolgen.

Irschenberg – Runde eins des Künstler-Solidaritätsprojekts „Social Distancing mit Herz“ vor Wochen war ein viel beachteter Erfolg: Das Trio von Konstantin Wecker spielte mit Songwriterin Sarah Straub und Gitarrist Flo Hirle (wir berichteten) zugunsten eines Fonds für weniger betuchte Kollegen aus der Kulturbranche.

Krise trifft Künstler hart

Viele Musiker, aber auch Kabarettisten oder Autoren sind Ein-Personen-Unternehmen und durch die Krise schwer getroffen. Auftritte mussten abgesagt werden, Veranstaltungen sind bis weit in den Sommer hinein abgesagt.

Jetzt ging es in Runde zwei

Am Irschenberg in den Räumen der Kaffeerösterei Dinzler ging es daher in Runde zwei, und langsam entwickelt sich das Projekt zu einem eigenständigen Format. Ein kleines, aber gut eingespieltes und mit Schutzmasken versehenes Technikteam unter Koordination von Kathrin Weimar und Tom Janko der Agentur „Crossgammy“ kümmerte sich um professionelle Bedingungen und Qualitätssicherung, sodass das Zuhören und -schauen auch wirklich Freude bereitet.

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Die einleitenden Stücke mit gecoverten Wecker-Liedern, teils mit Begleitung von Cellistin Fany Kammerlander, übernahm wieder Sarah Straub selbst, und leitete zu ihrem ersten Gast Werner Schmidbauer über.

Auftritt von Werner Schmidbauer

Der unterhalb des Irschenbergs beheimatete Liedermacher plädierte dafür, die Krise trotz der Einschränkungen auch als Chance für eine andere Orientierung zu sehen: „If you can´t go outside go inside“ – seine Erkenntnis aus einer vierwöchigen Ayurveda-Kur. Hannes Waders Klassiker „Heute hier, morgen dort“ stand nun ebenso auf dem Programm wie das übersetzte „Jraaduss“ von BAP. Schmidbauer gab in mehreren Stücken viel Persönliches preis, machte auf die Situation älterer Menschen in den Pflegeheimen aufmerksam, die keinen Besuch empfangen dürfen, und widmete seiner Mutter das Lied „Weil Du gehst“ und spielte nach längerer Pause seinen Song „Momentensammler“.

Ecco Meinecke macht Show

Mit einem weiteren Gast hatte Schmidbauer selber schon als Sechzehnjähriger seine ersten Konzerte gespielt, nämlich mit Ecco Meinecke, der seinen Pianisten Andy Lutter mitgebracht hatte. Meinecke ließ sich vom mangelnden Publikum nicht irritieren und legte eine mimisch-gestisch gekonnte Show auf die Kaffeebühne, bei Songs wie „So ein Tag, so sinnlos schön wie heute“ und einigen textlichen Anspielungen auf die aktuelle Situation.

Fany Kammerlander leitete mit einem feinfühligen Cello-Intro das nachdenkliche „Melancholie“ ein, dann gab es mit „Eis und Schnee“ nach bisher recht ruhigen Songs etwas mehr Power auf der Bühne, und Schmidbauer zeigte seine Qualitäten an der Bluesharp.

Appell zur Solidarität

Gute Teamarbeit auf der Bühne, und auch im Hintergrund: Sarah Straub erwähnte ausdrücklich, dass rund um die Künstler viele weitere Menschen ihr Geld mit Veranstaltungen verdienen und betonte, dass auch die Kulturbranche „systemrelevant“ sei. Mit einem Aufruf zur gesellschaftlichen Solidarität und allen Musikern auf der Bühne wurde es mit Schmidbauers Song „A jeder, der da moant“ nochmal politisch: „Wir brauchen Mut, wir brauchen Achtung und koa Sündenbockabschlachtung“. Ein schöner Schlussappell – und vielleicht macht die Situation ja eine dritte Runde von „Social Distancing mit Herz“ notwendig.

Das fast zweistündige Konzertvideo ist unter anderem über die Website von Sarah Straub noch aufrufbar, dort gibt es auch weitere Infos zur Spendenaktion.

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