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Neues Buch

Komponist Matthias Georg Kendlinger ist unter die Autoren gegangen

„Feuerwehr, Polizei und Reinigungskraft in einem“: So beschreibt Matthias Georg Kendlinger die verschiedenen Rollen des Dirigenten.
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„Feuerwehr, Polizei und Reinigungskraft in einem“: So beschreibt Matthias Georg Kendlinger die verschiedenen Rollen des Dirigenten.

Auch Matthias Georg Kendlinger, den so unermüdlich produktiven Konzertveranstalter, Dirigenten und Komponisten vom Walchsee, hat die Corona-Pandemie ausgebremst. Diese Pause hat er genutzt, um sein erstes Buch zu schreiben. Der Titel: „Der verlorene Sohn“.

Thiersee – Ziemlich prophetisch schaut Matthias Georg Kendlinger vom Cover, aber er verkündet keine Wahrheiten, sondern fragt danach. Der Untertitel verrät es: „Musik – Brücke zwischen Suche und Erkenntnis“. Und die meisten der dreizehn Kapitel sind fragend und erkenntnissuchend übertitelt.

Ist die Musik Ursprung des Lebens?

Er fragt, ob Musik Ursprung unseres Lebens sein könne (für ihn: ja), ob es eine Magie des Schicksals gebe (ja, auch eine „Magie der Momente“), ob ein Schritt zurück den eigenen Fortschritt beschleunige (ja, man müsse immer wieder mal reflektieren), ob Sicherheitsdenken das eigene Wachstum verhindere (ja!), wie mächtig Selbstzweifel seien (sehr mächtig!), wer am schwersten kennenzulernen sei (man selber) und ob Musik Weltbetrachtung sein könne: Ja, „Musik verbindet, dringt tief in die Seele ein, kann heilen, baut Brücken. Musik ist Leben.“ Tief gehen Fragen und versuchte Antworten.

Er ist in diesem Buch aufgebrochen, seine Wurzeln zu finden, er, der „viel gezweifelt hat, warum ich so anders bin, ein Inseldenker.“ Die Wurzeln findet er in seiner Familiengeschichte: Er sei Autodidakt der vierten Generation. Der Großvater mütterlichseits war sein Lebensanker, er war neben seinem Leben als Bauer auch Tierheilpraktiker in dritter Generation, der sein Wissen aus einem seit Generationen in der Familie überlieferten Buch holte.

Musik lässt ihn nicht los

Mit fünf Jahren bekam der kleine Matthias sein erstes Akkordeon, mit elf Jahren spielte er Klarinette in der örtlichen Blaskapelle, mit siebzehn Jahren gründete er seine eigene Volksmusikgruppe. Doch dann hat er mit 23 Jahren seine spätere Frau Larissa kennengelernt – dieses Kapitel ist eines der berührendsten – und suchte nach einem festen Einkommen. Er wurde Tourismusgeschäftsführer in Walchsee, aber die Musik ließ ihn nicht los.

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So gründete er 1994 seine eigene Veranstaltungsfirma namens DaCapo, die sich bis heute äußerst erfolgreich entwickelte. Danach war er Mitbegründer der heutigen Tiroler Festspiele Erl sowie der Beethoven-Tage Thiersee, dann gründete er sein eigenes Orchester, die K&K Philharmoniker mit Musikern aus Lemberg in der Ukraine, mit dem er, Strauß-Walzer spielend, auf Welt-Tourneen ging. Ein Chor folgte.

Das Dirigieren brachte er sich selber bei: eben Autodidakt der vierten Generation. Darüber macht er sich seine eigenen Gedanken: Ein Dirigent sei, vor allem in den Proben, „Feuerwehr, Polizei und Reinigungskraft in einem“. Und „je weniger Emotionalität in den Proben vorkommt, desto eher können sich virtuelle Räume im Konzert öffnen.“ Nur vom Publikum und Künstlern gemeinsam könne „diese besondere Magie im Konzert“ herbeigeführt werden.

Autodidaktischer Komponist und Dirigent

Und dann lernte er auch autodidaktisch das Komponieren, baute sich ein eigenes Komponierhäusl samt kleinem Konzertsaal. „Der verlorene Sohn“ ist sein Opus 1. Seine letzte CD mit dem Violinkonzert „Galaxy“ wurde gleich viermal für den Echo-Klassik-Preis nominiert. Kendlinger verabscheut Atonalität als „Ausdruck von Ausweglosigkeit“. Seine Musik solle „aus meinem Leben zitieren, meine Erfahrungen, Gefühle beschreiben“ und sie solle auch eine Annäherung an die Jazz- und Filmmusik sein, Mut zum Schlagzeug haben und weniger schwerfällig sein.

Matthias Georg Kendlinger beschreibt auch, wie viele Selbstzweifel ihn auf seinem Lebensweg immer wieder befielen und wieviel Lehrgeld er zahlen musste, weil er Menschen traute, die ihn letztendlich ausnützten, hintergingen und betrogen. Nie aber verließ ihn sein tiefer Glaube an die Menschlichkeit. Herzenswärme, respektvolle Liebe zu den Menschen und Ehrfurcht vor dem Leben prägen Kendlingers Gedankenwelt.

Weniger Biographie als Gedankenkonvolut

Dies Buch ist keine klassische fortlaufende Lebensbeschreibung, eher eine Gedankensammlung. Auch wenn Kendlingers Gedanken etwas unkoordiniert und sich wiederholend aus ihm heraussprudeln, so wird nach der Lektüre doch sein Wunsch erfüllt, Beethoven zitierend, dies Buch möge „von Herzen zu Herzen gehen“. Das tut es.

Matthias Georg Kendlinger: „Der verlorene Sohn. Musik – Brücke zwischen Suche und Erkenntnis“, Berlin/Wien 2021, Goldegg Verlag (ISBN: 978-3-99060-263-8), 128 Seiten, 24,80 Euro.

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